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Übersetzungen aus den
Tagesberichten der TIHV
Woche 01 und 02/2004
Özgür Gündem
vom 01.01.2004
Soldaten erschießen
Dorfbewohner
Im Kreis Uludere der Provinz
Sirnak erschossen Soldaten Hakim Bilen am 30.12.03 in der Nähe des
Dorfes Senoba. Er soll auf Jagd gewesen sein.
Politikada Gündem vom
31.12.2003
Zeitung für einen
Tag
Die Tageszeitung Özgür
Gündem konnte am 31.12. nicht erscheinen, weil das SSG Istanbul dies
wegen eines Artikels vom 18. Februar 2003 verboten hatte. Dem Besitzer
Ali Çelik Kasimogullari waren wegen des Artikels mit dem Titel “Abrechnung
für den Frieden” eine Geldstrafe von 873 Millionen TL und dem Chefredakteur
Mehmet Çolak eine Strafe von 436 Millionen TL auferlegt worden.
Anstelle von Özgür Gündem erschien Politikada Gündem
für einen Tag.
Milliyet vom 24.12.2003
Verbote von RTÜK
Der Hohe Rat für Fernsehen
und Radio hat Star TV für eine Dauer von 4 Tagen die Ausstrahlung
ihrer Nachrichtensendung untersagt. Grund sollen Nachrichten über
den Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan sein. Anstelle der Nachrichten
wird der Sender aufklärende Berichte zu Drogen etc. Ausstrahlen. In
den ersten 9 Monaten des Jahres 2003 hat RTÜK insgesamt 12 Radio-
und Fernsehsender den Betrieb für insgesamt 360 Tage untersagt. Es
handelt sich bei diesen Sendern um: Star, Star Max, Star 7, Star 8, Kanal
6, Radyo Dünya, Akra FM, Aktüel Radyo, Radyo Beyan, Kanal 43,
Gün TV und Çinar TV.
Özgür Politika
vom 06.01.2004
Extra-legale Erschießung
Zum Tode von Ahmet Yaman
(26) verlautete, dass er am 30. Dezember in der Nähe des Dorfes Isikveren
im Kreis Uludere der Provinz Sirnak verletzt festgenommen wurde und dann
zusammen mit einem Freund nach Sirnak zu Verhören gebracht worden
sei. Erst dann sei er erschossen worden. Wie weiter verlautete, soll er
im Jahre 2001 vom SSG Diyarbakir verurteilt worden sein. Er habe die Strafe
aber nicht angetreten, sondern sei in das Flüchtlingslager Mahmur
im Nordirak gegangen.
Özgür Gündem
vom 06.01.2004
Sabri Ejder Özic
verurteilt
Die 5. Kammer des Amtsgerichts
in Adana hat den ehemaligen Programmleiter des in Adana sendenden “Weltradio”s
(Radyo Dünya) und Vorstandsmitglied der Partei der Freien Gesellschaft,
Sabri Ejder Öziç, zu einer Haftstrafe von 1 Jahr verurteilt.
Grund war eine Sendung vom 23. Februar 2003, in der es um den Beitrag der
Türkei zum Einmarsch in den Irak ging. Öziç hatte gesagt,
dass das Parlament zum Terroristen werde, wenn es die Entsendung von Soldaten
in einem nicht legitimieren Krieg beschließe. Darin sah das Gericht
eine Beleidigung des Parlaments. Die Strafe wurde nach § 159 TSG verhängt.
Özgür Gündem
vom 07.01.2004
Terrorstempel
Aus dem Gefängnis in
Mus (Typ E) kamen Beschwerden, dass den Besuchern das Wort “Terror” auf
den Arm gestempelt wird. Nazime Polat, die Frau des inhaftierten Ali Polat,
sagte, dass ihnen zuvor das Wort “politisch” auf den Arm gestempelt wurde.
Sie habe sich wegen des Vorgehens beim Staatsanwalt beschwert und dieser
habe ihr versichert, dass er von einer solchen Maßnahme nichts wisse.
Hürriyet vom 07.01.2004
Fernsehsender muss einen
Monat schließen
RTÜK hat dem Fernsehsender
Günes TV, der in Malatya ausgestrahlt wird, die Ausstrahlung von Programmen
für einen Monat untersagt. Der Grund soll eine Sendung vom 20. Mai
2003 sei, in dem zur Beerdigung von Sengül Akkurt, die bei der Explosion
einer Bombe, mit der sie in Ankara vermutlich ein Selbstmordattentat verüben
wollte, getötet wurde, dass sie in Frieden ruhen solle. Obwohl Gutachter
RTÜK darauf aufmerksam machten, dass damit gegen keine Strafvorschrift
verstoßen wurde, soll RTÜK den Beschluss allein aufgrund des
Berichtes des Polizeipräsidiums in Malatya gefällt haben.
