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Übersetzungen aus den Tagesberichten
der TIHV
Woche 43/2003
Özgür Gündem
vom 19.10.2003
Dorfbewohner verstorben
Ramazan Demir (80), der
zusammen mit vier weiteren Bewohnern des Dorfes Kovali im Kreis Derik (Mardin)
am 13. Oktober durch Schüsse von Soldaten verletzt worden war (siehe
vorherigen Wochenbericht), ist im Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen.
Özgür Gündem
vom 19.10.2003
Ermittlungen gegen Vergewaltiger
eingestellt
Das Polizeipräsidium
in Istanbul hat die Ermittlungen im Falle von Gülbahar Gündüz
von der Frauenabteilung der HADEP, die im Juni von Personen, die sich als
Polizisten ausgaben, gefoltert und vergewaltigt worden war, eingestellt.
Am 15. Oktober wurde dem IHD Istanbul mitgeteilt, dass die Akte geschlossen
werde, weil es sich bei den Personen nicht um Polizisten handele. Die strafrechtlichen
Ermittlungen bei der Staatsanwaltschaft in Gaziosmanpasa (Istanbul) sind
hingegen noch nicht abgeschlossen.
TIHV vom 18.10.2003
Anwälte vor Gericht
Am 17. Oktober begann ein
Verfahren gegen Sezgin Tanrikulu, Vorsitzender der Anwaltskammer in Diyarbakir
und Leiter des Rehazentrums der TIHV in Diyarbakir, sowie die AnwältInnen
Habibe Deyar, Burhan Deyar und Sebahattin Korkmaz vor der 1. Kammer des
Landgerichts in Diyarbakir. Sie sind nach § 240 TSG wegen Amtsmissbrauch
angeklagt, weil sie Entschädigung für Bauern gefordert hatten,
die aus ihren Dörfern vertrieben worden waren. Tanrikulu sagte, dass
ihr Antrag an den Gouverneur verfälscht worden sei. Den AnwältInnen
wird vorgeworfen, die Bewohner unter Vorspiegelung falscher Tatsachen zu
ihren Mandaten gemacht zu haben, um sich selber zu bereichern. Bei den
betroffenen Dörfern handelt es sich um den Weiler Derecik des Dorfes
Caglayan im Kreis Kulp (Diyarbakir), das 1993 evakuiert wurde, die Dörfer
Ziyaret und Uluocak im Kreis Lice, die 1994 entvölkert wurden. Anfang
2002 hatten die Bewohner die Anwälte beauftragt, auf Entschädigung
zu klagen.
In der Verhandlung fielen
drei Personen mit Waffen auf. Zwei verliessen sofort den Saal. Das Gericht
beschlagnahmte die Waffe der 3. Person, die sich als Mehmet Sahin ausgab
und sagte, dass er vom Geheimdienst sei. Das Verfahren wurde auf den 5.
Dezember vertagt.
Sabah vom 21.10.2003
Prügel auf der Wache
in Ödemis
Am 19. Oktober ging Ali
Namli auf die zentrale Polizeiwache in der Kreisstadt Ödemis (Izmir),
um nach seinem Sohn Resat zu fragen, der wegen Alkohol am Steuer festgenommen
worden sein sollte. Sein Bekannter Yilmaz Gümüs begleitete ihn.
Sie gaben später an, dass der Polizeichef Mustafa Saygi und der Kommissar
Hüseyin Ceylan sie wegen der Frechheit schlug, Rechenschaft von der
Polizei zu verlangen. Da er grosse Schmerze hatte, wurde Ali Namli von
Polizisten zum Krankenhaus gebracht und hier wurde ein gebrochener Arm
sowie gebrochene Rippen festgestellt. Ali Namli stellte Strafanzeige. Bei
seiner Vernehmung durch den Staatsanwalt soll der Polizeichef Mustafa Saygi
gesagt haben, dass er niemanden geschlagen habe und die Verletzungen wohl
durch einen Sturz von der Treppe herrührten.
