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Übersetzungen aus den
Wochenberichten der TIHV
Woche 50/2003
Radikal vom 06.12.2003
Neue Verordnung zu Kursen
in Kurdisch
Am 5. Dezember wurde eine
neue Vorschrift zur Durchführung von “Kursen in Sprachen und Dialekten,
die Bürger der Türkei im Alltag benutzen” im Amtsblatt veröffentlicht.
Hiermit wurde die Verordnung vom Oktober 2002 ersetzt. Nach der neuen Vorschrift
dürfen nur Personen an den Kursen teilnehmen, die Türkisch lesen
und schreiben können. Für die Eröffnung dieser Kurse ist
die Genehmigung vom Ministerium (für nationale Erziehung) zu erteilen.
Die Kurse sind vorwiegend für Erwachsene gedacht, es sollen aber auch
Schüler der Grund- und Realschulen daran teilnehmen dürfen. Die
TeilnehmerInnen haben sich an die Kleiderordnung zu halten. Regionale Kleidung
ist verboten. In den Kursen darf es keine Geschlechtertrennung geben.
Özgür Gündem
vom 09.12.2003
Angriff auf Zeitungsverteiler
Sabri Adanir, der die Tageszeitung
Özgür Gündem in Cizre (Sirnak) verteilt, hat einen Dorfschützer
mit dem Vornamen Selah beschuldigt, ihn am 8 Dezember verprügelt zu
haben. Er habe ihm am 7. Dezember eine Zeitung verkauft, aber das Geld
nicht erhalten. Als er das Geld verlangt habe, zog der Dorfschützer
seine Pistole, bedrohte den Zeitungsverteiler und anschließend verprügelte
er ihn mitten in der Stadt.
Özgür Gündem
vom 10.12.2003
Hungerstreiker müssen
erneut Haft antreten
Die Anwältin Gülizar
Tuncer gab bekannt, dass etliche Gefangene, die infolge des Hungerstreiks
und Todesfasten an dem Wernicke-Korsakoff Syndrom erkrankt waren und daher
aufgrund des Artikels 399 der StPO vorläufig aus der Haft entlassen
worden waren, nun aufgrund von neuen Attesten der Gerichtsmedizin wieder
die Haft antreten mussten. Es handelt sich dabei um: Veysel Yagan, Ayse
Egilmez, Melahat Akay, Tülin Dag, Sakine Altun, Nuran Ekingen, Eylem
Çelik, Özgür Yolcu, Meryem Algör, Elif Ates, Kasim
Aksakal, Ali Riza Aydar, Nizamettin Dogan, Rauf Erdem, Esral Karagöz
und Tekin Yildiz. Laut Gülizar Tuncer ist die Krankheit unheilbar
und sie bezweifelte, ob die Berichte der Gerichtsmedizin objektiv seien.
Özgür Gündem
vom 11.12.2003
Folter in Derik
Mehmet Basaran, Bülent
Özcan und Serhan Aksin, die am 23. November in Derik (Provinz Mardin)
festgenommen wurden, haben Strafanzeige wegen Folter gestellt. Bülent
Özcan, der momentan im Gefängnis von Mardin einsitzt, teilte
mit, dass er zunächst aus der Stadt gebracht und dort verprügelt
wurde. Auf dem Polizeipräsidium in Derik sei er weitere 20 Minuten
in einer Zelle verprügelt worden. Danach sei er in einer anderen Zelle
zwei Stunden lang verhört worden. Dabei habe man seine Hose bis zu
den Knien heruntergezogen und ihn auf einen Stuhl gesetzt. Da er selber
keine Kabel an seinem kleinen Finger und Penis anbringen wollte, hätten
die Polizisten es getan. Dann habe er Stromstösse erhalten, bis er
ohnmächtig wurde. Als er wieder zu sich gekommen war, habe er etwas
zu trinken erhalten und wieder sei Strom durch seinen Körper gefahren.
