Woche
41/2003
Milliyet vom 04.10.2003
Dieb erschossen
In der Nacht vom 2. Oktober
erschoss die Polizei in Istanbul den vermeintlichen Dieb Hüseyin Yaman
(23). Die Polizei hatte ein gestohlenes Auto im Ortsteil Pendik verfolgt,
als dieses auf die Seitenplanken auffuhr. Dabei wurden die Insassen Dogan
Öztürk und Yemlihan Ispir verletzt. Sie wurden festgenommen.
Hüseyin Yaman versuchte zu fliehen und wurde erschossen. Die Polizeidirektion
in Istanbul behauptete, dass er zuerst geschossen habe.
Hürriyet/Radikal vom
04.10.2003
405 Soldaten wegen Vergewaltigung
angeklagt
Die Staatsanwaltschaft in
Mardin hat ein Verfahren gegen 64 Offiziere und 341 Soldaten eröffnet.
Sie sollen in den Jahren 1993 und 1994 Sükran Esen vergwaltigt haben.
Sükran Esen hatte auf einer Veranstaltung des Projektes „Rechtshilfe
gegen Sexuelle Belästigung und Folter in der Polizeihaft“ im Jahre
1999 in Deutschland von ihrem Leid berichtet. Die Rechtsanwältin Eren
Keskin erstattete Strafanzeige. Sie führte aus, dass ihre Mandantin
im November 1993 für 7 Tage auf der Wache im Kreis Derik festgehalten
wurde. Sie sei splitternackt ausgezogen worden und bei verbundenen Augen
hätten die Soldaten sie der Bastonade unterworfen und sie sei zwei
Mal, einmal mit einem Knüppel und einmal mit den Händen vergewaltigt
worden. Im März und August 1994 sei sie zwei weitere Male festgenommen
und von jemandem in der Uniform eines Oberleutnants sowie einer zahlenmäßig
nicht festzulegenden Zahl von Soldaten vergewaltigt worden. Während
der Folter habe man ihr den Mund mit Salz vollgestopft. Die Ermittlungen
endeten mit einer Entscheidung, kein Verfahren zu eröffnen. Der Einspruch
beim Landgericht Mardin hatte Erfolg und es wurde ein Verfahren nach den
§§ 416, 417 (Vergwaltigung) und 243 TSG (Folter) eröffnet.
Die Anklage beruft sich auf die Aussagen der Zeugen Ahmet Gören, Süleyman
Dölek, Ismet Yildiz, Seyho Gövsa, Seyhmus Basaran, Piro Yildiz,
Bedri Ay, Hüseyin Çin und Mehmet Gören sowie Einlassungen
von drei Angeklagten. Der Angeklagte F.Ö. sagte: “Zu der erwähnten
Zeit wurde eine Terroristin der Gendarmerie in Bozok überstellt. Sie
war 7 bis 8 Tage auf der Wache. Der Kommandant nahm sie an einen Ort mit,
den ich nicht kenne.” Das Verfahren wird am 10. Oktober vor dem Landgericht
Mardin beginnen.
Özgür Gündem
vom 05.10.2003
Bauern sollen Soldaten
angegriffen haben
Am 3. Oktober begann ein
Verfahren vor dem Amtsgericht Uludere gegen Bewohner des Dorfes Ortaköy
(Arose) im Kreis Uludere der Provinz Sirnak. Im Juli waren 500 Bewohner
des Dorfes über die Grenze in den Nordirak gegangen. Andere waren
zur Gendarmeriewache gegangen, wo Kervan Berk, Fahri Berk, Abdulhaluk Berk
und Tahir Berk festgehalten wurden. Sie wollten gegen Folter protestieren.
Um sie zu vertreiben, sollen die Soldaten in die Luft geschossen und Knüppel
eingesetzt haben. Die Bauern aber wurden wegen “Widerstands gegen die Staatsgewalt”
angeklagt. In der Gerichtsverhandlung sagte Abdulhaluk Berk aus, dass er
auf der Wache gefoltert wurde. Wegen des Protestes sei er freigelassen
worden. Die Leute aus dem Dorf hätten die Soldaten nicht angegriffen.
Fatih Faik, einer der angeblich geschädigten Soldaten, erklärte,
dass er im Sinne des Unteroffiziers Adnan Aksoy ausgesagt habe. Für
ihn sei ein ärztliches Attest ausgestellt worden, obwohl er nicht
auf dem Gesundheitsamt war. Der Oberleutnant Mutlu Zorlu und der Unteroffizier
Adnan Aksoy hätten ihn der Bastonade unterworfen, weil er auf Wache
eingeschlafen sei. Danach hätten sie ihn an einen Mast gebunden und
in der heissen Sonne stehen lassen. Er bestätigte, dass die Dorfbewohner
die Soldaten nicht angegriffen hätten. Auch der Soldat Serkan Bozkaya
sprach von Folter auf der Wache. Das Verfahren wurde auf den 19. November
vertagt. Reyhan Yalcindag, st. Vorsitzende des IHD, die die Bauern als
Anwältin vertritt, gab bekannt, dass Ermittlungen gegen Mutlu Zorlu,
Adnan Aksoy und andere Diensthabenden wegen Folter angestrengt worden sein.
