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Übersetzungen aus den Tagesberichten der TIHV
Woche 30/2003

Özgür Gündem vom 19.07.2003

Folter in der Provinz Ardahan
Mehmet Yesil hat sich beschwert, am 7. Juli auf der Gendarmeriestation Cayirbasi im Kreis Göle in der Provinz Ardahan gefoltert worden zu sein. Mehmet Yesil hatte sich von Igdir auf die Hochweide Yigitkonak aufgemacht, um im Sommer seine Herde zu weiden. Am 5. Juli ging er zur Wache der Gendarmerie in der Nähe der Hochweiden, um sich einschreiben zu lassen. Dabei habe er auf einen Vorfall in der Kreisstadt Göle verwiesen, wo bei einer Vergnügungsfeier die Soldaten einen Jugendlichen verprügelt hatten. Die Soldaten auf der Wacher erklärten ihm, das er das Siegeszeichen (2 Finger für 2 Staaten, DTF) gemacht habe und deshalb verprügelt wurde. Mehmet Yesil sagte weiter: "Ich habe ihnen entgegnet, dass sie dann doch zur Wache hätten bringen sollen, aber Schläge seien nicht richtig. Am 7. Juli bin ich wieder zur Wache gegangen, um meinen Ausweis abzuholen. Der Unteroffizier mit dem Vornamen Cemal beschuldigte mich, dass ich auf dem Festival den Staat beleidigt habe, was ich verneinte. Sie aber sperrten mich in eine Zelle. Erst kam ein Unteroffizier mit Namen Cuma und beschimpfte mich. Dann meinte er, dass ich wohl ein Kurde von der PKK sei und begann mit einem Knüppel zu schlagen. Gegen 6 Uhr am nächsten Tag kam einer anderer Unteroffizier und zog mir ein Bettlaken über den Kopf. Er legte mir Handschellen an und schlug auf mich ein. Ein Unteroffizier mit dem Vornamen Fatih hat mir 5-6 Mal ins Gesicht geschlagen. Dann brachten sie mich zum Gesundheitsamt in Göle, wo ich ein Attest über 5 Tage Arbeitsunfähigkeit erhielt. Danach wurde ich freigelassen." Mehmet Yesil stellte am 9. Juli Strafanzeige.

Özgür Gündem vom 19.07.2003

Polizisten verprügeln Taubstummen
Berichten aus Yüksekova zufolge soll der Taubstumme Esref Oguz am 12. Juli von Polizisten auf offener Strasse verprügelt worden sein. Augenzeugen bestätigten, was er seiner Familie in der Zeichensprache berichtete. Demnach wurde er aus seinem Auto geholt und von drei Polizisten verprügelt, weil er die Frau eines der Polizisten "angequatscht" haben sollte. Er wurde auf das Polizeipräsidium gebracht, aber wieder freigelassen, als sich herausstellte, dass er taubstumm ist. Sein Bruder Zeki Oguz brachte ihn zum Staatskrankenhaus, wo er ein Attest über 10 Tage Arbeitsunfähigkeit erhielt. Mit diesem Attest ging der Bruder dann zum Polizeipräsidium, wo ein Kommissar sie aufforderte, sich zu versöhnen. Das tat er aber nicht, sondern stellte bei der Staatsanwaltschaft Strafanzeige. Nach dem Vorfall soll Esref Oguz unter psychischen Störungen leiden Er soll unmotivierte Schreie ausstossen und wiederholt das Haus verlassen haben, so dass er nun die ganze Zeit unter Aufsicht ist.

Radikal vom 19.07.2003

Folter in Urfa
Die Abgeordneten Ahmet Faruk Önsal (AKP) und Hüseyin Bayindir (CHP) haben als Mitglieder des Menschenrechtsausschusses im Parlament Untersuchungen im Dorf Küpeli des Kreises Bozova (Urfa) angestellt. Der Dorfvorsteher Mehmet Tanriverdi hatte sich an die Kommission mit einem Bericht über Vorfälle bei einer Hochzeitsfeier gewandt. Damals waren Soldaten ins Dorf gekommen, weil angeblich Schüsse bei der Feier abgefeuert worden sein sollten. "Sie befahlen, uns über den Lautsprecher der Moschee, uns auf dem Dorfplatz zu versammeln. Als wir alle auf dem Dorfplatz waren, forderten sie uns auf, unsere Waffen abzugeben. Wir sagten, dass wir keine hätten. Dann befahlen sie uns, uns auf den Boden zu legen. Stundenlang mussten wir so warten, bis alle der Reihe nach in der Schule befragt worden waren. Die Jugendlichen wurden mit Knüppel geschlagen und die Soldaten traten auf uns herum." Sedat Tanriverdi (14) sagte: "Mich schlugen sie in der Schule, als ich sagte, dass ich nicht wisse, wer Schüsse abgefeuert habe. Ich hatte eine gebrochene Nase und zwei gebrochene Finger. Neben mir haben noch weitere 9 Jugendliche ein ärztliches Attest erhalten."

