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Übersetzungen aus den
Tagesberichten der TIHV
Woche 52/2003
Radikal vom 22.12.2003
Flüchtlinge ertrunken
In der Nacht vom 19.12.
sind 69 Flüchtlinge auf dem Wege von Marmaris nach Rhodos bei einem
Unwetter 9 Meilen vor dem Festland ertrunken. Die Flüchtlingen aus
dem Iran, Afghanistan und Jordanien sollen sich von Istanbul aus auf den
Weg gemacht haben. So berichtete der einzige Überlebende, Hüseyin
Datkanu Maru (21), der 15 Stunden nach dem Unfall an ein Brett geklammert
aufgefunden wurde.
TIHV vom 19.12.2003
TIHV MitarbeiterInnen
vor Gericht
Am 19.12. fand eine weitere
Sitzung vor dem Amtsgericht in Aliaga im Zusammenhang mit der Beerdigung
von Nevzat Çiftçi statt. Nevzat Çiftçi war
bei einer Operation in der geschlossenen Haftanstalt von Ankara am 26.
September 1999 von Sicherheitskräften umgebracht worden. Bei seiner
Beerdigung in einem Dorf bei Aliaga wurden mehrere Personen festgenommen
und 68 von ihnen, darunter die TIHV Beschäftigten Günseli Kaya
und Dr. Alp Ayan wegen eines Verstoßes gegen das Demonstrationsgesetz
angeklagt. In seinem Plädoyer forderte der Staatsanwalt nun, dass
30 Angeklagte darunter Haydar Cenan, Sevgi Binbir, Seray Topal, Zeynel
Kaya, Erdal Yagceken und Günseli Kaya und Dr. Alp Ayan wegen eines
Verstoßes des Artikels 32/3 des Demonstrationsgesetzes mit der Nummer
2911 bestraft werden, da sie die Sicherheitskräfte angegriffen haben
sollen. Für 25 Angeklagte forderte er eine Strafe wegen Beteiligung
an einer unangemeldeten Demonstration. Für 3 Angeklagte solle das
Gericht auf Nichtzuständigkeit entscheiden, da sie zur Tatzeit unter
18 Jahren alt waren.
ÖzgürGündemvom
23.12.2003
Folter in Adana
Murat Aslan und Yilmaz Aslan,
die am 13. Dezember festgenommen worden waren, haben sich wegen Folter
auf der Polizeiwache in Sakirpasa (Adana) beschwert. Die Cousins arbeiten
beide am Busbahnhof in Adana. Am 13. Dezember habe ihnen eine Person, mit
der sie tagsüber eine Diskussion hatten, auf dem Nachhauseweg aufgelauert
und sie mit einem Messer angegriffen. Die Polizei habe aber sie festgenommen.
Auf der Wache seien sie geschlagen worden, was in einem Attest des Gesundheitsamtes
auch vermerkt sei. Am Folgetage habe man sie aufs Polizeipräsidium
gebracht und nach einem Tag dort seien sie auf einem anderen Gesundheitsamt
untersucht worden. Auch hier wurden Spuren von Schlägen notiert. Am
Schluss seien sie einem Richter vorgeführt worden, der sie aber freigelassen
habe, obwohl sie sich wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt zu verantworten
hatten.
Nach der Freilassung seien
die Beamten der Station in Sakirpasa noch einmal gekommen und hätten
sie unter dem Vorwand, dass die Fingerabdrücke aufgenommen werden
müssten, wieder mit auf die Wache genommen. Hier seien sie beschimpft
und erneut verprügelt worden. Murat Aslan beschwerte sich, dass ein
Kommissar sein Ohr gezogen habe, obwohl er daran verletzt war. Beide Männer
erstatteten dem IHD Bericht und wollen Strafanzeige stellen.
Radikal vom 23.12.2003
Kassationsgerichtshof
für kurdisches Plakat
Der Kassationsgerichtshof
hat das Urteil des Amtsgerichts in Van zu einem Plakat des IHD aufgehoben.
