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Übersetzungen aus den Tagesberichten
der TIHV
Woche 39/2003
Milliyet vom 20.09.2003
Folterer vom Dienst supendiert
Adil Serdar Saçan,
der ehemalige Direktor für öffentliche Ordnung im Polizeipräsidium
Istanbul, wurde vom Dienst suspendiert, da er Folter geduldet hat. Im Hintergrund
steht die Festnahme von C.A., S,S, und Ö.Ö., die nach der Ermordung
der Studentin Yasemin Durgun im März 2002 vier Tage lang verhört
wurden. Die Staatsanwaltschaft in Beyoglu setzte sie wieder auf freien
Fuss. Im Krankenhaus in Haseki machten die Entlassenen zwar auf Folter
aufmerksam, erhielten aber Bescheinigungen, dass keine Spuren von Gewalteinwirkung
festzustellen waren. Auf Intervention des Anwalts Metin Iriz wurden die
Personen dann von der forensischen Abteilung der medizinischen Fakultät
an der Uni Istanbul untersucht und ihnen wurde attestiert, dass sie gefoltert
worden waren. Nach den Ermittlungen erhob die Staatsanwaltschaft Anklage
gegen 3 Ärzte am Krankenhaus Haseki und 7 Polizeibeamte. Das Verfahren
wird im Dezember vor der 7. Kammer des Landgerichts Istanbul beginnen.
Gegen Adil Serdar Saçan und weitere 25 Beamte wurden die Ermittlungen
eingestellt. Allerdings kam der Disziplinarausschuss im Innenministerium
zu dem Schluss, dass Saçan und Ahmet Ihtiyaroglu die Folter der
ihnen untergeordneten Beamten geduldet hatten und ordnete daher ihre Entlassung
aus dem Dienst an.
Özgür Gündem
vom 23.09.2003
Dorfbewohner kehren zurück
Die Bewohner des Dorfes
Ciglili im Kreis Cukurca (Hakkari), die am 7. September über die Grenze
in den Nordirak gegangen waren, sind wieder zurückgekehrt. Es wurde
berichtet, dass sie sich mit der Gendarmerie verständigten und in
Zukunft weder ihre Wohnungseinrichtung noch ihre Tiere beschlagnamt werden.
Evrensel vom 23.09.2003
Verfahren gegen Angehörige
Vor dem SSG Istanbul ging
ein Verfahren gegen 29 Angehörige von Gefangenen zu Ende, die am 7.
Oktober 2000 vor dem Gmynasium in Galatasaray gegen die Gefängnisse
vom Typ F protestiert hatten. Das Gericht sprach sie aufgrund der Veränderungen
im § 169 TSG frei.
Milliyet vom 23.09.2003
Freispruch für Islamisten
Das SSG Istanbul sprach
11 Angeklagte vom Vorwurf der Mitgliedschaft in der Organisation “Beyiat
El Imam” (Union der Vorbeter) frei. Als Begründung wurde die geänderte
Definition von Terrorismus angegeben. Die Angeklagten Necdet Sinan Kosifoglu,
Salim Özçilenk und Erhan Uysal waren bis zum Freispruch in
Haft gewesen.
Evrensel vom 24.09.2003
Folterverfahren endet
in Freispruch
Vor dem Amtsgericht in Elazig
ging ein Verfahren gegen 7 Polizeibeamte zu Ende, die im August 2002 die
Ärztin Gülistan Ekinci misshandelt haben sollten. Sie war zusammen
mit ihrem Ehemann Mehmet Ekinci in einer Operation gegen die Organisation
Hizbullah festgenommen worden. Ihr Mann wurde später zu 12,5 Jahren
Haft verurteilt. In dem Verfahren gegen die Polizisten Mehmet Ömür,
Zekai Altuntasoglu, Erdal Küçük, Süleyman Erdogan,
Osman Aladag, Serkan Kaygisiz und Ramis Gör lehnte das Gericht Anträge
der Nebenklage auf mehr Zeit ab und sprach die Angeklagten frei.
