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Übersetzungen aus den Tagesberichten
der TIHV
Woche 46/2003
Özgür Gündem
vom 09.11.2003
Kinder in Istanbul gefoltert
Kinder, die am 30. Oktober
in Yenibosna-Istanbul nach einer Demonstration für den KADEK Führer
Abdullah Öcalan festgenommen worden waren, haben Vorwürfe von
Folter erhoben. Auf einer Pressekonferenz beim IHD Istanbul sagte S.K.,
dass sie auf der Polizeiwache nichts zu essen und trinken erhielten und
ständig bedroht worden seien. M.K. beschwerte sich über Beschimpfungen
und M.D. fügte hinzu, dass sie permanent geschlagen worden seien.
Cumhuriyet/Radikal vom 08.-10.11.2003
Vorfälle im Gefängnis
von Buca
Wegen den Vorkommnissen
in der Kinderabteilung des Gefängnisses von Buca (Izmir) am 5. November
wurden inzwischen Ermittlungen eingeleitet. Die Anwältin Nalan Erkmen
von der Gruppe zur Verhinderung von Folter bei der Anwaltskammer Izmir
gab an, dass die 38 Kinder nicht ins Krankenhaus gebracht wurden und im
Gefängnis unter Isloation gehalten werden. Sie sei von der Staatsanwaltschaft
geladen worden, um eine Aussage zu machen. Da die Genehmigung des Justizministeriums
(für die Vernehmung von Juristen) nicht vorgelegen habe, habe sie
aber nicht aussagen können. Der Staatsanwalt Ilhan Mesutoglu behauptete
unterdessen, dass die Vorwürfe von Misshandlung nicht zuträfen.
Eine Grupe von 8-10 Gefangenen habe gemeutert und andere Kinder zum Mitmachen
gezwungen. Die Gendarmerie habe nicht eingegriffen. Lediglich die Feuerwehr
sei gekommen und habe das Feuer gelöscht. Dadurch hätten einige
Kinder nasse Kleidung gehabt. Am 9. November kamen der Vorsitzende des
Menschenrechtsausschusses im TBMM, Mehmet Elkatmis und die Mitglieder Ahmet
Ersin (CHP) und Faruk Ünsal (AKP) nach Izmir, um den Vorfall zu untersuchen.
Elkatmis sagte nach dem Besuch im Gefängnis von Buca, dass die Delegation
mit 29 Gefangenen gesprochen habe und einige Gefangene sich wegen Folter
beschwert hätten.
Nach der Recherche vom 10.
November sagte Mehmet Elkatmis, dass es keine systematische Folter oder
Druck gegeben habe. Der Grund für den Aufstand der Kinder seien kleine
Reibereien, wie sie in jedem Gefängnis vorkämen. Die Kinder selber
hätten zugegeben, dass sie auf ein Abenteuer aus waren. Die Wunden
der Kinder rührten von dem Durcheinander nach dem Vorfall her. Einige
seien auch durch die aufmüpfigen Kinder verletzt worden. Die in der
Öffentlichkeit erhobenen Vorwürfe seien übertrieben, sagte
er. Ahmet Ersin fügte hinzu, dass er nicht glaube, dass es zu Folter
gekommen sei. (Cumhuriyet vom 11.11.2003)
Am Folgetage protestierten
AnwältInnen gegen die Erklärung der Kommission. Die Anwältin
Nalan Erkmen sagte, dass sie die Protokolle, die sie mit den Kindern angefertigt
hatten, den Abgeordneten übergeben habe. Daraus gehe eindeutig hervor,
dass 10 Kinder gefoltert wurden. Sie warf der Delegation vor, nicht mit
den Eltern der Kinder gesprochen zu haben. Dr. Fatih Sürenkök,
Vorsitzender der Ärztekammer Izmir gab zu bedenken, dass die Kinder
aus Angst nicht die Wahrheit sagten und fügte hinzu, dass die Kommission
auf die Beteiligung von unabhängigen Ärzten verzichtet habe.
Diese hätten bei den Kindern Vertrauen schaffen können. Der Anwalt
Baris Çilingir sagte in einem Radioprogramm, dass die Folter an
Kindern im Gefängnis Buca rountinemässig stattfindet. Das habe
ein Kollege noch eine Woche vor dem Aufstand festgestellt. (Bizim Radyo
vom 12.11.2003)
Özgür Gündem
vom 08.11.2003
DEHAP Funktionär
verurteilt
Das SSG Erzurum verurteilte
am 7. November den Vorsitzenden der DEHAP in Kars, Güngör Alp,
wegen einer Rede, die er am 31. Mai auf einer Veranstaltung seiner Partei
gehalten hatte. Das Verfahren war nach Artikel 8 des ATG eröffnet
worden (Separatismuspropaganda). Das Urteil wurde dann aber nach Artikel
312 TSG gefällt. SSG Erzurum verurteilte Güngör Alp zu einer
Strafe von 10 Monaten Haft. Am gleichen Tage wurde der ehemalige Vorsitzende
der DEHAP, Mahmut Boçnak zu einer Strafe von 6 Monaten Haft nach
Artikel 312/1 TSG verurteilt. Hier war das Verfahren nach Artikel 169 TSG
eröffnet worden.
Cumhuriyet vom 12.11.2003
KADEK hat sich aufgelöst
Der Kongress für Freiheit
und Demokratie in Kurdistan (KADEK, Nachfolgeorganisation der PKK) hat
sich aufgelöst. Die neue Organisation soll möglicherweise den
Namen Volkskongress von Kurdistan (KHK) tragen. Die Volksverteidigungskräfte
(HSK) sollen eine eigenständige Organisation werden. Das leninistische
Organisationsmuster soll in Zukunft nicht mehr gelten und ökologische
Probleme sollen in den Vordergrund treten.
Milliyet vom 13.11.2003
Das 6. Protokoll wurde
ratifiziert
Die Türkei hat das
6. Protokoll zur Europäischen Erklärung der Menschenrechte, mit
dem die Todesstrafe in Friedenszeiten abgeschafft wird, ratifiziert. Das
Protokoll wurde am 12. November in Strassburg durch den Botschafter Numan
Hazar unterzeichnet. Die Ratifizierung des 13. Protokolls, mit dem
die Todesstrafe grundsätzlich abgeschafft wirde, steht noch aus.
TIHV vom 13.11.2003
Verfahren gegen die TIHV
Vor der 15. Kammer des Justizgerichts
in Ankara begann am 12. November das Verfahren mit der Forderung auf Amtsenthebung
des Vorstandes der TIHV. Das Verfahren wurde auf den 20. Januar 2004 vertagt
(Einzelheiten sind hier
zu finden).
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