|
|
Übersetzungen aus den Tagesberichten
der TIHV
Woche 28/2003
Özgür Gündem vom 07.07.2003
Vorfälle an der iranischen
Grenze
Berichte aus dem Dorf Yukari
Turgali im Kreis Özalp (Van) besagten, dass in den letzten anderthalb Jahren
vier Dorfbewohner von iranischen Soldaten erschossen und fünf Dorfbewohner
verletzt wurden. Bei den Getöteten soll es sich um Celal Tezel (2. Januar
2002), Metin Göngür (11. Januar 2002), Abdulbaki Karagülle (11. Juni 2002)
und Adem Avul (29. Juni 2003) handeln. Die Namen der Verletzten wurden
mit Halis Ak?n, Dilaver Alt?nok, Soner Aykol, Ayhan Avun und Necip Ak?n
angegeben. Abdullah Avul, Vater von Adem Avul, warf den Behörden Untätigkeit
vor. Ein andere Dorfbewohner, Zabit Atay, erhob Foltervorwürfe. Vor 10
Tagen sei er an einen Telefonmast vor der Gendarmeriewache gefesselt worden
und man habe ihm nur gesagt, dass dies auf Befehl des Kommandanten erfolge.
Özgür Gündem vom 07.07.2003
Folter in Uludere
Bewohner des Dorfes Ortaköy
(Arose) im Kreis Uludere (Sirnak) haben Foltervorwürfe erhoben. Die Betroffenen
sind: Kervan Berk (Festnahme am 2. Juli), Fahri Berk, Abdulhaluk Berk und
Tahir Berk (sie waren am 5. Juni festgenommen worden). Kervan Berk berichtete:
?Die Soldaten der Gendarmerie fragten mich nach bestimmten Namen, die ich
nicht kannte. Daraufhin fingen sie an zu schimpfen und schlugen auf mich
ein. Einer von ihnen war der Kommandant Mutlu Zorlu und der andere ein
Unteroffizier mit dem Vornamen Adnan. Der Kommandant verletzte mich mit
dem Gewehrlauf am Kopf und der Unteroffizier trat mich am Hals und am Rücken.
Sie schlugen für mich für ca. 20 Minuten. Dann setzten sie eine Waffe an
meinen Kopf und drohten, mich zu töten, wenn ich keine Namen nennen würde.
Aus Angst habe ich den Namen meines Bruders und von drei Cousins angegeben.
Erst als andere Dorfbewohner kamen, hörten sie mit den Schlägen auf. Sie
nahmen mich mit zur Wache, wo sie nicht schlugen, sondern meine Wunden
mit einer Salbe behandelten. Später wurde ich zur Gendarmeriewache in Gülyazi
gebracht. Nach einem Tag wurde ich von dort zum Gesundheitsamt in Gülyazi
gebracht. Der Arzt wollte Spuren von Folter notieren, aber ein Unteroffizier
bestand darauf, dass die Verletzungen von einem Sturz vom Felsen herrührten.
Dem Staatsanwalt in Uludere habe ich erzählt, was passiert ist und er hat
eine neue Untersuchung angeordnet. Im Staatskrankenhaus von Uludere wurden
9 Schlagwunden festgestellt, die mich 3 Tage lang arbeitsunfähig machen.?
Nach der Freilassung von Kervan Berk wurden die Dorfbewohner Fahri Berk,
Abdulhaluk Berk and Tahir Berk am 5. Juli festgenommen. Daraufhin veranstalteten
die Dorfbewohner einen Protestmarsch zur Gendarmeriewache. Nazim Berk berichtete,
dass die Gendarmerie sie daran hindern wollte. Da sie aber durch Schüsse
in die Luft nicht eingeschüchtert werden konnten, zogen sich die Soldaten
in die Wache zurück und forderten Verstärkung aus Uludere an. Die Aktion
der Dorfbewohner wurde durch die Freilassung der 3 Dorfbewohner beendet.
Özgür Gündem vom 05.07.2003
Folter in Diyarbakir
Die Brüder Recep Dinler
(32), Raif Dinler (29) und Dinçer Dinler (27) haben sich beim IHD Diyarbakir
darüber beschwert, dass sie von Polizisten am 2. Juli verprügelt wurden.
Recep Dinler sagte, dass er auf dem Nachhausewege gegen 0.30 Uhr seinen
angetrunkenen Bruder Raif helfen wollte und dabei beide zu Boden fielen.
Die Polizisten dachten wohl, dass sie einen Streit hätten und begannen,
auf sie einzuprügeln. Da sie sich zur Wehr setzten seien weitere Polizeibeamte
hinzugekommen und dabei sei auch die Mutter, die Schwester und die Tante
verprügelt worden. Er habe sich dann zusammen mit seinem Bruder in einer
stark verschmutzten Zelle wieder gefunden. Als sie um Freilassung baten,
seien sie erneut verprügelt worden. Dabei habe er am Kopf und an der Nase
Wunden erlitten, die genäht werden mussten. Später sei er auf der Polizeiwache
erneut verprügelt worden, so dass die genähten Wunden aufplatzten. Recep
Dinler nannte einen der prügelnden Beamten als Ahmet Yilmaz.