Yeni Safak vom 21.10.2003
Folterverfahren in Mus
Vor dem Landgericht in Mus
begann am 16. Oktober ein Verfahren gegen den Unteroffizier Mahir Özbayrak,
der im März 2002 den Schuldirektor Görgü Koçlardan
sowie Sadrettin Sosan und Atik Peker, die wegen des Verdachts, der Hizbullah
anzugehören, festgenommen worden waren, vier Tage lang gefoltert haben
soll. Der Angeklagte hatte sich schriftlich zur Sache geäussert und
angegeben, dass die Ermittlungen vom Major Hüseyin Polatsoy geführt
worden seien und die Beamten Aslan Topdag (Deckname “Özgür”)
und Akim Türker (Deckname: “Abbas”) bei den Verhören anwesend
waren. Das Gericht vertagte sich auf den 13. November, um diese Personen
als Zeugen zu vernehmen. Dies Verfahren wurde erst eröffnet, nachdem
sich die Geschädigten an den Europäischen Menschenrechtsgerichtshof
gewendet hatten. Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen eingestellt.
Özgür Gündem
vom 21.10.2003
Freilassungen in Tunceli
Ismail Gider, Sakine Aba,
Mehmet Dogan und Mehmet Dolas, die am 17. September verhaftet worden waren,
nachdem sie nach einem verschwundenen Grabstein für den DHKP/C Militanten
Ali Özbakir auf einem Friedhof in der Kreisstadt Pertek (Tunceli)
gesucht hatten, wurden am 15. Oktober wieder auf freien Fuss. Sie gaben
an, in der Polizeihaft gefoltert worden zu sein. Unter anderem soll die
Schulter von Ismail Gider ausgekugelt worden sein.
Cumhuriyet vom 22.10.2003
Freispruch für Todesschüsse
Die 2. Kammer des Landgerichts
in Kayseri hat zum zweiten Mal 22 Polizisten freigesprochen, die bei der
Stürmung einer Wohnung in Istanbul am 17. April 1992 die vermeinlichen
Dev-Sol Mitglieder Eda Yüksel, Taskin Usta und Sabahat Karatas erschossen
hatten. Das erste Mal waren die Beamten Resat Altay, Ibrahim Sahin, Vasfi
Kara, Abdullah Dindar, Mehmet Sakir Öncel, Ismail Alici, Adnan Tasdemir,
Ruhi Firat, Aslan Pala, Mehmet Düzgün, Adalet Üzüm,
Senel Karaman, Ömer Mesut Yagcioglu, Ismail Türk, Ali Türken,
Yahya Kemal Gezer, Zülfikar Çiftçi, Sönmez Alp,
Ayhan Çarkin, Salih Tonga und Yasar Karaçam am 13 Juli 2001
freigesprochen worden, aber der Kassationsgerichtshof hatte das Urteil
wegen formeller Fehler aufgehoben. Das Verfahren gegen Mehmet Baki Avci
wurde nach seinem Tode eingestellt.
TIHV vom 22.10.2003
Verfahren gegen IHD Ankara
zu Ende
Das SSG Ankara entschied
am 21. Oktober den Vorstand und die Mitglieder der Kommission zu Gefängnissen
in der Zweigstelle Ankara des IHD freizusprechen. Im Zusammenhang mit Aktionen
gegen die Isolation in den Gefängnissen vom Typ F war ihnen die Unterstützung
einer bewaffneten Bande vorgeworfen worden (§ 169 TSG). Ausserdem
war die Schliessung der Zweigstelle beantragt worden. Das Verfahren gegen
Ali Riza Bektas wurde eingestellt, da ihm Strafunfähigkeit bescheinigt
worden war. Der ehemalige Vorsitzende Lütfi Demirkapi, die Vorstandsmitglieder
Ilhami Yaban, Ismail Boyraz, Erol Direkçi, Mesut Çetiner,
Zeki Irmak, Riza Resat Çetinbas, und die Mitglieder der Gefängniskommission
Selim Necati Ort, Saniye Simsek, Ekrem Erdin, Gökçe Otlu und
Emrah Serhan Soysal waren nach den jüngsten Änderungen im §
169 TSG freizusprechen.
Zaman vom 22.03.2003
Gefecht in der Provinz
Corum
Der Gouverneur von Corum
gab bekannt, dass bei einem Gefecht in der Nähe des Dorfes Eskiören
die DHKP/C Militanten Gazi Alici und Salhan Top getötet wurden.
