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Übersetzungen aus den
Tagesberichten der TIHV
Woche 51/2003
Özgür Gündem
vom 13.12.2003
Folter in Izmir
H.B. (16) und A.A. (18)
haben der Polizei in Alsancak (Izmir) vorgeworfen, sie am 11. Dezember
gefoltert zu haben. Der Gruppe zur Verhinderung der Folter in der Anwaltskammer
Izmir erzählten sie, dass sie gegen 21 Uhr von Polizisten auf einem
Motorrad aufgegriffen wurden, als sie am Strassenrand sassen. H.B. sagte:
“Meinen Freund haben sie gegen die Scheibe eines Autos gestossen, so dass
die Scheibe und seine Nase brachen. Unter Prügel haben sie uns auf
die Wache gebracht. Die Polizisten dort haben uns ebenfalls verprügelt.
Gegen Mitternacht wurden wir auf andere Polizeistationen gebracht. Ich
wurde auf die Station in Cinarli gebracht. Da ich Hunger hatte, habe ich
nach einem Stück Brot verlangt. Dafür wurde ich mit dem Kopf
gegen die Wand gestossen. Erst auf dem Büro für Kinder hörte
die Folter auf.” A.A. beschwerte sich, dass er nicht gehen könne.
Er habe 13 lose Zähne aufgrund der Prügel.
Özgür Gündem
vom 13.12.2003
Folter in Diyarbakir
Afife Mintas (27), die im
Vorstand der Frauenabteilung der DEHAP in Diyarbakir ist, beschwerte sich,
von unbekannten Personen am 9. Dezember entführt und gefoltert worden
zu sein. Ezgi Dursun, die Leiterin der Frauenabteilung sprach auf eine
Pressekonferenz des IHD in Diyarbakir am 12. Dezember. Sie schilderte den
Vorfall folgendermassen: “Afife Mintas machte Familienbesuche, als sie
gegen 18 Uhr von zwei Personen entführt wurde, wobei ihr der Mund
zugehalten wurde. In dem Auto sassen vier Personen, die ihr sagten, dass
sie sie schon seit langem verfolgten. Sie habe keine Chance zu entkommen
und DEHAP würde für sie das Grab sein. Unser Vorstandsmitglied
wurde sexuell belästigt. Sie hatte Messerwunden am Hals. Ihr wurde
eine Waffe in den Mund gehalten und sie wurde mit dem Tode bedroht. Sie
wurde angehalten, für die Polizei zu arbeiten.”
Özgür Gündem
vom 12. /13.12.2003
Plakate konfisziert
In Siirt überfiel die
Polizei die Büros des IHD und konfiszierte Plakate, die im Zusammenhang
mit der Menschenrechtswoche herausgegeben worden waren. Zuvor hatte die
Staatsanwaltschaft in Van ein Verbot der Plakate verfügt, auf denen
in kurdischer Sprache zun Frieden aufgerufen wurde. Neben Van und Hakkari
erfolgte auch in Antep Beschlagnahmungen der Plakate.
Anm.: Am 15. Dezember wurde
auch die Zweigstelle in Canakkale überfallen und die Plakate eingesammelt.
Laut Milliyet sollen sowohl der Gouverneur als auch die Staatsanwaltschaft
in Van bei der Anwendung der Paragraphen uneins seien. Der Gouverneur habe
die Konfiszierung wegen Separatismuspropaganda gefordert, während
der Staatsanwalt einen Verstoss nach § 310 TSG (Beschädigung
öffentlichen Eigentums) und § 311 TSG (Anstiftung zu einer Straftat)
sah.
Özgür Gündem
vom 16.12.2003
Folter in Derik
Im Kreis Derik (Mardin)
wurden am 23. November Mehmet Basaran, Bülent Özcan und Serhan
Aksin festgenommen. Später beschwerten sie sich über Folter.
Obwohl sie über ihren Anwalt Hüseyin Cangir, der Vorsitzender
des IHD in Mardin ist, eine Strafanzeige stellte, ordnete der Staatsanwalt
keine Untersuchung bei der Gerichtsmedizin an. Hüseyin Cangir sagte,
dass er erst am 28. November seine Mandanten sehen konnte, obwohl er schon
am 24. November einen Antrag gestellt hatte. Im Gefängnis hätten
sie ihm dann erzählt, dass ihnen Stromstösse erteilt wurden,
ihnen seien die Hoden gequetscht worden, man habe sie brutal geschlagen
und sie seien aufgehängt worden. Bülent Özcan sei auf ein
freies Feld geführt und zur Flucht aufgefordert worden. Er habe das
als Mordversuch aufgefasst. Zudem habe er eine gebrochene Nase. Inzwischen
seien 23 Tage seit der Folter und 15 Tage seit der Strafanzeige vergangen,
aber der Staatsanwalt habe immer noch keine Untersuchung bei der Gerichtsmedizin
angeordnet.
