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Übersetzungen aus den Tagesberichten
der TIHV
Woche 40/2003
Milliyet vom 27.09.2003
Häftling erschossen
Am 26. September wurden
Ahmet Aydin und seine Frau zur Wache in Kavacik (Ankara) gebracht, weil
sie Streit miteinander hatten. Dort erschoss der Polizeibeamte Ilhan Çerçi
den Gefangenen Ahmet Aydin. Zu seiner Verteidigung soll der Beamte vorgebracht
haben, dass der Gefangene ihn beschimpft und angegriffen habe. Zum anderen
wurde bekannt, dass Ilhan Çerçi im Juni wegen abnormem Verhalten
in ärztlicher Behandlung war.
Hürriyet vom 27.09.2003
Gefangener setzt sich
in Brand
Im Gefängnis in Sincan
vom Typ F hat sich der Gefangene Bener Ekmekçi am 26. September
in Brand gesetzt. Er wurde in das Numume Krankenhaus von Ankara eingeliefert.
In “Hürriyet” und “Milliyet” wurde als Grund der Tat der Druck von
Organisationsangehörigen der DHKP/C angegeben. Bener Ekmekçi,
der ebenfalls der Organisation angehörte, habe einen Antrag im Rahmen
des Reuegesetzes gestellt. Das Justizministerium wiederum stellte fest,
dass es in Gefängnissen vom Typ F nicht möglich sei, dass Gefangene
andere unter Druck setzen.
Radikal vom 27.09.2003
Journalisten vor Gericht
Vor der 2. Strafkammer des
Landgerichts in Bakirköy wurde am 26. September in 3 Verfahren gegen
die Journalisten Yildirim Türker, Perihan Magden, Nese Düzel
(alle Radikal), den interviewten Wissenschaftler Dogu Ergil und den Chefredakteur
Hasan Çakkalkurt verhandelt. Alle waren nach § 159 TSG angeklagt
und alle wurden freigesprochen.
Özgür Gündem
vom 27.09.2003
Urteil im DHKP/C Verfahren
Am 26. September verurteilte
das SSG Istanbul Yasemin Okuyucu, Metin Dikme und Bayram Kaya nach §
146/1 TSG zu lebenslanger Haft. Ihnen waren als DHKP/C Angehörige
vier Morde in den Jahren 1991 und 1992 in Istanbul zur Last gelegt worden,
darunter ein Staatsanwalt und ein pensionierter General. Der Anwalt Ercan
Kanar machte darauf aufmerksam, dass sein Mandant Metin Dikme einen Antrag
auf Reue gestellt habe, diesen aber zurückgezogen habe, nachdem er
das Gesetz genauer gelesen habe.
Milliyet vom 30.09.2003
Freispruch für Gedankenfreiheit
Das SSG Istanbul befasste
sich am 29. September mit zwei Verfahren wegen der Publikation von inkriminierten
Texten in den Büchern “Gedankenfreiheit 2000” und “Gedankenfreiheit
für Alle”. Für das erste Büchlein hatten 16 Personen als
Herausgeber fungiert, während es im zweiten Fall 65 Personen waren.
Sie wurden allen freigesprochen.
Hürriyet vom 30.09.2003
Urteil gegen DEHAP Funktionäre
bestätigt
Die 6. Kammer des Kassationsgerichtshofes
hat die Urteile gegen Mehmet Abbasoglu, ehemaliger Vorsitzender der DEHAP,
Nurettin Sönmez, ehemaliger Generalsekretär der DEHAP, Veysi
Aydin, ehemaliger Vorsitzender und Ayhan Demir, ehemaliger Generalsekretär
der DEHAP wegen Wahlbetruges bestätigt. Die 2. Kammer des Landgerichts
in Ankara hatte sie am 26. Juni wegen eines Verstosses gegen den §
342 TSG zu Haftstrafen von knapp 2 Jahren verurteilt. 22 Angeklagte waren
freigesprochen worden. Aufgrund dieses Urteils könnte das Ergebnis
der Parlamentswahlen vom 3. November 2002 angefochten werden.
