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Übersetzungen aus den Tagesberichten
der TIHV
Woche 42/2003
Milliyet vom 12.10.2003
Haft für Folterer
Der Feldwebel Mehmet Hilmi
Inci und die Soldaten Ahmet Bozdag und Mehmet Ülgen kamen am 11. Oktober
in U-Haft. Sie werden sich wegen Folter an Fettah Ülgen aus dem Dorf
Saricmen im Kreis Caldiran am 30. September verantworten müssen.
Özgür Gündem
vom 12.10.2003
Kranke im Gefängnis
von Giresun
Gefangene aus dem Gefängnis
in Giresun, die wegen KADEK Verfahren einsitzen, haben sich beschwert,
dass die Leitung nicht genug unternimmt, um witterungsbedingte Krankheiten
einzudämmen. Die Anträge vieler Gefangenen, in Anstalten im Osten
und Südosten der Türkei verlegt zu werden, seien abgelehnt worden.
Zu den Krankheiten einzelner Gefangenen wurde mitgeteilt: Hüseyin
Haci hat Allergien, eine chronische Grippe, friert und schwitzt zugleich.
Halil Durgun leidet an Asthma und Rheumatismus. Yavuz Soydamal hat eine
Stirnhöhlenvereiterung und Allergien. Süleyman Hemedo hat ebenfalls
eine Stirnhöhlenvereiterung. Hasan Eroglu leidet an hohem Blutdruck
und Atembeschwerden. Aus dem Spezialgefängnis in Bursa verlautete,
dass es den Gefangenen untersagt ist, mit BesucherInnen Kurdisch zu sprechen.
Ein Gefangener, der protestierte, als er deswegen aus der Besucherkabine
gezerrt wurde, sei von den Wärtern zusammengeschlagen worden, sagte
der Besucher Serdi Ates.
Özgür Gündem
vom 13.10.2003
Erlaubnis für Kurdischkurs
Hasan Güven, der im
Dezember in Van einen Antrag stellte, einen Kursus in Kurdisch zu eröffnen,
erhielt nun die Erlaubnis, die ihm zuvor verweigert worden war, weil es
an dem Gebäude keine Notleiter gab.
Evrensel vom 12.10.2003
Tod bei Explosion einer
Handgranate
Mesut Önalan (11) starb,
als die Handgranate, die er in der Nähe des Dorfes Elmadüzü
im Kreis Adakli in der Provinz Bingöl gefunden hatte, am 11. Oktober
explodierte. Seine Mutter Nafiye Önalan wurde verletzt.
Cumhuriyet vom 11./12.10.2003
Tote bei Gefechten
In der Nähe des Dorfes
Kusluca im Kreis Ovacik (Tunceli) kam es zu einem Gefecht zwischen den
türkischen Sicherheitskräften und Mitgliedern der KADEK. Dabei
sollen 4 Militante der KADEK getötet worden sein. Im Gebiet Kervansaray
im Kreis Zile (Tokat) wurden Zeynel Arslan, Kenan Kösedeniz, Cemal
Keser und Erol Bastug getötet. Sie sollen der Maoistischen Kommunistischen
Patei angehört haben.
Özgür Gündem
vom 15.10.2003
Dorf angegriffen
Aus dem Dorf Kovali im Kreis
Derik (Mardin) wurden Vorwürfe erhoben, dass 5 Dorfbewohner verletzt
wurden, als Soldaten am 13. Oktober wahllos auf sie schossen. Gegen Mitternacht
kehrte Murat Demir (17) mit seinen Schafen ins Dorf zurück. Er und
sein ihm entgegen kommender Grossvater Ramazan Demir (80) wurden als Erste
von den Gendarmen beschossen. Hamdullah Demir (67), der Vater von Murat
Demir, und die Verwandten Nusret Demir (65) und Mehmet Demir (38) hörten
die Schüsse und wollten nachsehen. Auch sie wurden durch Schüsse
verletzt. Es hiess, dass vor dem Überfall der Strom im Dorf abgestellt
wurde. Reho Demir, die Tochter von Mehmet Demir sagte: “Wir sind nach den
Schüssen aus den Häusern gekommen und sahen die Soldaten bei
den Verletzten. Wir wollten sie holen, aber uns wurde gedroht, dass jeder
Mann, der sich nähere, erschossen werde. Ich bin dann mit meiner Schwester
zu den Verletzten gegangen. Die Verletzungen von Ramazan und Hmadullah
Demir sollen schwer sein.
