|
|
Übersetzungen aus
den Wochenberichten der TIHV
Woche 49/2003
Hürriyet/Milliyet/Radikal
vom Ende November 2003
Anschläge auf
Synagogen und britische Einrichtungen
Nach den Anschlägen
auf zwei Synagogen in Istanbul am 15. November und die HSBC Bank sowie
das britische Konsulat am 20. November hat die Polizei erste Fahndungserfolge
gemeldet. Als Planer der Anschläge auf die Synagogen wurde am 29.11.
Yusuf Polat in U-Haft genommen. Er soll am 25.11. bei dem Versuch der Ausreise
über die Grenzstation Gürbulak (Agri) gefasst worden sein. Die
mit ihm gefassten fünf Personen wurden freigelassen. Weitere Festnahmen
wurden aus Balikesir, Mardin und Istanbul gemeldet. Von ihnen wurden am
26.11. Yusuf Dural, Cemile Aktas und Mediha Yildirim in U-Haft genommen.
Die Zahl der Todesopfer und Verletzten bei den Überfällen auf
die Syangogen wurde mittlerweile mit 25 Toten und 262 Verletzten, bei den
Überfällen auf britische Einrichtungen mit 32 Toten und 450 Verletzten
angegeben. Es kam zu insgesamt 51 Festnahmen. Von den Festgenommenen wurden
21 in U-Haft genommen. Bei den Selbstmordattentätern soll es sich
um Gökhan Elaltuntas (Neve Schalom), Mesut Çabuk (Beth Israel),
Feridun Ugurlu (britisches Konsulat) und Ilyas Kuncak (HSBC) handeln.
Es kam in Syrien zu weiteren
Festnahmen. Syrien lieferte diese 22 Personen sofort an die Türkei
aus. Unter ihnen sollen Hilmi Tugluoglu und seine Frau Leyla Tugluoglu
führende Stellungen einnehmen.
Milliyet vom 03.12.2003
Bis auf das Ehepaar Tugluoglu
wurden allen Verdächtigen freigelassen. In Istanbul kamen Murat Idrak,
Bülent Tozoglu und Ahmet Özaydin als Helfershelfer in U-Haft.
Milliyet vom 29./30.11.2003
Auf der Flucht erschossen
Am 28. November erschoss
die Polizei in Istanbul Hüseyin Sahin. Er gehörte zu drei Gefangenen,
die von Ankara in andere Gefängnisse verlegt werden sollten und bei
Usak dem Wachpersonal die Waffen abnahmen und flüchteten. Am 15. November
war sein Kumpane Mehmet Çiçekli in Istanbul erschossen worden.
Der dritte Gefangene, Hayrettin Çelik, wurde am 29.11. im Stadtteil
Gaziosmanpasa gefasst.
Özgür Gündem
vom 30.11.2003
Folter in Siirt
Der am 26. November in
Siirt festgenommen S. Tekin (16) hat Foltervorwürfe gegen die Polizei
erhoben. Er sagte: "Es war gegen 17.30 Uhr, als ich Verwandte zum Feiertag
besucht hatte. Plötzlich stülpte mir einer von hinten einen Sack
über den Kopf und sagte, dass ich den Mund halten solle. Mir wurden
die Hände verbunden und ich wurde in ein Auto gezerrt. Im Auto wurden
mir auch die Füsse verbunden. Mit einem harten Gegenstand, von dem
ich vermute, dass es sich um eine Waffe handelte, wurde ich auf den Kopf
geschlagen, so dass ich ohnmächtig wurde. Als ich zu mir kam, hatte
ich den Sack immer noch über dem Kopf und war im Auto. Ich hörte
Stimmen über Sprechfunk. Dann wurde das Auto angehalten, ich nach
draussen befördert und auf den Boden gelegt. Mir wurde eine Waffe
an den Kopf gehalten und mir wurde gesagt, dass ich getötet werde,
wenn ich mich umdrehe. Einer stieg mir auf den Rücken und wollte wissen,
wo mein Bruder sei. Sie würden ihn schon finden und umlegen." S. Tekin
fügte hinzu, dass er in der Nähe eines Friedhofs wieder zu sich
gekommen sei.
Özgür Gündem
vom 24.11.2003
Folter in Hatay
Im Kreis Dörtyol
der Provinz Hatay wurden am 15. November Idris Gengeç und Halil
Sahin festgenommen, weil sie Militanten der PKK/KADEK Verpflegung gebracht
haben sollen. Leyla Gengeç sagte: "Ich habe sie letzte Woche im
Gefängnis besucht. Idris konnte nicht stehen. Er sagte mir, dass seine
Rippen gebrochen seien, innere Blutungen habe und kaum atmen könne.
Der Arzt habe empfohlen, ihn ausserhalb des Gefängnisses zu behandelt,
aber das sei abgelehnt worden." Der Anwalt Mehmet Sahin stellte am 21.
November einen Antrag auf Verlegung in ein Krankenhaus. Der Staatsanwalt
soll diesem Antrag zugestimmt haben, aber die Gefängnisleitung lehne
es mit der Begründung ab, dass keine Soldaten als Begleitpersonal
zur Verfügung stünden.