Özgür Gündem
vom 08.01.2004
Prügel für
Gefangene
Bei der Verlegung von Gefangenen
aus den Gefängnissen in Ümraniye und Bayrampasa in das F-Typ
Gefängnis Tekirdag sollen die Gefangenen nach Auskünften ihrer
Angehörigen verprügelt worden sein. Viele Gefangene sollen in
Einzelzellen gesteckt worden sein. Ihnen wurde ihre Gegenstände nicht
ausgehändigt. Sie sollen keine Reinigungsmittel erhalten und würden
gezwungen, sich gegen Bezahlung durch die Kantine zu verpflegen. Es sei
auch unklar, wo die verletzten Gefangenen sich befinden und ob sie behandelt
werden oder nicht.
Özgür Gündem
vom 08.01.2004
Prügel wegen Zeitunglesen
In Mersin beschwerte sich
Hamdullah Aktan, dass er von zwei Polizisten verprügelt wurde, weil
er die Zeitung “Özgür Gündem” lese. Er habe sich am 4. Januar
die Zeitung gekauft und sei danach einer Personenkontrolle unterworfen
worden, Am Abend sei einer der Beamten mit einem Kollegen gekommen. Er
habe ihn in das Auto gezwungen, wo er seinen Kopf zwischen die Knie drücken
musste. In dieser Lage sei ihm auf den Kopf und die Nieren geschlagen worden.
Nach einer halben Stunden sei er mit verbundenen Augen in ein Gebäude
gebracht worden, wo es 6 Stufen nach unten ging. Dort habe er vor allem
Schläge in die Magengegend erhalten. Er wurde nach organisatorischen
Verbindungen gefragt und ihm wurde vorgehalten, die Zeitung nicht mehr
zu lesen. Nach 3 Stunden Schlägen hätten sie Polizisten dann
wieder in seinem Stadtteil abgesetzt.
Milliyet vom 08.01.2004
Ärzte vertuschen
Folter
Die Ärztekammer in
Ankara hat Cumhur Akpinar und Saffet Üner die Berufsausübung
für zwei Monate untersagt, weil sie Folteropfern falsche Atteste ausstellten.
Drei Jugendliche waren am 31. Januar 2003 wegen des Verdachts von Diebstahl
in Polizeihaft gekommen. Sie hatten neben dem konkreten Vorwurf noch weitere
21 Diebstähle gestanden. Die Polizeibeamten hatten die Folterspuren
als Kratzer, die sich selbst wegen Allergien zugefügt hatten, bezeichnet.
Das entsprechende Protokoll unterzeichneten 10 Beamte und die 3 Verdächtigen.
Daraufhin stellten die Ärzte entsprechende Atteste aus. Nach der Inhaftierung
beschwerten sich die Jugendlichen wegen Folter. Deswegen wurden sie wegen
Diffamierung angeklagt. Die Ärztekammer in Ankara untersuchte die
Atteste, die zum Verfahren gegen die Jugendlichen führten und kam
zu dem Schluss, dass sie nicht den Tatsachen entsprechen und lediglich
der Verheimlichung von Folter dienten. Daher wurde die 2 Ärzte mit
einem Verbot der Berufsausübung für 2 Monate bestraft.
Özgür Gündem
vom 09.01.2004
DEHAP Mitglieder vor
Gericht
Die 2. Kammer des Amtsgericht
in Mersin verhandelte am 8. Januar gegen Mitglieder und Funktionäre
der DEHAP, die am 4. November 2003 den Gräbern des an Newroz 2002
getöteten Mehmet Sen und von getöteten Militanten der PKK/HPG
besuchten. Das Gericht vertagte sich, ordnete aber die Freilassung von
Hamit Turgut, Süleyman Simsek, Diren Yalçin, Rojhat Ölmez
und Emrah Günyeli an. Der Antrag auf Freilassung wurde im Falle von
Muhsin Camci abgelehnt.
Weitere Meldungen (Zusammenstellung
vom DTF)
Radikal vom 05.01.2004
Türkei: Transit
für Flüchtlinge
Nach offizieller Darstellungen
wurden im Zeitraum von 4 Jahren (1999-2003) insgesamt 728.534 Personen
gefasst, die auf ihrer Flucht nach Europa die Türkei als Durchgangsland
benutzten. Sie wurden wegen illegalem Aufenthalt oder Verletzung der Visumspflicht
polizeilich behandelt und dann ausgewiesen. Die gefassten Personen kamen
aus 162 Ländern. Die meisten stammten aus dem Irak (71.518), gefolgt
von Moldavien (40.806), Afghanistan (27.033), Pakistan (23.164) und dem
Iran (19.556). Bei dem Versuch, die Türkei illegal zu verlassen wurden
außerdem 22.737 türkische Staatsbürger gefasst.
Özgür Politika
vom 05.01.2004
2.316 Mörder laufen
frei herum
Die Gewerkschaft SES (Gesundheit
und Soziales) veranstaltet alljährlich eine Konferenz zum Gedenken
an ihrer Mitglieder, die unerkannten Mördern zum Opfer gefallen sind.