Radikal vom 24.09.2003
Namensverbot aufgehoben
Obwohl mit dem 6. EU-Anpassungsgesetz
vom Juni 2003 auch das Einwohnermeldegesetz geändert wurde,
wonach Kinder auch nicht-türkische Namen erhalten dürfen,
wurde die Änderung in den vergangenen drei Monaten nicht umgesetzt.
Deshalb wurde jetzt vom Justizministerium, Außen- und Innenministerium
in Zusammenarbeit mit dem EU-Sekretariat ein Runderlass an die Einwohnermeldeämter
vorbereitet, nach dem in Zukunft alle Namen zulässig sind, außer
solchen, die gegen die Moral verstoßen oder nicht dem türkischen
Alfabet entsprechen. Letztere Bedingung führt dazu, dass einige kurdische
Namen ausgeschlossen bleiben, da die Buchstaben q, x und w als dem türkischen
Alphabet als fremd gelten. Damit bleiben beispielsweise folgende kurdische
Namen ausgeschlossen: Hewar, Xezal, Bawer, Berwar, Berxo, Ciwan, Derwes,
Xebat, Welat, Feqi.
TIHV vom 26.09.2003
Freispruch für Mercan
und Dilipak
Die 4. Kammer des Amtsgerichts
in Fatih (Istanbul) hat Ahmet Mercan, Vorsitzender von Mazlum Der in Istanbul
und den islamischen Journalisten Abdurrahman Dilipak im Zusammenhang mit
einer Demonstration gegen die US Intervention im Irak vom 24. Februar freigesprochen.
Im Urteil hiess es, dass die Konditionen der Straftat nicht gegeben seien.
Evrensel vom 26.09.2003
Freispruch für kurdische
Speisen
Das Amtsgericht in Batman
hat Emel Çiftçi, aus dem Vorstand des Kulturzentrums “Bahar”
in Batman freigesprochen. Das Verfahren war eröffnet worden, weil
die Namen einiger Speisen auf einer regionalen Speisen-Show in Kurdisch
geschrieben waren. Das Gericht sah darin keine Straftat.
Weitere Meldungen (Zusammenstellung
vom DTF)
Radikal vom 25.09.2003
Die AKP-Regierung legt
das Projekt „Dorf-Stadt“ ad acta
Die Regierung der Partei
für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) hat vom Projekt der „Dorf-Stadt“
Siedlungen, das dem Ex-Premier Bülent Ecevit besonders am Herzen gelegen
hatte, Abstand genommen. Damit wird ein Kredit in Höhe von 300 Millionen
Dollar, den die Weltbank für das Projekt zur Verfügung gestellt
hatte, fällig. Bei einer erfolgreichen Durchführung hatte die
Weltbank ein Gesamtvolumen von 4 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt.
Die einzige Ansiedlung, die in diesem Zusammenhang in den letzten 5 Jahren
fertiggestellt wurde, ist im Kreis Mesudiye in der Provinz Ordu, wo 9 Dörfer
zusammengefasst wurden und die Infrastruktur sogar die Einrichtung eines
Internet-Cafes einschliesst.
Radikal vom 27.09.2003
Auslieferung von Syrien
und dem Iran
Aus Kreisen der Sicherheitskräfte
wurde bekannt, dass Syrien in diesem Jahr 37 Angehörige der PKK/KADEK
an die Türkei ausgeliefert hat. Vom Iran wurden 9 PKK/KADEK Militante
an die Türkei ausgeliefert.
Radikal vom 24.09.2003
Ararat zensiert
Der umstrittene Film ,Ararat'
des kanadischen Regisseurs armenischer Abstammung Atom Egoyan wurde unter
der Bedingung, dass einige Szenen ausgeschnitten werden, für die Vorführung
in der Türkei zugelassen. Belge Film (Dokumentarfilm), die Firma,
die den Film in die Türkei importiert hat, wird den Film jedoch nicht
in die Kinos bringen, um ihn nicht verstümmelt vorzuführen. Sie
will erneut eine Erlaubnis beantragen, indem sie sich an den Aufsichtsrat
der Filmkontrolle wendet.
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