Özgür Gündem
vom 22.11.2003
Freispruch für
Folterer
Vor der 2. Kammer des
Landgerichts in Izmir ging das Verfahren gegen die Polizeibeamten Ilhan
Yakin, Muammer Çinar, Mehmet Dogan, Ahmet Recep Kömürcüler,
Zeyid Türkmen, Ibrahim Durkal und Orhan Yilmaz sowie Dr. Senol Çetinol
am 22. November zu Ende. Die Polizisten wurden beschuldigt, die Studentin
Elif Ceylan Özsoy, die am 8. November 2001 festgenommen worden war,
gefoltert zu haben. Dem Arzt war zur Last gelegt worden, ein falsches Attest
erstellt zu haben. Das Gericht sprach alle Angeklagten aus Mangel an Beweisen
frei.
Özgür Gündem
vom 22.11.2003
Journalisten verurteilt
Am 21. November verkündete
das SSG Istanbul die Urteile in 5 Verfahren gegen den Besitzer der Zeitung
Özgür Gündem, Ali Çelik Kasimogullari und den Chefredakteur
Mehmet Çolak. Wegen 2 Artikeln in der Ausgabe vom 19. Mai wurde
Kasimogullari mit einer Geldstrafe von 1,7 Milliarden TL und Çolak
mit einer Geldstrafe von 876 Millionen TL bestraft. Wegen eines Artikels
vom 25. Mai wurden die Angeklagten mit einer gesamten Geldstrafe von 3
Milliarden TL verurteilt. Das Gericht verhängte zudem ein Erscheinungsverbot
für 3 Tage. Die gleichen Strafen wurden in einem Verfahren wegen zwei
Artikeln (Tag des Erscheinens unbekannt) verhängt. Zwei Artikel in
der Ausgabe vom 6. August führten zu einer Geldstrafe von 3,8 Milliarden
TL und einem Erscheinungsverbot von drei Tagen. In einem weiteren Verfahren
wegen eines Artikels (Erscheinungsdatum unbekannt) wurden der Besitzer
und Chefredakteur zu einer Gesamtgeldstrafe von 3,4 Milliarden TL verurteilt.
Der Zeitung wurde ein Erscheinungsverbot von 3 Tagen auferlegt. Anm.: (Währung
ca. 1 Euro=1,7 Millionen TL, d.h. eine Strafe von 3,4 Milliarden TL entpricht
ca. 2.000.- Euro).
Wichtige Notiz:
Nach der Auflösung von KADEK (Kongress für Frieden und
Demokratie von Kurdistan), der als Nachfolgeorganisation der PKK
gehalten werden kann, verkündete der Volkskongress von Kurdistan seine
Gründung am 15. November 2003. Dies geschah auf dem Berg Kandil im
Nordirak. Die TIHV kürzt den Namen nach den ersten Buchstaben im türkischen
Alfabet mit KHK ab. Kurdische Kreise aber bevorzugen Kongra-Gel.
Wir haben das letztere in den Übersetzungen übernommen. Der Volkskongress
(Kongra-Gel) möchte eine Volksbewegung werden, die sich von der PKK
und KADEK absetzt und die Legalisierung besonders betont. Die Militanten
(bewaffnete Guerillas) der PKK existieren als Volksverteidigungskräfte
(HPG) weiter.
Milliyet und Özgür
Gündem vom 22. und 27.11.2003
Bewaffnete Auseinandersetzungen
Zwischen den Kreisen Karliova
und Adakli in der Proviz Bingöl kam es am 20. November zu einer bewaffneten
Auseinandersetzung, bei der 12 Militante ums Leben kamen. Die Namen wurden
mit Hamza Sen, Hasan Alî, Berzan Hamza, Ahmet Seylan, Ayhan Altin,
Nurettin Dogru, Akif Uruk, Erol Bul, Yasar Aykal, Hüseyin Sefavi,
Mustafa Gök, Erkan Barçatulmusan, Menan Hûso, Ali Sabuncu
und Halil Avökmen. Nach Auskunft von Özgür Politika sollen
2 HPG Militante lebend gefasst und anschliessend erschossen worden sein.
Die HPG wiederum will am 25. November 6 Soldaten im Kreis Ovacik (Tunceli)
erschossen haben.
Özgür Gündem
vom 02.12.2003
Folter in Antep
Am 18. November wurden
Yahya Ayhan und Ömer Demir, die sich zu Geschäften in Hatay aufhielten,
festgenommen. Am 20. November wurden ihre Wohnungen in Antep durchsucht.
Dabei wurde die Ehefrau von Yahya Ayhan, Aynur Ayhan, der Sohn Muhittin
Ayhan, der Neffe Selahattin Ayhan und die Ehefrau von Ömer Demir,
Hamide Demir festgenommen. Selahattin Ayhan kam später in U-Haft.