Auf dem Plakat war in kurdischer Sprache zum Frieden aufgerufen worden.
Özgür Gündem
vom 23.12.2003
Gefängnis Typ D
eröffnet
In Diyarbakir wurde ein
Hochsicherheitsgefängnis vom Typ D in Betrieb genommen. Es liegt an
der Ausfallstrasse nach Ergani und hat eine Kapazität von 622 Personen.
Als Erstes wurden 84 Gefangene aus dem Gefängnis vom Typ E in das
neue Gefängnis verlegt. Der Anwalt Murat Güzel beschwerte sich,
dass er seine Mandanten nicht sehen konnte, weil die Transfers noch andauern.
Die Gefangenenhilfsorganisation TUHAD-FED kritisierte das Gefängnis,
da es auf die Isolation der Gefangenen ausgerichtet sei.
Am 24.12. besuchte eine
Delegation, an der Vertreter des IHD und der Anwaltskammer teilnahmen,
das Gefängnis. Sie bemängelte insbesondere die grosse Entfernung
von der Stadt (25 Kilometer), von denen die letzten 5 Kilometer nichts
asfaltiert seien und bei Regenwetter unbefahrbar würden. Die Kontrollen
von Besuchern und Anwälten an 6 verschiedenen Stellen dauerten ca.
eine drei Viertel Stunde. Diese Zeit würde dann von dem Besuchsrecht
(Angehörige 1 Stunde) und Anwälte 1,5 Stunden abgezogen. Bei
dem Transfer sollen den Gefangenen persönliche Gegenstände abgenommen
worden sei (u.a. 3.500 Bücher), die so schnell wie möglich zurückgegeben
werden sollten. Weitere Beschwerden bezogen sich auf Mängel wie die
ungenügende Heizung.
Milliyetvom 23.12.2003
Dev-Sol Verfahren beginnt
erneut
Das zentrale Dev-Sol Verfahren
mit 1.243 Angeklagten kann nach dem Auffinden von ca. 100 verschwundenen
Akten erneut beginnen. Das Verfahren hatte 1981 begonnen und endete 1991
vor dem Militärgericht Nr. 2 in Istanbul. Die Angeklagten hatten Strafen
zwischen 33 Monaten Haft bis zum Todesurteil erhalten. Der Kassationsgerichtshof
hob das Urteil auf und im Jahre 1999 fällte das Landgericht in Üsküdar
ein Urteil, da mittlerweile die Militärgerichte (unter Kriegsrecht)
aufgehoben worden waren. Nun wird sich die 11. Kammer des Kassationsgerichtshofes
damit befassen.
Das Dokumentationszentrum
des TIHV macht eine Pause bis zum 5. Januar. An diesem Tage werden
auch die in der Zwischenzeit erschienenen Nachrichten ausgewertet. Das
DTF wird in dieser Zeit wichtige Nachrichten unter den Sonderberichten
veröffentlichen.
In dieser Woche erschienen
ein paar weitere Meldungen, die wir hier zusammenfassend wiedergeben.
Özgür Politika
vom 24.12.2003
Folter in Ankara
Auf einer Pressekonferenz
des IHD Ankara wurde die Behandlung von 7 Personen, die unter dem Verdacht,
Selbstmordattentate vor dem 19. Dezember (Jahrestag der Operationen in
den Gefängnissen) zu planen, festgenommen worden waren, in der Polizeihaft
gerügt. Von den Festgenommenen nahmen Göksen Çal, Servet
Polat und Serol Aktas an der Pressekonferenz teil. Servet Polat sagte,
dass sie stundenlang auf Zehspitzen mit den Händen an der Wand stehen
mussten. Ein Polizist habe ihm gedroht, wenn er mit seinem Revoluzzertum
so weitermache, werde er seine Frau holen und sie vor seinen Augen ausziehen
und vergewaltigen. Ender Büyükculha, IHD Vorsitzender für
Ankara, sagte, dass die Gefangenen nicht nach den Vorschriften behandelt
wurden. Sie seien nicht auf ihr Aussageverweigerungsrecht aufmerksam gemacht
worden, hätten keinen Anwalt herbeirufen können und seien Folter
und Misshandlung ausgesetzt gewesen.
