Wochenberichte
Sonderberichte
Deutsch English Türkçe
Startseite
Kurzmeldungen
Presseschau
Hintergrund
Archiv
Kontakt
zurück
Übersicht
vor

Übersetzungen aus den Tagesberichten der TIHV
Woche 25/2003

Radikal vom 16.06.2003

Folter und Vergewaltigung in Istanbul
Gülbahar Gündüz (31), die in der Frauenabteilung der DEHAP in Istanbul aktiv ist, hat angegeben, dass sie in der Nacht des 14. Juni von vier Personen, die sich als Kriminalbeamte ausgaben, entführt, vergewaltigt und gefoltert wurde. Auf einer Pressekonferenz beim IHD Istanbul sagte sie am 15. Juni: ??Als ich gegen 9 Uhr durch die Unterführung bei Sarachane ging, griffen plötzlich zwei Männer von hinten meine Hände. Einer hielt mir die Augen. Sie zwangen mich in ein Auto. Ich bin ohnmächtig geworden und fand mich später in einem kleinen, sehr heissen Zimmer mit einer Pritsche. Meine Augen waren verbunden, so dass ich die vier Männer nicht sehen konnte. Sie bedrohten mich und wollten wissen, warum die Frauen bei den Aktionen für eine Generalamnestie die Hauptrolle spielten. Meine Freunde sollten doch jetzt kommen und mich retten. Die Männer haben mich oral vergewaltigt, sie haben mich gefoltert und Zigaretten auf meinem Körper ausgedrückt. Sie schlugen mich mit einem harten Gegenstand auf den Kopf und haben mit einem Metallgegenstand meine Haut aufgeritzt. Später musste ich zwei Stockwerke hochgehen. Dort haben sie mich in eine Fahrzeug gesetzt und mich an der Autobahn bei Gaziosmanpasa wieder rausgelassen.? Im Krankenhaus von Haseki erhielt Gülbahar Gündüz ein Attest, in dem Schnittwunden auf den Rücken, am linken und rechten Bein und am Hals festgestellt wurden.

Evrensel vom 14.06.2003

Folter in Hani
Die Diskussion um die Folter der Kinder B. Dokuz (15) und M. Okcu (14) am 23. April im Kreis Hani (Diyarbakir) dauert an. Der Vater Mahmut Dokuz soll am 5. Juni zur Staatsanwaltschaft in Hani gegangen sein und angegeben haben, dass der Anwalt Zülfü Dündar nicht mehr ihr Vertreter sei. Er habe dabei behauptet: ?Ich verstehe diesen Anwalt nicht. Er ruft permanent bei uns an und belästigt uns. Ich habe mit meinem Sohn gesprochen und er hat mir alles erzählt. Es gab keine Misshandlung. Die Journalisten haben ihm Sachen versprochen und ihn überlistet. Ich denke, dass der Anwalt Reklame für sich machen will. Wir haben keine Strafanzeige gestellt, weil es dazu keinen Anlass gibt?. Die Staatsanwaltschaft schickte den Antrag des Vaters zur Anwaltskammer in Diyarbakir, um den Anwalt von seinem Mandat zu entbinden. In der Antwort der Anwaltskammer wurde darauf hingewiesen, dass der Kollege sich sowohl nach nationalem wie auch internationalem Recht korrekt verhalte und eine Strafanzeige wegen Folter und Misshandlung gestellt habe, nachdem er davon erfahren habe. Der Anwalt M. Zülfü Dündar werde die Sache auch weiterhin verfolgen.