Yeni Safak vom 04.10.2003
Journalist verurteilt
Das SSG Istanbul verurteilte
den Chefredakteur der Zeitschrift “Vuslat” zu einer Strafe von 20 Monaten
Haft nach § 312 TSG. Das Verfahren war wegen eines Artikels im Januar
2002 mit der Überschrift “Kopftuch und Aufruf zum Dialog” eröffnet
wurden. Die Haftstrafe wurde in eine Geldstrafe verwandelt und zur Bewährung
ausgesetzt. Der Zeitschrift wurde das Erscheinen für 2 Wochen untersagt.
Milliyet vom 05.10.2003
Keine Neuwahlen
Der Hohe Wahlrat hat beschlossen,
dass wegen der Verurteilung von 4 Funktionären der DEHAP wegen Wahlbetrugs
die Wahlen vom 3. November 2002 nicht wiederholt werden müssen. Sieben
Parteien und 300 Personen hatten dies gefordert.
Özgür Gündem
vom 07.10.2003
Massengrab gefunden?
Bei Strassenarbeiten auf
der Hochweide Senköy in der Nähe von Mus sollen am 4. Oktober
11 Leichen gefunden worden sein. Es wurde vermutet, dass es sich bei ihnen
um M. Sah Atala (24), Bahri Simsek, Hasan Avar (41), Serif Avar (24), Nusrettin
Yerlikaya, Turan Demir (27), Behçet Tutus (40), Abdi Yamuk, Salih
Akdeniz (65), Celil Aydogdu und Ümit Tas handeln könne. Sie waren
nach dem Überfall auf den Weiler Gundik des Dorfes Alaca im Kreis
Kup (Diyarbakir) am 9. Oktober 1993 „verschwunden“. Angehörige der
Verschwundenen, der Staatsanwalt und eine Delegation besichtigten den Ort
am 6. Oktober. Seyithan Atalay berichtete von den Vorfällen im Jahre
1993: “Neben meinem Bruder wurden an die 100 Personen bis zum 25. Oktober
1993 im Dorf festgehalten. Alle bis auf die 11 Personen wurden freigelassen.
Mein Bruder und die anderen 10 wurden in einen Hubschrauber gesetzt und
flogen Richtung Mus fort. Später wurde uns aus anderen Dörfern
berichtet, das einen Tag vor Ende der Operation Geräusche von Baggern
an der Strasse von Kulp nach Mus zu hören waren. Die Strasse wurde
später mit Erde aufgefüllt und gesperrt. Unter Umgehung eines
Hügels, wo wir unsere Verwandten vermuten, wurde die Strasse nach
1998 erneut angelegt.” Die Angehörigen benutzten Schaufeln, weil keine
Maschinen vorhanden waren und gruben an mehreren Stellen, wurden aber nicht
fündig.
Cumhuriyet vom 07.10.2003
Vermeintliche MKP Angehörige
festgenommen
Die Polizei in Istanbul
gab die Festnahme von Ali Gezer, Tarik Gezer, Serkan Eker und Sükrü
Duman als vermeintliche Mitglieder der Maoistischen Kommunistischen Partei
(MKP) am 30. September bekannt. Des weiteren wurde Kemal Alev, der leitender
Funktionär der DHKP/C in Bulgarien gewesen sein soll und an die Türkei
ausgeliefert wurde, am 4. Oktober in U-Haft genommen.
Radikal vom 08.10.2003
Gefolterte Kinder in
Hani
Die Abgeordneten Hüseyin
Bayindir und Ahmet Faruk Ünsal haben einen Bericht zu den Vorwürfen
von Folter an den Kindern Bedri Dokuz und Müslüm Okcu, die am
23. April in der Kreisstadt Hani (Diyarbakir) festgenommen worden waren,
herausgegeben. Sie seien auf Anweisung des Staatsanwaltes festgenommen
worden, weil sie eine Lehrerin “angemacht” hätten. Die Eltern seien
informiert worden und ihre Aussagen seien im Beisein eines Anwaltes aufgenommen
worden. An dem Vorgehen sei bis dahin nichts zu beanstanden. Nach der Freilassung
der Kinder sei jedoch festgestellt worden, dass sie ihren Stuhlgang auf
einem Kissen in der Zelle hinterlassen hatten. Die nach 2-3 Stunden erfolgte
2. Festnahme sei aber nicht notiert worden. Die Abgeordneten hielten die
Vorwürfe, dass den Kindern die Exkremente ins Gesicht geschmiert wurden
und sie in diesem Zustand in der Stadt herumgeführt wurden, für
nicht glaubwürdig, weil die Vorwürfe erst nach mehr als einem
Monat erhoben wurden und die Kinder selber das Geschehen nicht bestätigten.
Bianet vom 09.10.2003
Griechische Journalisten
festgenommen
Am 7. Oktober wurden Yiannis
Kanelakis vom TV Kanal “Mega”, der Techniker Anestis Moutafis, Stefanos
Taximanidis, Vorsitzender der Ponthus Föderation und sein Stellvertreter
Stathis Taxidis in der Kreissatdt Caykara (Trabzon) festgenommen. Wie verlautete
seien sie schon einmal am 5. Oktober für ein paar Stunden festgehalten
worden. Taximanidis und Taxidis wurden am Morgen des 8. Oktober freigelassen.
Die Journalisten kamen am Abend frei und kehrten nach Griechenland zurück.