Bianet vom 24.12.2003
Anwälte freigesprochen
Die 1. Kammer des Landgerichtes
Diyarbakir hat Sezgin Tanrikulu, Vorsitzender der Anwaltskammer Diyarbakir
und Vertreter der TIHV in Diyarbakir, sowie seine KollegInnen Habibe Deger,
Burhan Deger und Sebahattin Korkmaz vom Vorwurf des Amtsmissbrauchs freigesprochen.
Das Verfahren war eröffnet worden, nachdem die Anwälte Petitionen
von Dorfbewohnern auf Entschädigung eingereicht hatten, weil ihr Dörfer
zerstört worden waren. Sieben dieser Dorfbewohner wurden als Zeugen
vernommen. Sie sagten, dass ihre Dörfer von Soldaten zerstört
wurden und sie sich an die Anwälte gewandt hatten, um ihr Recht einzuklagen.
Der Verteidiger Yücel Sayman sagte dem Gericht, dass sich niemand
in das Verhältnis zwischen Anwalt und Mandant einmischen dürfe.
Die Anwältin Meral Danis-Bestas wiederum sagte, dass eigentlich die
Soldaten vor Gericht stehen müssten. Sie forderte das Gericht auf,
gegen die Gendarmerie nach § 312 TSG vorzugehen, da durch die Einleitung
des Verfahrens ein Teil der Bevölkerung gegen einen anderen aufgewiegelt
wurde.
Bianet vom 25.12.2003
Verfahren wegen Folter
an Desde vertagt
Am 24. Dezember tagte die
7. Kammer des Landgerichts in Izmir erneut wegen der Folter an dem deutschen
Staatsbürger Mehmet Desde. Die Angeklagten Muhtesem Çavusoglu,Mesut
Angi, Alim Erçetin und Hürriyet Gündüz waren nicht
erschienen. Das Gericht beschloss, die Atteste der Gerichtsmedizin an der
Ege Universität und die der Ärztekammer Izmir an die Gerichtsmedizin
in Istanbul zu schicken, damit dort entschieden werde, ob die geschilderten
Beschwerden durch Folter entstanden sein könnten oder nicht. Anschließend
vertagte sich das Gericht auf den 19. Januar 2004.
Radikal vom 27.12.2003
Flüchtlingsdrama
Nach dem Unfall in
der Ägäis äußerte sich der Gouverneur von Mugla, Hüseyin
Aksoy, zu dem Problem mit den Flüchtlingen. Er sagte, dass in den
letzten drei Jahren allein in dieser Provinz 6.580 Menschen gefasst wurden,
die illegal das Land verlassen wollten. In den letzten zwei Jahren hätten
85 Fluchtwillige das Leben verloren und 130 seien “verschwunden”.
Radikal vom 27.12.2003
Boot der Küstenwache
gesunken
Auf der Suche nach illegalen
Grenzgängern ist in der Nähe von Mersin ein Boot der Küstenwache
bei Unwetter gekentert. Der Gefreite Murat Aygen kam ums Leben und drei
Soldaten wurden verletzt. Die Küstenwache hatte Mitteilung erhalten,
dass 78 Personen das Land über den Ort Yesilovacik verlassen würden.
Um ihnen den Meeresweg abzuschneiden, machte sich Boote der Küstenwache
auf den Weg. Wegen der schlechten Wetterlage kenterte des Boot des Gefreiten
jedoch. Die 78 Ausreisewillige, darunter 72 aus der Türkei, wurden
gefasst, noch bevor sie das Schiff, das sie nach Italien bringen sollte,
besteigen konnten. Neben den “Illegalen” wurden auch 3 Schlepper gefasst.
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