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Übersetzungen aus den Tagesberichten
der TIHV
Woche 27/2003
Özgür Gündem vom 30.06.2003
Schläge in Ankara
Ümit Göksu, im Vorstand
des Hilfs- und Solidaritätsvereins für Gefangene (THYD-DER), Vedat Yavuz,
Siwan Ahmet Bozkurt und Aydin Çelik teilten mit, dass sie am 26. Juni von
Polizisten in Altindag (Ankara) geschlagen wurde. Göksu schilderte: ? Wir
waren auf dem Weg zu unserem Auto, als und 10-15 Polizisten den Weg versperrten.
Vor den Augen unserer Frauen schlugen sie uns und zwangen uns, uns auf
dem Boden zu legen. Wir wurden zur Polizeiwache in Altindag gebracht. Fort
wurden wir der Reihe nach durchgeprügelt. Zwischen 1.30 und 2 Uhr in der
Nacht haben sie unsere Aussagen aufgenommen. Danach schlug uns jemand,
der sich als Chef der Wache vorstellt. Er sagte: ?Ich bin Boxer, kennt
ihr mich nicht.? Dann schlug er uns mit der Faust vor allem in die Magengegend.
Er drohte, dass er uns arbeitslos machen könne. Als er erfuhr, dass wir
vorwiegend aus Erzurum und Tunceli kommen, schlug er uns noch mehr. Gegen
7 Uhr wurden wir zur Gerichtsmedizin gebracht.? Göksu sagte, dass 3 von
ihnen dort ein Attest erhielten, aus dem hervorging, dass sie geschlagen
worden waren. Er und die anderen wollen Strafanzeige gegen die Polizisten
stellen.
Radikal vom 28.06.2003
Verfahren gegen Folterer
Vor der 10. Kammer des Amtsgerichts
in Ankara ging das Verfahren gegen die Polizeibeamten Sefa Sevim und Ergün
Ates zu Ende. Sie waren beschuldigt worden, den Studenten Veli Kaya bei
einer Demonstration am 6. November 2002 gegen das Hochschulgesetz in einen
Keller gezerrt und dort verprügelt zu haben. Das Gericht verurteilt sie
wegen Misshandlung (§ 245 TSG) zu einer Haftstrafe von 6 Monaten. Die Strafe
wurden auf 5 Jahre zur Bewährung ausgesetzt.
Özgür Gündem vom 01.07.2003
TV Sendung Verboten
Der Hohe Rat für TV und
Radio (RTÜK) hat dem Sender Gün TV, der in Diyarbakir ausstrahlt, für 30
Tage die Ausstrahlung von Sendungen verboten. Das Verbot wurde damit begründet,
dass die Nachrichten zwischen dem 5. Januar und 23. Februar exakt den Nachricht
des aus dem Ausland ausgestrahlten Sender Medya TV entsprochen habe. Gün
TV war zuvor schon lange Zeit nicht mehr auf Sendung gewesen und hatte
sein Programm am 27. Mai wieder aufgenommen. In Van wurde dem lokalen TV
Sender Cinar TV das Ausstrahlen von Sendungen auf 30 Tage verboten, weil
der Sender Erklärungen von Abdülmelik Firat (Vorsitzender der Partei für
Rechte und Freiheiten (HAK-PAR) ausgestrahlt hatte. Die Ansichten des Herrn
Firat sollen die Bevölkerung zu Feindschaft aufgewiegelt haben.
Cumhuriyet vom 01.07.2003
Das 6. Anpassungspaket
Staatspräsident Ahmet Necdet
Sezer hat sich gegen die Streichung des Artikel 8 aus dem Anti-Terror Gesetz
(ATG) ausgesprochen. Dies ist ein Bestandteil des 6. Anpassungspakets für
den Beitritt zur EU, das im Parlament verabschiedet wurde. Nach Ansicht
von Ahmet Necdet Sezer (der als Vorsitzender des Verfassungsgerichts übrigens
eine andere Meinung vertreten hatte, DTF) sei die Streichung des Artikels
in Bezug auf die unteilbare Einheit des Staates mit seinem Land und seiner
Nation bedenklich. Sezer schlug stattdessen eine engere Fassung des Artikel
8 vor, damit kein Widerspruch zum Artikel 10 der Europäischen Menschenrechtskonvention
auftrete.
Özgür Gündem vom 01.07.2003
Jugendlicher erschossen
Berichte aus Van gaben an,
dass in der Nähe des Dorfes Asagi Turgali im Kreis Özalp iranische
Soldaten Adem Avul (16) erschossen haben. Die Dorfbewohner behaupteten
ferner, dass im vergangenen Jahr Abdulbaki Karagüller (37), Metin Güngör
(17) und Celal Tezgel (30) als Schmugglern von iranischen Soldaten getötet
wurden.
Özgür Gündem vom 02.07.2003
Kurdischunterricht
Das SSG Van hat 700 Studenten
vom Vorwurf der Unterstützung einer bewaffneten Bande freigesprochen worden.
Sie waren angeklagt worden, nachdem sie am 9. Januar 2002 Petitionen an
den Rektor der 100 Jahre Universität mit der Bitte um Kurdisch als Wahlfach
übergeben hatten. Danach waren 26 StudentInnen von der Uni entfernt, 16
für ein Jahr, 17 für ein Semester und 138 für eine Woche vom Unterricht
ausgeschlossen worden. Ihr Widerspruch vor dem Verwaltungsgericht in Van
war erfolgreich. Von den Angeklagten hatten 13 StudentInnen 6 Monate in
U-Haft verbracht.
Yeni Safak vom 03.07.2003
Piskinsüt freigesprochen
Die 21. Kammer des Amtsgerichts
in Ankara hat Sema Piskinsüt, jetzt Vorsitzende der Gesellschaftlichen
Demokratiepartei (TDP) in der ersten Verhandlung freigesprochen. Sie war
angeklagt worden, weil sie als Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses
im Parlament der Staatsanwaltschaft nicht die Namen von Folteropfern mitgeteilt
hatte, mit denen Mitglieder der Kommission gesprochen und deren Vorwürfe
in Berichten der Kommission wiedergegeben wurden.
Milliyet vom 03.07.2003
Fernsehsender bestraft
RTÜK hat den Fernsehsendern
Star, Starmax, Kanal 6, Star 6, Heyecan TV und Footgol Star 8 das Ausstrahlen
von Sendungen für 30 Tage verboten. Grund war die Wiedergabe einer Rede
von Cem Uzan, Vorsitzender der Jungen Partei, in Bursa, in der er den Ministerpräsidenten
Recep Tayyip Erdogan beleidigt haben soll. Von anderen Sendern, die aus
der Rede zitierten, Flash TV, Habertürk, Star 4, Star 5, Star 7 und Nev
TV hat RTÜK eine Stellungnahme verlangt.
Radikal vom 04.07.2003
Kurdische Sendungen
Die 10. Kammer des Obersten
Verwaltungsgerichts hat eine vorläufige Anordnung erlassen, nach der der
staatliche Fernseh- und Radiosender TRT nicht die Vorschriften des Erlasses
zum Ausstrahlen von Sendungen in kurdischer Sprache erfüllen muss. TRT
hatte gegen die Auflagen Widerspruch mit der Begründung eingelegt, dass
erst das TRT Gesetz geändert werden müsse, bevor ein solcher Erlass Wirkung
habe. Der Erlass war am 18. Juni 2002 im Amtsblatt veröffentlicht worden.
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