Radikal vom 18.12.2003
Polizei erschiesst Barbesitzer
In der Nacht zum 17. Dezember
erschoss der Polizeibeamte Mustafa Islek (Yüksek) den Barbesitzer
Süleyman Günay (46) in Izmir. Zu den Schüssen kam es, als
die Türsteher die Polizisten nicht in die Bar lassen wollten, vor
der es zuvor einen Streit gegeben hatte.
Cumhuriyet vom 19.12.2003
Vorfall in Van
Im Dorf Cakirbey im Kreis
Ercis (Van) artete ein Streit zwischen zwei Kinder in eine bewaffnete Auseinandersetzung
aus, bei der 7 Menschen starben. Es soll sich bei den Kindern um Söhne
des Abdülkerim Atmaca (Dorfschützer) und Mehmet Demir handeln.
Beide gehören dem Stamm der Bekrani an. Der Streit der Kinder führte
zu einer bewaffneten Auseinandersetzung, an der ca. 50 Erwachsene beteiligt
waren. Es wurden auch Gewehre benutzt und am Ende verloren Mehmet Demir,
Eyüp Demir, Sefik Atmaca, Eyüp Atmaca, Rasime Atmaca, Yasin Atmaca
und Sevim Atmaca ihr Leben.
Özgür Gündem
vom 19.12.2003
Devrimci Sol Verfahren
ging zu Ende
Vor dem SSG Istanbul endete
ein Verfahren gegen 31 Personen, denen Aktionen für Dev-Sol in Jahren
1991 bis 1993 zur Last gelegt worden waren. Darunter waren 16 Morde, 13
davon an Polizisten. Das Gericht verurteilte Erkan Koç nach §
146/1 TSG zu erschwerter lebenslanger Haft (früher Todesstrafe). Die
Angeklagten Özden Bilgin, Erol Çam, Dursun Bütüner,
Ismail Yigit und Yesim Taciroglu erhielten nach der gleichen Strafbestimmung
lebenslange Haft. Abdurrahman Kayhan und Perihan Sürücü
wurden als Mitglieder der Organisation zu 20 Jahren, 6 Monaten Haft verurteilt.
Ibrahim Dögüs, Alisan Yalçin, Cemalettin Erdemli, Riza
Demirel und Cafer Sadik Gökçen erhielten Haftstrafen von 12,5
Jahren, Ali Ekber Pamuk von 8 Jahren und 4 Monaten. Kemal Mete Sözen,
Talat Ünlü und Emrah Pamuk wurden freigesprochen. Die Verfahren
gegen Fethiye Yalçin, Ismail Kulak, Mehmet Emin Yildirim, Ercan
Yesil, Haci Güler, Zeki Tanriverdi, Erdogan Aktas, Mehmet Kulak, Kasim
Kulak und Yusuf Büyükdag wurden wegen Verjährung aufgehoben
und die Verfahren gegen Hasan Dinler und Harun Kartal wurden abgetrennt,
da sie nicht vor Gericht gehört werden konnten.
Weitere Meldungen (Zusammenstellung
DTF)
Özgür Politika
vom 12.12.2003
Grüne Karte verweigert
Aus dem Dorf Andac im Kreis
Uludere (Sirnak) wurde berichtet, dass die Familie von Hazal Ölmez
keine grüne Karte für kostenlose Gesundheitsversorgung erhält,
weil ein Sohn in den Reihen der PKK kämpfen soll. Hazal Ölmez
wollte eine grüne Karte haben, um ihren 14-jährigen Sohn Hidir
Ölmez wegen Leistenbruchs behandeln lassen zu können. Sie hatte
sich die nötigen Papiere vom Dorfvorsteher besorgt und war von der
Gendarmeriestation im Dorf zur Kommandantur geschickt worden. Dort habe
man ihr gesagt, dass sie keine grüne Karte erhalten könne, weil
ein Sohn bei der PKK sei. Daraufhin habe sie sich an den Landrat gewandt,
der sie aber wieder zur Gendarmerie geschickt habe. Die Familie ist mittellos,
nachdem der Vater verstorben war. Der Sohn Kerem Ölmez sei zudem nicht
bei der PKK, sondern halte sich in Europa auf.
Özgür Politika
vom 15.12.2003
Gouverneur in Bingöl
wird verabschiedet
Nach gut 11 Monaten wird
sich der Gouverneur von Bingöl, Hüseyin Avni Cos, aus seinem
Amt verabschieden. Er war durch seine harte Vorgangsweise bekannt geworden.
Nachdem er im Januar zum Gouverneur von Bingöl ernannt worden war,
war er für viele Menschenrechtsverletzungen verantwortlich. Zu Newroz
am 21. März liess er 38 Personen festnehmen, von denen 15 in U-Haft
kamen. Am 1. Mai liess er die Sicherheitskräfte auf Dorfbewohner los,
die nach Unterstützung wegen der Schäden durch das Erdbeben verlangten.
Frauen, die am 16. Juni einen Friedenstisch in der Stadt eröffnen
wollten, wurde dies nicht gestattet und als sie eine Presseerklärung
abgeben wollten, wurden sie von der Polizei angegriffen.
Der IHD in Bingöl hatte
im Jahre 2002 insgesamt 490 Menschenrechtsverletzungen in Bingöl gezählt.