Evrensel vom 23.10.2003
Polizist freigesprochen
Die 6. Kammer des Amtsgerichts
in Mersin hat den Polizeibeamten Ergün Ilhan wegen eines Unfalls bei
den Newroz-Feierlichkeiten im Jahre 2002 freigesprochen. Ergün Ilhan
hatte seinerzeit Mehmet Sen mit einem gepanzerten Fahrzeug überrollt
und dieser war an den Verletzungen gestorben. Das Gericht entschied am
22. Oktober, dass der Polizeibeamte den Unfall nicht verhindern konnte
und gab die Schuld an dem Unfall Mehmet Sen.
Weitere Meldungen (vom DTF
zusammengestellt)
Özgür Politika
vom 21.10.2003
Probleme mit der Grünen
Karte
Das DEHAP Mitglied Ihsan
Cansiz hat Probleme, eine grüne Karte für kostenlose Gesundheitsversorgung
zu erhalten, obwohl er nicht vorbestraft ist. Er gab an, dass er im September
einen Antrag im Kreis Hozat (Tunceli) gestellt habe, die Gendarmerie aber
auf dem Formblatt vermerkte, dass er wegen Unterstützung der KADEK
bekannt sei. Er sei im Jahre 1996 an die 4 bis 5 Mal festgenommen worden,
sei aber jedes Mal ohne Strafe wieder freigelassen worden. Nun bemühe
er sich seit 2 Jahren um eine grüne Karte, die er vermutlich aber
nicht erhalte, weil er bei der DEHAP aktiv ist.
Radikal vom 22.10.2003
Murat Celikkan: TIHV
angeklagt
Am 12. November wird sich
die Menschenrechtsstiftung der Türkei (TIHV) vor Gericht verantworten
müssen, weil für die Behandlung der Hungerstreikenden über
das Internet zu Spenden aufgerufen wurde. Weiter ist in der Anklageschrift
zu lesen: Das Dokumentationszentrum habe einen Bericht über die Situation
in den Gefängnissen erstellt, diesen in die englische Sprache übersetzt
und auf internationaler Ebene verteilt. Zudem habe es Treffen mit dem Rapporteur
der UN zu “Verschwundenen” und dem Rapporteur des EP zur Türkei gegeben
und diesen Personen seien dabei Akten übergeben worden. Der TIHV wird
vorgeworfen, mit Einrichtungen im Ausland zusammenzuarbeiten, ohne dafür
eine Genehmigung des Ministerrates zu haben.
Bianet vom 22.10.2003
Entschädigung für
Anwältin
Der Rechtsanwältin
Seyma Dögücü wurden 3 Milliarden TL Entschädigung wegen
nicht gerechtfertigter Haft gewährt. Sie war am 22.10.2001 mit den
KollegInnen Arife Gökkaya und Salih Dögücü zur Theologischen
Fakultät der Universität Marmara gegangen, um Studentinnen Rechtbeistand
zu gewähren. Dabei waren sie festgenommen worden. Nach dem Freispruch
in einem Verfahren vor dem Landgericht in Üsküdar, wo wegen illegaler
Demonstration verhandelt wurde, hatte die Anwältin den Antrag auf
Entschädigung gestellt.
Özgür Politika
vom 25.10.2003
Mittellosem wird Behandlung
verweigert
Umar Karatepe, Vorsitzender
des Volkshauses in Soganli (Istanbul) hat auf einer Pressekonferenz der
Ärztekammer in Istanbul bekannt gegeben, dass ihm die Behandlung wegen
Folter verweigert wurde, weil er nicht zahlen konnte. Er war nach einer
Demonstration gegen die Besetzung des Irak am 7. Oktober festgenommen worden.
Nach Schilderung seines Anwalts Ilke Candirbay wurde er im Gerichtsgebäude
von Polizisten geschlagen. Er sei wegen Schlägen auf den Kopf bewusstlos
geworden. Im Krankenhaus hätte eine Tomografie gemacht werden müssen,
was aber nicht geschah, weil der Patient nicht zahlen konnte.
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