Cumhuriyet vom 19./20.07.2003

Gesetzesänderungen
Staatspräsident Ahmet Necdet Sezer hat die Gesetzesänderungen, die in dem 6. Anpassungspaket enthalten sind, ratifiziert. Das Gesetz mit der Nimmer 4928 trat am 20. Juli durch Veröffentlichung im Amtsblatt in Kraft. Zunächst hatte Sezer die Aufhebung des Artikels 8 aus dem Anti-Terror Gesetz (ATG) abgelehnt und die Änderungen wieder ans Parlament verwiesen. Nun werden die Gefangene, die nach dieser Vorschrift verurteilt wurden, aus der Haft entlassen und die laufenden Verfahren werden eingestellt. Im 6. Paket zur Anpassung an die EU wurden auch der Artikel 1 des 3. Anpassungspakets mit der Nummer 4771 mit Bestimmungen zur Abschaffung der Todesstrafe verändert. Dort war die Todesstrafe aus dem Gesetz Nr. 4533 zum Historischen Nationalpark der Halbinsel Gelibolu vergessen worden. Im 6. Paket ist zudem eine Änderung des Artikels 16/4 aus dem Meldegesetz mit der Nummer 1587 enthalten, die sich auf die Namensgebung bezieht und mit dem es Familien untersagt werden konnte, ihren Kindern kurdische Namen zu geben. Die Vorschrift lautet nun: "Es können (nur) solche Namen nicht erteilt werden, die den moralischen Regeln widersprechen oder die Öffentlichkeit verletzen. Das Kind erhält den Nachnamen des Vaters. Bei unehelichen Kindern erhält das Kind den Nachnamen der Mutter."

Evrensel vom 22.03.2003

Konzerte verboten
Die Landräte von Milas, Fethiye und Datca haben der Musikgruppe "Yorum" Auftritte zwischen dem 23. und 27. Juli untersagt. Als Begründung wurde nur vom Landrat in Fethiye auf das ATG verwiesen. Cumhuriyet meldete am gleichen Tage, das das Verwaltungsgericht in Mugla die Entscheidung des Landrates in Fethiye aufgehoben hat, da der Artikel 8 ATG, auf den er verwiesen hatte, inzwischen nicht mehr in Kraft sei.

Özgür Gündem vom 24.07.2003

Geistig Behinderter erschossen
Am 22. Juli erschossen Soldaten den geistig behinderten Kazim Özgen in der Kreisstadt Derik (Mardin), weil er angeblich Aufforderungen anzuhalten nicht nachgekommen war. Der Ortsvorsteher des Stadtteils Dagpinar, Erdal Özgen berichtete, dass er am Ort des Geschehens die Leiche mit hinter dem Kopf verschränkten Armen vorgefunden habe. Er hatte sich hingekniet. Die Soldaten sagen, dass vom Kontrollturm geschossen wurde, als er nicht anhielt. Der Leichname war ca. 30 Meter vom Kontrollturm entfernt mit dem Rücken zum Turm. Eine Kugel hatte ihn von hinten in den Kopf getroffen."

Özgür Gündem vom 25.07.2003

Politisches Verfahren in Izmir
Vor dem SSG Izmir ging das Verfahren gegen 10 Angeklagte zu Ende, denen eine Verbindung zu der Organisation "Bolschewistische Partei Nordkurdistan/Türkei" zur Last gelegt wurde. Die Angeklagten Mehmet Deste, Maksut Karadag, Hüseyin Habib Taskin, Serafettin Parmak und Mehmet Bakir wurden nach Artikel 7 des ATG wegen Gründung der Organisation zu 50 Monaten Haft und Geldstrafen von je 7 Milliarden TL verurteilt, während die Angeklagten Metin Özgünay, Ömer Güner und Ergün Yildirim als Unterstützer eine Strafe von 10 Monaten Haft und 795 Millionen TL erhielten. Die Angeklagten Hatice Karadag und Fatma Tufaner wurden freigesprochen. Nach der Festnahme im Jahre 2002 hatte Mehmet Deste Vorwürfe erhoben, dass er in den 4 Tagen seiner Polizeihaft gefoltert wurde.

Özgür Gündem vom 25.07.2003

Bombenexplosion
Am 24. Juli fand Erkan Sarihan (14) einen Gegenstand mit Sprengstoff in der Nähe des Dorfes Cepkenli, im Kreis Dogubeyazit (Agri). Als er den Gegenstand untersuchte, explodierte der Sprengstoff. Bei der Explosion soll Erkan Sarihan seine Hände verloren haben.

1. Halbjahr 2003
1. Halbjahr 2004
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1. Halbjahr 2006
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2. Halbjahr 2004
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