Cumhuriyet vom 30.09.2003
Minenexplosion an der
griechischen Grenze
Nach der Überquerung
des Flusses Maritza an der türkisch-griechischen Grenze sind sieben
Flüchtlinge (vermutlich aus dem Iran) durch eine Minenexplosion getötet
worden. Fahri Yücel, der Gouverneur von Edirne, gab an, dass die griechische
Seite noch keine offiziellen Informationen geliefert habe und beteuerte,
dass es auf der türkischen Seite keine Minen gebe.
Özgür Gündem
vom 02.10.2003
Folter in der Provinz
Van
Fettah Ülgen aus dem
Dorf Saricimen im Kreis Caldiran (Van) hat die Gendarmerie beschuldigt,
auf ihn am 30. September geschossen und ihn gefoltert zu haben. Im Staatskrankenhaus
von Van schilderte er den Vorfall: “Ich sass auf meinem Pferd, um ein verloren
gegangenes Schaf zu suchen. Auf dem Rückweg gaben Soldaten 3-4 Schüsse
auf mich ab. Ich stieg vom Pferd und wartete. Es waren ca. 10 Soldaten
und ein Feldwebel. Der beschimpfte mich, hielt den Gewehrlauf in meinen
Mund und drohte, abzudrücken. Auf seinen Befehl schlugen die Soldaten
mit Gewehrkolben auf mich ein, weil ich angeblich ein Schmuggler sein sollte.
Danach fiel ich in Ohnmacht.” Der Dorfvorsteher Mehmet Masuk gab an, den
Vorfall beobachtet zu haben. Der Feldwebel habe sich dagegen gewehrt, dass
der Verletzte ins Krankenhaus gebracht wird und den Dorfvorsteher bedroht,
ihn ebenfalls zu verprügeln. Mit der Hilfe weiterer Dorfbewohner wurde
Fettah Ülgen dann erst zum Gesundheitsamt und später zum Krankenhaus
gebracht.
Özgür Gündem
vom 03.10.2003
Soldaten erschiessen
Kind
In der Nacht vom 30. September
hatten Soldaten in der Nähe des Dorfes Ücgüzler im Kreis
Caldiran (Van) einen Hinterhalt gelegt, um Schmuggler zu fassen. Sie hielten
eine Gruppe von Dorfbewohnern an, von denen die meisten fortliefen. Nur
Zahir Yilmaz (14) und Seyfettin Kaya (49) stellten sich. In diesem Moment
soll auf Zahir Yilmaz geschossen worden sein. Er verstarb auf der Gendarmeriewache.
Seyfettin Kaya sagte, dass sie sich auf den Weg in den Iran gemacht hätten,
um Heizöl zu holen. Sie hätten die Grenze vielleicht 5 Meter
passiert, weil die Leute aus dem Iran das Heizöl hergebracht hatten.
“Wir beluden unsere Pferde und machten uns auf den Weg ins Dorf. Nach 150
Metern wurden wir von den Soldaten angehalten. Es war um Mitternacht. Sie
forderten uns auf, stehenzubleiben, aber die meisten rannten fort. Die
Soldaten waren ca. 15 Meter von uns entfernt. Zahir und ich hoben die Arme
und sagten, dass wir uns stellen würden. Dennoch wurden wir von drei
Seiten beschossen. Zahir wurde von einer Kugel in den Rücken getroffen.
Wir mussten uns mit dem Gesicht nach unten auf den Boden legen und wurden
mit Stiefeln getreten. Auch Zahir wurde einem Verhör unterzogen, obwohl
er verletzt war. Nach anderthalb Stunden war immer noch kein Fahrzeug da
und ich habe Zahir auf den Rücken genommen, um zum Dorf zu gehen.
Nach 1 Kilometer kam dann ein Jeep und sie haben Zahir zur Wache gebracht.
Dort vergingen noch einmal 40 Minuten, bevor Zahir verstarb.”