Für die Amtsdauer von Cos liegt die Zahl bei über 700. In den
11 Monaten wurden 38 Menschen ermordet, von denen 8 auf das Konto sogenannter
unerkannter Täter gehen. Es wurden mehr als 300 Menschen festgenommen,
von denen 148 gefoltert oder misshandelt wurden. In seiner Amtszeit kam
es auch wieder zu Waldbränden, insbesondere im Kreis Genc. Hüseyin
Avni Cos wird nun nach Aksaray versetzt. Seine Stelle wird der derzeitige
Gouverneur von Sirnak, Vehbi Avuc einnehmen.
Radikal vom 17.12.2003
Stress bei der Polizei
Die Zunahme an Selbstmorden
unter Polizisten hat zu der Erkenntnis geführt, dass mehr psychologische
Beratung gebraucht wird. Nach Angaben der obersten Polizeidirektion haben
sich in den 15 Jahren zwischen 1989 und 2003 insgesamt 370 Polizeibeamte
das Leben genommen. Unter den Gründen wurde eine psychische Krise
an erster Stelle genannt (83), gefolgt von familiären Problemen (57)
und materiellen Sorgen (21). Die Auflistung gilt für die 11 Jahre
von 1989 bis 1999, in denen 242 Polizisten sich das Leben nahmen. Nun wurde
eine Verordnung erlassen, mit der ein „Tele-Psychologe“ beim Gesundheitsamt
für die Sorgen der Polizeibeamten zur Verfügung steht. Die Beamten
können sich auch auf einer Internetseite informieren. Die benötigten
Adressen wurden an alle Dienststellen mitgeteilt.
Özgür Politika
vom 18.12.2003
Verminte Felder
Der Anwalt Sedat Yurttas,
der das Anti-Minen Projekt der Anwaltskammer Diyarbakir leitet, hat eine
seltsame Antwort auf seine Anfrage der Säuberung eines Minenfeldes
bei Nusaybin (Mardin) erhalten. Herr Yurttas hatte sich am 4. November
2003 an das Ministerpräsidium, den Justiz-, Verteidigungs- und Innenminister
mit der Bitte um Säuberung eines Streifens von 300 Metern in der Kreisstadt
Nusaybin von Minen gewandt. Dieses Minenfeld war bei der Erweiterung der
Grenze nach Syrien in den Jahren 1991 bis 1993 übrig geblieben und
hatten in den Jahren 1993-2001 zum Tode von Harun Elçioglu, Makbule
Kaymaz, Osman Sakin, Ugur Gümüs, Alattin Gümüs, Ahmet
Sakin und Süleyman Demirbag, sowie etlichen Verletzten geführt,
weil das Minenfeld nicht markiert war. Der Gouverneur in Mardin antwortete
am 18. November. Er sagte auf der einen Seite, dass eine Verlegung der
Grenze nicht stattgefunden habe und behauptete ferner, dass das Minenfeld
mit Warnschildern versehen worden sei. Die Warnschilder seien in Abständen
von 100-200 Metern in Türkisch, Englisch, Französisch und Deutsch
aufgestellt worden und wiesen auf eine Militärzone hin. Dort wo es
Minen gebe, seien Schilder in Abständen von je 3 Metern aufgestellt
worden. In dem Schreiben wurden die Opfer beschuldigt, bewusst die Felder
betreten zu haben. Sie hätten staatlichem Eigentum Schaden zugefügt,
indem sie die Warnschilder entfernt und anschliessend Anträge auf
Entschädigung gestellt hätten. Sedat Yurttas wies darauf hin,
dass von den ca. 120 Millionen Landminen auf der Welt 25 Millionen in dem
vorwiegend von Kurden bewohnten Gebieten seien.
Özgür Politika
vom 21.12.2003
Grüne Karte verweigert
Selim Üldes aus dem
Kreis Hamur (Agri) hat sich beschwert, dass ihm keine grüne Karte
für kostenlose Gesundheitsversorgung ausgestellt wurde. Er sei am
10. Dezember auf die Kommandantur der Gendarmerie in Hamur gegangen und
eine Karte beantragt. Der Obergefreite Kazim Uzun habe ihn nach seinem
Bruder M. Kerim Üldes gefragt, der vor etlichen Jahren in den Reihen
der PKK bei einer bewaffneten Auseinandersetzung gefallen sei. Der Obergefreite
habe sich wegen des Ausdruckes “gefallen” aufgeregt, da für PKK'ler
das nicht gelte. Deshalb habe er auch die Ausstellung einer grünen
Karte verweigert. Den nächsten Antrag stellte Herr Üldes am 17.
Dezember. Wieder wurde er durch den Obergefreiten Kazim Uzun empfangen.
Dieses Mal habe er auf Fragen nach dem Bruder verzichtet, ihn aber aufgefordert,
über einen H.I., der aus demselben Dorf stammt, Informationen zu bringen.
Er habe die grüne Karte zwar ausgestellt, ihm aber gedroht, dass sie
nicht verlängert würde, wenn er die Informationen nicht beibringen
würde.
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