Ihm sei schlecht geworden und er habe sich übergeben. Dann sei er
wieder in seine Zelle gebracht worden. Gegen Morgen habe es ein weiteres
Verhör gegeben, bei dem ihm eine Art von Rohr am Arm festgemacht und
seine Finger gequetscht wurden. Ihm sei mit Folter an Verwandten gedroht
worden, wenn er nicht rede. Er habe nichts zu essen erhalten und man habe
ihn nicht schlafen lassen. Seiner Forderung auf Rechtsbeistand sei nicht
nachgekommen worden. Als er sich beim Staatsanwaltschaft wegen der Folter
beschwerte, habe dieser ihm entgegnet, dass er hier in der “Republik Derik”
sei.
Serhan Aksin gab an, dass
er erst im Kohlenkeller des Polizeipräsidiums in Derik festgehalten
wurde. Dort sei er geschlagen worden. Später habe man ihn an den Haaren
gezogen und an einen anderen Ort geschleift. Dort sei er mit einem harten
Gegenstand auf den Kopf geschlagen worden. Dann sei er an den Beinen in
einen anderen Raum gezogen worden, wo er Stromstösse über seinen
kleinen Finger erhalten habe. Gleichzeitig habe jemand ihn ständig
von hinten getreten. Bei der Untersuchung auf dem Gesundheitsamt seien
die Polizisten anwesend gewesen. Vor dem Staatsanwalt habe er nach einem
Anwalt verlangt, aber es sei niemand beigezogen worden. Auch Mehmet Basaran
erhielt keinen Rechtsbeistand. Er nannte neben Prügel noch das Quetschen
der Hoden als eine Methode der Folter, die bei ihm angewandt wurde.
Özgür Gündem
vom 11.12.2003
Folter im Gefängnis
in Adana
Nach Auskunft seines Sohnes
Murat Kacar soll Hanifi Kacar, der am 27. Oktober wegen vermeintlicher
Beteiligung an einem bewaffneten Überfall auf ein Militärfahrzeug
in Adana am 15. Oktober zusammen mit Nevzat Alban und Kadri Celebi in U-Haft
kam, im Gefängnis in Kürkcüler von Wärtern ständig
misshandelt werden. Murat Kacar besuchte seinen Vater am 8. Dezember. Dort
will er die Folterspuren gesehen haben. Zur Vorgeschichte sagte er: “Mein
Vater wurde im Jahre 1994 bei einer Operation im Gefängnis in Diyarbakir
am Fuß verletzt. Danach ging es ihm psychisch sehr schlecht. Er konnte
sich kaum aufrecht halten und hatte Schwierigkeiten zu sprechen. Nun wird
er jeden Tag von den Wärtern geschlagen und gezwungen, mit nackten
Füssen den Boden zu säubern.” Murat Kacar gab weiter an, dass
sein Vater nicht behandelt werde. Er sei in einer Zelle mit 4 Personen.
Die Dauer der Besuche betrage eine Stunde, sei aber auf 10 Minuten begrenzt
worden.
Der Anwalt Nevzat Özkan
teilte mit, dass auch Nevzat Alban und Kadri Celebi Misshandlungen im Gefängnis
ausgesetzt seien. Sie hätten Wunden und blaue Flecken an verschiedenen
Körperteilen. Für alle drei Gefangene habe er beantragt, dass
sie bei der Gerichtsmedizin untersucht werden. Dass sei am 7. Dezember
auch geschehen, wobei die Wärter den Gefangenen aufgegeben haben,
nicht von Folter sondern von Streit untereinander oder dem Fallen von einem
Stuhl zu sprechen.
TIHV vom 11.12.2003
Verfahren gegen Alp Ayan
Die 5. Kammer des Landgerichts
in Izmir verhandelte am 10. Dezember in der Sache gegen den TOHV Mitarbeiter
Dr. Alp Ayan, die IHD Mitglieder Ecevit Piroglu und Mert Zengin sowie die
Angehörige eines Gefangenen, Gonca Coban im Zusammenhang mit einer
Presseerklärung, die am 10. Februar 2001 zu den Gefängnissen
von Typ F herausgegeben worden war. Die Verhandlung wurde auf den 3. März
2004 vertagt.
Özgür Gündem
vom 12.12.2003
Poster zum Menschenrechtstag
beschlagnahmt
In Van und Hakkari überfiel
die Polizei die Zweigstellen des IHD und beschlagnahmte die Poster zum
Tag der Menschenrechte, auf den in kurdischer und türkischer Sprache
“Jeder ist anders/Alle sind gleich/Frieden wird siegen” formuliert war.
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