Mehmet Demir, der die Verletzten
zum Krankenhaus brachte, gab an: “Unser Fahrzeug wurde bschossen, aber
wir haben nicht angehalten. Erst an der Gendarmeriestation Ücyol,
die 500 Meter vom Dorf entfernt liegt, mussten wir anhalten. Wir mussten
eine halbe Stunde warten. In dieser Zeit wurden wir mit Knüppeln und
Fäusten geschlagen. Sie warfen uns vor, PKK’ler zu verbergen. Mir
wurde der Ausweis und die Fahrzeugpapiere abgenommen. Die Soldaten drohten
auch, mich zu töten, wenn ich jemandem von der Sache erzähle.”
Als Fahrer wurde Mehmet Demir nicht festgenommen, dafür aber die Begleiter
Burhan Demir und Abdülsamet Demir. Sie wurden in den Morgenstunden
wieder freigelassen. Vertreter des IHD besuchten Ramazan Demir im Krankenhaus
der Universität Dicle. Später sagte Hanifi Isik, IHD-Vertreter
für die Region, dass es von der Gendarmerie in Derik schon viele solcher
Übergriffe gegeben habe, aber nie die Soldaten, sondern immer nur
die Opfer angeklagt wurden. Dahinter stünde der Oberbefehl der Gendarmerie.
Der IHD stellte des weiteren
eine Delegation zusammen, die den Vorfall untersuchte. Sie sprachen mit
Augenzeugen, dem Staatsanwalt in Derik und den Verletzten im Staatskrankenhaus
von Mardin. Danach sagte Hanefi Isik, dass sie keinen Zweifel mehr hätten,
dass die Soldaten gezielte Schüsse abfeuerten. Der Staatsanwalt habe
zwar von einer bewaffneten Auseinandersetzung gesprochen, aber dafür
seien keine Anzeichen vorhanden gewesen. (Angaben am Schluss aus Özgür
Gündem vom 16.10.2003)
Evrensel vom 15.10.2003
Selbstmord im Gefängnis
Der unpolitische Gefangene
S.D. hat sich am 14. Oktober im E-Typ Gefängnis in Erzurum das Leben
genommen, indem er sich mit einem zum Seil geformten Laken in der Toilette
erhängte.
Özgür Gündem
vom 15.10.2003
Weitere Gefechte
Die KADEK teilte mit, dass
sie am 13. Oktober 10 Soldaten im Kreis Semdinli (Hakkari) töteten.
Dies sei Rache für die vier getöteten Freunde gewesen, die im
Kreis Ovacik (Tunceli) am 10. Oktober erschossen wurden. Die Namen wurden
mit Hasan Ömer, Ibrahim H. Bolkan, Ramazan Süleyman (aus dem
Nordirak) und Kahraman ... angegeben.
Radikal vom 17.10.2003
Polizisten foltern Polizisten
Gegen den Direktor für
Finanzangelegenheit in der Abteilung zur Bekämpfung des Schmuggelns,
Serafettin Bural, wurde unter dem Vorwurf der Folter an drei Polizeibeamten
ein Verfahren eröffnet. Seinerzeit war Serafettin Bural Leiter der
Abteilung für Schmuggel und organisiertes Verbrechen in Izmir gewesen.
Nach einer Operation wegen illegalem Handel mit CDs im Jahre 2001 hatte
sich Metin Yildirim beschwert, dass die Polizeibeamten Mehmet Dinç,
Ilhan Aktas und Sükrü Eryilmaz von ihm Bestechung gefordert hätten.
Die Beamten wurden bei der Übergabe der Bestechnungselder gefasst
und beschwerten sich danach wegen Misshandlung. Das Verfahren gegen Serafettin
Bural wird vor der 7. Kammer des Landgerichts Izmir verhandelt werden.
Weitere Meldungen (zusammengestellt
vom DTF)
NTV vom 10.10.2003
63.560 Gefangene
Im Juli veröffentlichte
das Direktorat für Gefängnisse im Justizministerium neue Zahlen
zu Gefangenen in insgesamt 504 Gefängnissen der Türkei. Demnach
befanden sich 32.271 Personen in Strafhaft, 26.837 Personen in Untersuchungshaft
und 4.452 in angeordneter Untersuchungshaft. Die grösste Gruppe von
10.854 Personen waren wegen Mordes in Haft, gefolgt von “Dieben” mit 7.741
und politischen Gefangenen, den sogenannten Terror-Verbrechern mit 6.505.