In seiner Rede sagte der IHD Vorsitzende Hüsnü Öndül,
dass der Verein für die letzten 15 Jahren insgesamt 2.316 (politische)
Morde gezählt habe, bei denen die Täter unbekannt blieben. Der
IHD Vertreter für Diyarbakir, Hanifi Isik bezeichnete die Morde als
Taten gegen die ethnische Identität, bei denen die Täter durchaus
bekannt seien. Wenn der Staat nicht in der Lage sei, die Täter zu
finden, sei er selber der Täter.
Radikal vom 07.01.2004
150 Türken haben
Verbindung zu Al Kaida
Die Intelligenzabteilung
bei der obersten Polizeibehörde der Türkei hat einen Bericht
“2003” zu Organisation von Al Kaida herausgegeben. Demzufolge gibt es in
der Türkei zwei Organisationen und 8 Gruppen, die mit der Kaida und
Usame bin Ladin in Verbindung stehen. Das sei vor allem die in Bursa und
Istanbul aktive Gruppe der “Beyyiat-i El Imam” (Union der Vorbeter). Das
andere sei die Bewegung des heiligen Krieges, die vor allem in Ankara aktiv
sei. Daneben gebe es noch 8 Gruppen in Istanbul, Bursa, Antalya, Ankara,
Konya, Malatya und Gaziantep, die den Glaubensrichtungen “Vahab” und “Selefi”
folgten.
Die Union der Vorbeter sei
1993 in Jordanien gegründet worden, um mit Waffengewalt die Besatzung
durch Israel zu beenden. Türkische Staatsangehörige, die sich
an den Kämpfen in Afghanistan, Bosnien und Tschetschenien beteiligten,
hätten die Aktivitäten der Union in die Türkei “importiert”.
Als Erstes seien im Februar 2002 vier Personen an der Grenze zum Iran gefasst
worden. Ihre Informationen hätte zu 6 weiteren Verhaftungen in Van
geführt. Bis zum Oktober 2002 kam es zu weiteren 22 Festnahmen, darunter
ein Deutscher (M.K.), der im August in Ankara als Kurier gefasst wurde.
Nach Auskunft der Verhafteten sei der Vorsitzende der Organisation Ebu
Musab und der Verantwortliche der Türkei heiße Ali Üzüm.
Ihre Aktionen seien aber auf Israel ausgerichtet. In der Türkei würde
lediglich logistische Unterstützung gewährt.
Die Bewegung des heiligen
Krieges ist nach der Organisation al-Jihad mit Zentrum in Ägypten
ausgerichtet. Ihr spiritueller Führer war Ayman El Zevahiri (Ayman
Rabi' az-Zawahiri). Der jetzige Führer, Baha Joughel halte sich in
Afghanistan auf. Der 2. Mann sei aus Syrien, habe aber die türkische
Staatsangehörigkeit. Er habe danach den Namen M.S. angenommen und
sei im April 2000 mit einem gefälschten Ausweis auf den Namen H.H.Ç.
gefasst worden. Damals seien insgesamt 20 Personen festgenommen worden,
nachdem zwei sich in einem Krankenhaus meldeten und sagten, sie hätten
einen Unfall gehabt, obwohl die Verletzungen von einer Bombenexplosion
herrührten.
Die Glaubensrichtung
der Selefi aus Saudi-Arabien habe sich zum ersten Mal in Malatya im Jahre
1974 gezeigt. Es gebe keine Publikation der Gruppen, von denen sich einzelne
Mitglieder als Soldaten in Kriegen außerhalb der Türkei betätigten.
Etliche seien nach dem 11. September nach Afghanistan gegangen, um sich
am heiligen Krieg zu beteiligen. Auch türkische Staatsbürger
im Ausland hätten sich an den Kämpfen beteiligt und einige seien
von den Amerikanern gefasst worden. Auf Guantanamo gebe es 5 türkische
Staatsbürger, von denen einer von Deutschland nach Afghanistan gegangen
sei und die anderen aus den Provinzen Van, Kocaeli, Sakarya und Agri stammten.
Daneben sollen 50 Kämpfer ihr Leben verloren haben, während ca.
150 zurückgekehrt sind und potentielle Kontaktpersonen für Al
Kaida sind.
Radikal vom 10.01.2004
Kinderkriminalität
Auf der gestrigen Pressekonferenz
nannte der Sprecher der obersten Polizeidirektion, Ramazan Er, Zahlen zur
Kinderkriminalität in der Türkei. Als Erstes jedoch nannte er
die Zahl der Kinder, die Opfer von Gewaltakten wurden. Dies waren im Jahre
2003 insgesamt 20.755. Im Verlauf des Jahres wurden 12.911 Kinder unter
10 Jahren aufgegriffen, von denen 522 auf der Strasse lebten. Im Alter
zwischen 11 und 19 Jahren seien es 75.402 Kinder gewesen, die zur Polizei
oder Gendarmerie gebracht wurden. Tatverdacht habe bei 48.854 bestanden.
Unter ihnen hätten 2.977 auf der Strasse gelebt.
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