Aynur Ayhan wandte sich nach der Freilassung an den IHD Antep und sagte,
dass sie in den 2 Tagen der Polizeihaft in eiskaltem Wasser warten musste,
sowie geschlagen und beschimpft wurde. Ihr sei vorgeworfen worden, Kontakt
zu ihrem Sohn, der bei den Guerillas sei, zu haben. Ihr Mann Yahya Ayhan,
ihr Sohn Necmettin Ayhan und der Verwandte Ömer Demir hätten
dies der Polizei in Hatay berichtet. Nach Auskunft von Aynur Ayhan ist
über den Verbleib von Yahya Ayhan und Ömer Demir nichts bekannt.
Özgür Gündem
vom 02.12.2003
Folter in Kocaeli (Izmit)
Güntay Uzun von der
Jugendabteilung der DEHAP in Kocaeli hat Vorwürfe von Folter erhoben.
Er sei Anfang November auf das Polizeipräsidium in Kocaeli gebracht
worden und habe keinen Rechtsbeistand erhalten. Er sei brutal geschlagen
worden und sexuell belästigt worden, nachdem man ihn splitternackt
ausgezogen hatte. Er habe eine Plastiktüte über den Kopf gestülpt
bekommen und ihm sei der Hals zugedrückt worden. Dabei habe die Polizei
ihm angeboten, für sie als V-Mann zu arbeiten.
Radikal vom 03.12.2003
Strafe gegen Erbakan
bestätigt
Der Kassationsgerichtshof
hat die Strafe von 28 Monaten Haft für den Ex-Vorsitzenden der Wohlfahrtspartei
(RP), Necmettin Erbakan wegen Betrugs bestätigt. Mit ihm waren 19
Funktionäre der Partei zu 14 Monaten, 50 Funktionare zu 12 Monaten
und 2 Funktionäre zu 10 Monaten Haft verurteilt worden. Bis auf Mehmet
Emin Tutan und Ali Temür, die als Abgeordnete der AKP Immunität
besitzen, wurden alle Urteile bestätigt.
Cumhuriyet vom 04.12.2003
Zwei Tote bei Razzia
Der Gouverneur von Diyarbakir
Nusret Miroglu gab bekannt, dass am Abend des 3. Dezember eine Razzia auf
ein Haus im Viertel Baglar durchgeführt wurde, bei der 2 Menschen
ums Leben kamen.
Milliyet vom 04.12.2003
Freispruch für
Folter mit Todesfolge
Die 5. Kammer des Amtsgerichts
in Fatih (Istanbul) sprach am 3. Dezember die Polizeibeamten Sefik Kul,
Mehmet Artunay, Osman Kursun, Saldiray Öztürk, Celil Zilyaoglu,
Yücel Ceylan und Ahmet Asim Isik von der Anti-Terror Abteilung in
Istanbul aus Mangel an Beweisen frei. Ihnen war wegen des Todes von Yunus
Güzel am 23.10.2001 Verletzung der Dienstaufsicht vorgeworfen worden.
Yunus Güzel war am 16.10.2002 unter dem Vorwurf, ein Selbstmordattentat
als Mitglied der DHKP/C geplant zu haben festgenommen worden. Er soll sich
mit einem an das aufrecht gestellte Bettgestell festgemachten Laken erhängt
haben.
Bianet vom 04.12.2003
Ragip Zarakolu freigesprochen
Ragip Zarakolu, der als
Übersetzer des Buches "Der 12. September vor Gericht" angeklagt war,
wurde freigesprochen, nachdem auch der Staatsanwalt Freispruch gefordert
hatte.
Anm.: Nach der Zeitungsmeldung
soll das Verfahren vor dem SSG Istanbul geführt worden sein, das aber
für Verstösse gegen den Art. 312 TSG nicht zuständig sein
dürfte. Daher wurde dieser Teil der Meldung ausgelassen.
Radikal vom 04.12.2003
Hülya Akpinar
freigesprochen
Das Amtsgericht in Kilis
hat die Lehrerin Hülya Akpinar sowie die weiteren Angeklagten Sevil
Kuzucu, Savas Kekeç, Baris Kubilay, Ibrahim Halil Koyuncu, Ahmet
Laftan und Erdal Karabatak vom Vorwurf des Verstosses gegen das Demonstrationsgesetz
freigesprochen. Sie waren nach einer Veranstaltung zu den unbegründeten
Vorwürfen des Völkermordes an den Armeniern angeklagt worden,
weil Hülya Akpinar dem Redner Mehmet Kabacik unliebsame Fragen gestellt
hatte.
Özgür Gündem
vom 05.12.2003
Tote bei Razzia
Die Namen der Personen,
die bei einer Razzia auf ein Haus im Ortsteil Baglar von Diyarbakir am
3. Dezember getötet wurden, wurden mit Hüseyin Altun und Ibrahim
Kiliç angegeben. Nach offizieller Darstellung sollen es Militante
der HPG sein. Der Vater von Ibrahim Kiliç, Mehmet Kiliç wiederum
sagte, daß sein Sohn auf dem Bau gearbeitet und nichts mit einer
Organisation zu tun habe. Die Razzia soll um 19 Uhr begonnen haben. Ab
20 Uhr waren Waffen zu hören. Erst eine Stunde danach habe es Aufforderungen
zum Aufgeben gegeben und um 22 Uhr verstummten die Waffen.
|