Özgür Politika
vom 15.10.2003
2.124 Strafversetzte
im OHAL Gebiet
Die Konföderation von
Gewerkschaften im öffentlichen Sektor hat Zahlen zu Strafversetzungen
im Gebiet unter Ausnahmezustand (OHAL) herausgegeben. Demnach wurden zwischen
1990 und 2003 insgesamt 2.124 Mitglieder von KESK aus disziplinarischen
Gründen an einen anderen Ort versetzt. Die grösste Zahl von Betroffenen
war im Gesundheitswesen beschäftigt (751), gefolgt von LehrerInnen
(444) und Personal in der Nachrichtenverbreitung (398).
Özgür Politika
vom 17.10.03
Druck auf DEHAP steigt
Besonders in Tunceli, Hakkari
und Adana haben Repressalien gegen Mitglieder von DEHAP zugenommen. Im
Kreis Ovacik (Tunceli) wurden der Kreisvorsitzende Kemal Dinlergüler,
Efendi Gültakur und Zeynel Diloglu am 15. Oktober in U-haft genommen.
Ali Ihsan Sahin (von der CHP) und die DEHAP Mitglieder Engin Biltay, Süleyman
Gültakur und Haydr Eren kamen nach der Aussage bei der Staatsanwaltschaft
wieder frei.
Am Abend des 15. Oktober
wurden die Büros in Hakkari zwei Mal durchsucht. Dabei wurden Flugblätter
beschlagnahmt, die die Zentrale von DEHAP zur “Wegekarte” (roadmap) zum
Frieden vorbereitet hatte. In Adana beschlagnahmte die Polizei Flaggen
mit der Aufschrift “Der Frieden wird siegen”. Die Polizei suchte dazu 50
Läden auf und entfernte die Poster eigenhändig.
Der Vorsitzende der DEHAP,
Tuncer Bakirhan, musste bei der Staatsanwaltschaft in Ankara zu einer Rede
in Kars aussagen, die er vor den allgemeinen Wahlen vom 3. November 2002
gehalten hatte. Darin soll er das Volk zu Hass und Feindschaft aufgestachelt
haben, ein Vergehen nach § 312 TSG.
Milliyet vom 17.10.2003
Freitod oder Mord
Nebahat Akkoc, die in Diyarbakir,
Kiziltepe, Batman und Bingöl Frauenzentren (KAMER) gegründet
hat, gab das Ergebnis der Befragung von 5.100 Frauen in den Jahren 1997
bis 2003 bekannt. Bei der Auswertung von 1.800 Gesprächen kamen ihr
Zweifel an dem Phänomen der vielen Selbstmorde von Frauen, vor allem
in Batman. 15% der Frauen sprachen von Morddrohungen, aber nur 7% der Frauen
hegten Selbstmord-gedanken. Nach Auffassung von Frau Akkoc steht hinter
vielen Selbstmorden die Familienehre. Frauen, die diese Ehre “beschmutzt”
hätten, werde gesagt, dass sie sich besser selber umbringen, als von
der Familie getötet zu werden. Etliche der Selbstmorde seien durch
Sprünge vom Balkon oder dem Trinken von Gift erfolgt. Es könne
aber auch sein, dass diese Frauen vom Balkon gestossen oder ihnen Gift
eingeflöst wurde.
Als Schande werde in den
Familien schon der Besuch eines Kinos oder ein Hörerwunsch beim Radio
bewertet. Frau Akkoc gab an, dass sie sich an das Institut für Religionsangelegenheiten
wenden werde, da vor der Vollstreckung eines Todesurteils zunächst
noch religiöse Autoritäten in der Region aufgesucht werden und
diese Morde verhindert werden können, wenn in den 3-5 Monaten zwischen
Aussprache und Vollstreckung eingegriffen werden kann. An statistischen
Zahlen in dem Bericht wurden genannt: 99% der Frauen sind psychischer Gewalt
ausgesetzt, 57% physischer Gewalt. 8% der befragten Frauen wurden vergewaltigt,
74% wurden verbal belästigt und 46,9% wurden physisch belästigt.
19% der Frauen berichteten von Inzest, der an ihnen begangen wurde.
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