TIHV vom 03.10.2003
Verfahren gegen Folterer
Vor der 7. Kammer des Landgerichts
Izmir begann das Verfahren gegen Muhtesem Çavusoglu (ehemaliger
Leiter der Anti-Terror Abteilung in Izmir und jetzt st. Polizeichef von
Aydin) und die Polizeibeamten Mesut Angi, Alim Erçetin und Hürriyet
Gündüz wegen Folter an Mehmet Desde zwischen dem 9. und 13. Juli
2002. Die Angeklagten waren nicht erschienen. Die Verhandlung wurde auf
dem 31. Oktober vertagt. (Ein detaillierter Bericht ist unter www.tuerkeiforum.net/extra/desde.html
zu finden)
Özgür Gündem
vom 03.10.2003
Folterverfahren in Igdir
Vor dem Langericht in Igdir
begann ein Verfahren gegen die Polizeibeamten Turgut Tutar, Hüseyin
Egin, Hasan Korkmaz und die Ärzte Dr. Metin Simsek und Ahmet Babacan,
die trotz offensichtlicher Folter an Mehmet Alp, Levent Tastan, Mehmet
Cirkan, Resul Gür, Erkan Ipek und Salahattin Filizkiran, die am 15.
Februar dieses Jahres festgenommen worden waren, keine Spuren von Schlägen
und Gewalt attestiert hattten. Die Angeklagten waren nicht erschienen.
Unter den Zuschauern gab Osman Ipek an, dass er ebenfalls gefoltert worden
sei. Das Verfahren wurde auf den 16. Oktober vertagt.
Weitere Meldungen (Auswahl
DTF)
Milliyet vom 02.10.2003
Bilanz des Reuegesetzes
Das Integrationsgesetz,
das die AKP Regierung vor 2 Monaten mit dem Ziel verabschiedete, 5.000
Militante der PKK/KADEK “von den Bergen” zu holen, hat nicht den erwarteten
Zuspruch gefunden. Aus den Gefängnissen wurden insgesamt 2.012 Anträge
auf Anwendung des Gesetzes gestellt, während insgesamt 225 Militante
ihre Organisationen verliessen und sich den Sicherheitskäften stellten.
Von den “in den Bergen” aktiven KADEK Militanten haben sich 120 gestellt.
Neben 1.242 Aktivisten der
KADEK haben sich 545 Angehörige der Hizbullah und 123 Angehörige
der DHKP/C gemeldet, um in den Genuss des Gesetzes zu kommen. Die Gesamtzahl
der 2.237 Anträge verteilt sich auf 32 verschiedene Organisationen.
Mittlerweile wurden 767 Organisationsmitgieder freigelassen. Darunter befinden
sich 294 Angehörige der KADEK, 167 von der Hizbullah und 290 von der
DHKP/C. Dazu kommen die Personen, die sich stellten und deswegen straffrei
ausgingen. Das sind bei der KADEK 101, Hizbullah 77 und DKHP/C 5. Anträge
aus den Reihen von radikalen islamischen Organisationen kamen von: Hilafet
Devleti 17, Hizb-ut Tahrir 39, IBDA-C 28, Islami Hareket 14, Islami Cihad
8, Selam Kudüs Ordusu 4, Vasat 13, Tevhid-i Selam 3. Von linken Organisationen
waren es: MLKP 11, TDKP 5, TIKP 4, TKP/ML 5, TIKKO 58, TDP 3, Dev-Sol 11,
Dev-Yol 3, THKP/C 5, Kurtulus 1.
Radikal vom 04.10.2003
Problematische Kinder
Feyzullah Arslan, Sprecher
der obersten Polizeidirektion, gab Zahlen zu problematischen Kindern bekannt.
Demnach lebten im Jahre 2002 insgesamt 864 Kinder unter 11 Jahren auf der
Strasse, in der Altersgruppe zwischen 11 und 18 waren es 1.968. Insgesamt
wurden 12.483 Kinder unter 11 Jahren festgenommen. In der Altersgruppe
zwischen 11 und 18 Jahren waren es 44.002 Kinder. Bei den festgenommenen
Kindern stellte die Polizei in 22.555 Fällen eine Abhängigkeit
von Nikotin, bei 2.661 von Alkohol, bei 2.021 von Klebstoff, bei 354 von
Drogen und 667 eine Abhängigkeit von Pillen fest.
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