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Übersetzungen des DTF
aus der türkischen Presse
Ende 2003/Anfang 2004
Radikal vom 29.12.2003
7 Trillionen TL “Strafe”
wegen Folter
Der Justizminister Cemil
Çiçek hat auf eine Anfrage des CHP Abgeordneten für
Ankara, Yakup Kepenek, angegeben, dass die Türkei in den 392 Verfahren,
die bislang mit dem Vorwurf der Folter vor den Europäischen Menschenrechtsgerichtshof
(EMRG) gebracht wurden, die Summe der Entschädigungen, die die Türkei
an die Opfer zahlen musste, 7,3 Trillionen TL (ca. 4,3 Millionen Euro)
beträgt. 149 Klagen vor dem EMRG sind derzeit noch anhängig.
Radikal vom 29.12.2003
Lehrer verurteilt
Das Amtsgericht in Amasra
(Bartin) hat die Lehrer Ahmet Pir und Mustafa Aksel zu je 20 Monaten Haft
verurteilt. Sie hatten vor den Protesten von KESK am 1. Oktober 2003 Plakate
an Orten aufgehängt, für die es keine Genehmigung gab. Darauf
steht nach § 536 TSG Strafe. Obwohl der Richter das Strafmass an der
Obergrenze ansetzte, wurde sie wegen guter Führung von 2 Jahren auf
20 Monate Haft reduziert. Diese Strafe verwandelte der Richter dann in
eine Geldstrafe, die wiederum zur Bewährung ausgesetzt wurde.
Özgür Politika
vom 29.12.2003
Auch 2003 wurde die Rückkehr
in die Dörfer behindert
Die Vorsitzende des Vertriebenenvereins
Göc-Der, Sefika Gürbüz, gab an, dass auch im Jahre 2003
viele Bewohner der entvölkerten Dörfer nicht zurückkehren
konnten. Lediglich 5% der Vertriebenen wären in der Lage gewesen,
im Sommer ihre Felder zu bestellen. Frau Gürbüz sagte ferner,
dass die offizielle Zahl von 84.000 Rückkehrern im Jahre 2003 nicht
zutreffend sei.
Özgür Politika
vom 29.12.2003
Frauenrechte in Diyarbakir
Die Bilanz des Zentrums
für Beratung und Hilfe zu Frauenrechten bei der Anwaltskammer Diyarbakir
für den Zeitraum zwischen dem 24. März und dem 25. Dezember 2003
wurde jetzt bekannt gegeben. Demnach haben sich 244 Frauen an das Zentrum
gewandt. Von ihnen brauchten 65 Rechtshilfe in Verfahren wie Scheidung,
Vergewaltigung etc. Die Koordinatorin des Zentrums, die Anwältin Zülal
Erdogan sagte, dass bei allen Vorfällen von sexueller Belästigung
und Vergewaltigung in Polizeihaft oder Inzest das ausschlaggebende Elemente
Gewalt sei. Selbst wenn ein Vater das Sorgerecht für ein Kind haben
wolle, werde die Frau Gewalt ausgesetzt. In 99% all der von ihnen behandelten
Fälle spiele Gewalt eine zentrale Rolle.
Die stellvertretende Vorsitzende
der Anwaltskammer, Meral Danis Bestas, fügte hinzu, dass die Frauen
mittlerweile ihre Stimme gegen die Gewalt erheben und forderte die Medien
auf, diesem Punkt Aufmerksamkeit zu schenken.
Radikal vom 30.12.2003
Kurdischkurse warten
auf Beginn
Mit langer Verzögerung
wurde in Urfa, Van und Batman die Eröffnung von Kursen in der kurdischen
Sprache (regionale Sprachen oder Dialekten) gegeben, aber die Kurse konnten
bislang nicht eröffnet werden, weil vom Ausschuss für Anwendung
und Führung im Ministerium für nationale Erziehung das Curriculum
nicht übersetzt werden konnte. Der Vorsitzende des Ausschusses, Ziya
Selçuk sagte, dass es Personal gebe, um deutsche oder englische
Texte zu überprüfen, aber niemanden, der kurdische Texte verstehen
könne. Sie hätten zu diesem Zweck Hilfe bei den Universitäten
angefordert. In Van gibt es noch ein Problem. Hier haben sich 3.000 Personen
für Kurse in Kurdisch angemeldet, aber Vom Ministerium aber wurde
die Zahl der Teilnehmer für ein Semester auf 120 Personen begrenzt.
Der Leiter der Kurse, Hasan Güven, sagte, dass sie die Zahl der Lehrer
von 4 auf 12 erhöhen würden und damit die Zahl der Teilnehmer
erhöhen könnten. Allerdings sei es vorrangig, dass auch das Unterrichtsmaterial
akzeptiert werde. Momentan müsse er jeden Monat viel Miete zahlen,
ohne irgend welche Einkünfte zu haben.