Özgür Gündem vom 05.07.2003
Folterverfahren
Vor der 21. Kammer des Amtsgerichts
Ankara wurde das Verfahren gegen die Polizeibeamten Murat Dedeog(lu, R?fat
Dog(ru, Gürah Ayhan, Atanur Arslan, Erdal S,ims,ek Ahmet Horoz, Tekin Tas,l?ova,
Recep Cömert und Mustafa Usul fortgeführt. Ihnen wird Folter am Studenten
Senol Gürkan im Juni 2001 zur Last gelegt. Senol Gürkan befand sich seinerzeit
6 Tage im Polizeigewahrsam. In der Verhandlung vom 26. Juni sagte er aus,
dass Murat Dedeoglu (dessen Vater in einem Folterverfahren mit Todesfolge
angeklagt ist) und die anderen Beamten ihn gezwungen hätten, sich splitternackt
auszuziehen. Einer von ihnen habe ihm mit Vergwaltigung gedroht. Später
sei er in eine Zelle gebracht, dann aber zu einem ihm unbekannten Ort gebracht
worden. Dort sei er mit Wasser unter Hochdruck insbesondere auf seinen
Penis bespritzt worden. Nach zwei Stunden hätten sie ihn gezwungen, eine
vorbereitete Aussage zu unterschreiben. Des weiteren sei er in seiner Zelle
gezwungen worden, Wasser mit Spülmittel zu trinken.
Radikal/Özgür Gündem vom
05/06.07.2003
Gefechte im Südosten
Nach Information der KADEK
sollen 10 Soldaten bei einem Überfall auf ein Militärfahrzeug in der Nähe
von Sirnak am 2. Juli getötet worden sein. Die Aktion wurde als Vergeltung
für den Tod von zwei Militanten in der Nähe von Siirt am 25. Juni bezeichnet.
Für den Tod eines Militanten bei einem Gefecht in der Nähe der Kreisstadt
Baskale am 13. Juni sein ein Militärfahrzeug am 25. Juni beschossen worden.
Dabei sollen 14 Soldaten getötet worden sein. Der Gouverneur von Tunceli
gab an, dass bei einem Gefecht zwischen den Kreisstädten Ovacik und Hozat
3 KADEK Militante getötet wurden.
Radikal vom 08.07.2003
Lehrerin wieder eingestellt
Die Lehrerin Hülya Akpinar,
gegen die nach einer Veranstaltung zur Armenierfrage am 30. Mai in Elbeyli
(Provinz Kilis) ein Verfahren eröffnet und entlassen worden war, ist als
Lehrerin wieder eingestellt worden. Dies verfügt der Gouverneur Tevfik
Bas,akar, damit die Lehrerin nicht unnötig ?leiden? muss. Das Verfahren
gegen sie und sechs KollegInnen geht vor dem Amtsgericht in Kilis weiter.
Yeni Safak vom 09.07.2003
Überfall in Tunceli
Auf der Strecke zwischen
Tunceli und Pülümür wurde der Konvoi des Gouverneurs Cafer Akyüz von bewaffneten
Militanten angegriffen. Bei dem Gefecht mit begleitenden Soldaten wurden
zwei Soldaten getötet und einer verletzt. Der Gouverneur blieb unverletzt.
Bei den Militanten soll es sich um Angehörige der KADEP handeln.
Özgür Gündem/Yeni Safak vom
09.07.2003
Gefechte bei Tunceli
Der Soldat Burhan Karatas,
der bei einem Gefecht in der Provinz Tunceli am 5. Juli verletzt worden
war, verstarb im Krankenhaus. Von der KADEK verlautete, dass bei dieser
Aktion als Vergeltung zum Tod des Militanten ?Ferhat? drei Soldaten getötet
und 7 Soldaten verletzt wurden.
Özgür Gündem vom 11.07.2003
IHD?ler bedroht
Hüsnü Öndül, der Vorsitzende
des IHD, gab auf einer Pressekonferenz bekannt, dass Ridvan Kizgin, der
Vorsitzende der Zweigstelle in Bingöl, Drohungen erhalte. Er sei am 8.
Juli gegen 22.30 Uhr von einer Person, die sich als Gendarmeriekommandant
bezeichnete, auf dem Handy angerufen und zu einer Unterredung geladen worden.
Ridvan Kizgin habe abgelehnt, da er keine Veranlassung sah, die Berichte
der Zweigstelle zu Menschenrechtsverltzungen zu korrigieren. Am nächsten
Morgen habe er weitere Drohungen von einem Obergefreiten aus der Kommandantur
erhalten. Der IHD hat sich an verschiedene Ministerien, die oberste Kommandantur
der Gendarmerie und den Menschenrechtsausschuss im Parlament gewandt, um
den Vorfall zu klären.
Özgür Gündem vom 11.07.2003
Folter in Van
Bei einer Demonstration
gegen die Festnahme von Mitgliedern der demokratischen Jugend-Plattform,
die nach Ankara fahren wollten, um Unterschriftenlisten abzugeben, griff
die Polizei in Van am 9. Juli die DemonstrantInnen an. Die DemonstrantInnen
versuchten zu fliehen, aber Faysal Yacan wurde von den Beamten gefangen.
Er sagte danach: ?Sie schlugen auf mich mit Gewehrkolben und Knüppel ein.
Einer meinte, man solle mich erschiessen. Ein anderer sagte, dass es schade
um die Kugel sei, denn ich sei schon tot. Dann banden sie mich an einen
Panzer. Ich erinnere mich, dass ich mindestens 100 Meter hinter dem Panzer
hergeschleift wurde. Sie haben mich als ?tot? liegengelassen.?
|