Özgür Politika
vom 30.12.2003
Hungerstreiker kommen
wieder ins Gefängnis
Der IHD in Istanbul hat
eine Pressekonferenz zur Situation der am Wernicke-Korsakoff Syndrom erkrankten
Hungerstreiker abgehalten. Dabei wurde darauf hingewiesen, dass etliche
von ihnen, die vorläufig aus der Haft entlassen wurden, nun wieder
inhaftiert werden, obwohl sie nicht genesen seien. Die Zahl dieser Personen
wurde mit 20 beziffert. Einer davon ist Sait Oral Uyan, der nach Angaben
seinen Vaters Ali Uyan nicht ohne fremde Hilfe gehen kann.
Dazu in Bianet vom Vortage:
Ramazan Sadikogullari, Mitglied
der Sozialistischen Demokratiepartei (SDP) wurde am 26. Dezember in seiner
Wohung verhaftet und is Gefängnis gebracht. Er war drei Monate nachdem
er sich am Hungerstreik beteiligt hatte, wegen des Wernicke-Korsakoff Syndroms
aus der Haft entlassen worden. Die stellvertretende Vorsitzende der SDP
Filiz Koçali führte zur Vergangenheit von Ramazan Sadikogullari
aus, dass er sich im Jahre 1996 für 69 Tage am Hungerstreik beteiligt
habe. Nach der Operation in den Gefängnissen vom 19. Dezember 2000
habe er im F-Typ Gefängnis in Edirne den Hungerstreik 3 Monate fortgeführt,
bevor er vorläufig aus der Haft entlassen wurde. Frau Kocali gab ferner
an, dass an die 500 Gefangenen aus dem gleichen Grunde vorläufig aus
der Haft entlassen wurden und der Staatspräsident 117 von ihnen vollständig
begnadigt habe.
Özgür Politika
vom 31.12.2003
Folterverfahren in Diyarbakir
Vor der 1. Kammer des Landgerichts
in Diyarbakir ging ein Verfahren gegen den Polizeibeamten Özkan Toptas
zu Ende. Das Gericht verurteilte den Beamten zu einer Haftstrafe von einem
Jahr und einem Dienstausschluss für 3 Monate, da er den 12-jährigen
M.S.T. Gefoltert hatte. Die Strafe wurde wegen guter Führung auf 10
Monate Haft und 2,5 Monate Dienstausschluss gekürzt.
Bianet vom 31.12.2003
Journalisten vor Gericht
Die 8. Kammer des Kassationsgerichtshofs
hat das Urteil gegen Nizamettin Taylan Bilgiç, Chefredakteur der
Tageszeitung Günlük Evrensel für einen Artikel vom A. Cihan
Soylu vom 20. Januar 2002 mit dem Titel “Das kurdische Problem ist ein
Problem für alle Arbeiter” aufgehoben. Am 24. Januar 2002 hatt die
5. Kammer des SSG Istanbul Herrn Bilgiç zu einer Geldstrafe von
4,4 Milliarden TL verurteilt. Der Zeitung war das Erscheinen für 7
Tage verboten worden. Das Urteil war nach § 312 TSG erfolgt (Anstiftung
zu Haß und Feindschaft). Im Urteil des Kassationsgerichtshofs wurde
festgestellt, dass der Artikel im Rahmen einer scharfen Kritik geblieben
sei.
In einem Verfahren vor der
2. Kammer des Landgerichts Istanbul wurde der Chefredakteur von “Idea Politika”,
Erol Özkoray, für einen Artikel aus dem Jahre 2001 freigesprochen.
Der Artikel war unter der Überschrift “Was nützt die Armee?”
erschienen und das Verfahren war nach § 159 TSG eröffnet worden.
Noch am 14. November 2003 hatte das Gericht einen Haftbefehl gegen Erol
Özkoray erlassen. Deshalb war er bei seiner Einreise aus Frankreich
am 22. Dezember festgenommen worden. Es sind noch weitere fünf Verfahren
gegen Herrn Özkoray anhängig.
Özgür Politika
vom 02.01.2004
Folter an Gefangenen
Verwandte, die ihre Angehörigen
im Gefängnis vom Typ F in Tekirdag besuchten, berichteten von Folter
an den Gefangenen. Arafet Yilmaz sagte, dass ihr Sohn Mehmet Yilmaz nicht
nur während der Verlegung vom Gefängnis in Bayrampasa geschlagen
wurde. Er habe ihr die Folterspuren zeigen wollen, sei aber von den Wärtern
daran gehindert worden. Ihr Sohn habe ihr berichtet, dass der Gefangene
Özgür Gürbüz einen gebrochenen Arm wegen der Folter
habe. Sie beschwerte sich zudem darüber, dass sie mit ihrem Sohn nicht
in ihrer Muttersprache reden dürfe.
Abdullah Kilic zeigte sich
besorgt um das Leben seines Sohnes Ercan Kilic. Es seien immer Zellen mit
Überläufern zwischen die Zellen der politischen Gefangenen gelegt
worden, um die Kommunikation zu verhindern. Als er seinen Sohn besucht
habe, habe dieser blaue Augen und verletzte Füsse gehabt.
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