Özgür Gündem vom 14.06.2003

Folterverfahren
Vor der 4. Kammer des Landgerichts in Istanbul begann ein Verfahren gegen die Polizeibeamten Ömer Özüyilmaz, Ömer Faruk Albayrak, Feyzullah Ilker Serdar und Özkan Ekinci. Sie sollen Sunay Yesildag und Naciye Cogaltay gefoltert haben, die am 23. September 2002 als vermeintliche Mitglieder der KADEK festgenommen worden waren. Die Angeklagten waren nicht erschienen. Von den Geschädigten sagte Sunay Yesildag aus: ?Ich wurde an einen mir unbekannten Ort gebracht. Es war dort dunkel und gab keine Fenster. Wir wurden gezwungen, auf einem Bein zu stehen und mussten Liegestütze machen. Sie zogen mir die Haare einzeln aus. Sie schlugen mich mit offener Hand auf die Brust und den Kopf, so dass ich Kopfschmerzen bekam und blaue Flecken an der Brust hatte. Sie zogen uns splitternackt aus und bespritzten uns mit Wasser unter Hochdruck. Im nackten Zustand wurden wir auch auf andere Weise gefoltert. Die geschah teilweise bei verbundenen und teilweise bei nicht verbundenen Augen. Als ich nackt war, haben mich 10-11 Leute betatscht. Sie haben mich auch mit ihren Penissen berührt. Sie waren drauf und dran, mich zu vergewaltigen. Aber hauptsächlich drohten sie mit Vergewaltigung. Sie beschrieben, wie sie andere Menschen vergewaltigt hatten. Sie erteilten häufig Elektroschocks. Dabei fragten sie einen, den sie Doktor nannten, wie die die Elektroschocks verabreichen sollten. Sie spuckten mir in den Mund und erlaubten nicht, dass ich es wieder ausspuckte.? Der vorsitzende Richter fragte, ob die Geschädigte die Polizeibeamten identifiziert habe. Sie sagte darauf, dass es keine Gegenüberstellung gab, sie aber die Folterer erkennen würde. Einer von ihnen sei vor dem Gerichtssaal. Des weiteren führte Sunay Yesildag aus, dass die Polizisten sie verfolgten. Naciye Cogaltay sagte aus, dass die Polizisten sie zu einer Tankstelle gebracht und ihr gedroht hätten, dass sie sie in Brand stecken würden. ?Ich erfuhr erst auf der Wache, dass ich als Mitglied einer Organisation beschuldigt werde. Ich sollte Personen, die ich nicht kannte, beschuldigen. Als ich das ablehnte, begann die Folter. Sie behaupteten, dass sie machen könnten, was sie wollten, weil ich nichts beweisen können und der Staatsanwalt und Richter genau so denken wie sie. Als sie erzählten, wie sie andere Leute vergewaltigt hatten, haben sie mir gedroht, mich mit dem Schlauch oder Knüppel zu vergewaltigen. Ich war aufgrund der Folter 2 Tage im Koma.? Naciye Çogaltay sagte des weiteren, dass sie 2 Folterer im Gerichtsgebäude gesehen habe. Das Verfahren wurde auf den 21. Oktober vertagt.

Evrensel vom 15.06.2003

Radiosendung verboten
Der Hohe Rat für Radio und TV (RTÜK) hat dem Sender ?Radyo Dünya?, der in Adana ausgestrahlt wird, einen Monat Sendeverbot auferlegt. Grund dafür war das Programm mit dem Titel ?Geschichte der kurdischen Sprache und Literatur? und kurdische Musiktitel. Das Verbot tritt am 10. Juli in Kraft. Dem Sender war im vergangenen Jahr schon ein Verbot auferlegt worden, aber die 5. Kammer des Verwaltungsgerichts in Ankara hatte diese Strafe aufgehoben.

Yeni Safak vom 14.06.2003

Kurdischer Name abgelehnt
Das oberste Verwaltungsgericht (Danistay) hat den Antrag von Turabi Sen, der sein Kind Laser Rodi nennen wollte, abgelehnt. Das Einwohnermeldeamt in Elazig hatte seinen Antrag abgelehnt, woraufhin der Vater erst beim Verwaltungsgericht in Elazig klagte und nachdem dort die Klage angewiesen wurde, vor das oberste Verwaltungsgericht ging.

Özgür Gündem vom 16.06.2003

Extra-legale Hinrichtung
In einer Erklärung von KADEK wurde darauf hingewiesen, dass Ali Keles. Vorsteher des Dorfes Dösekkaya im Kreis Genc (Diyarbakir) nicht von Militanten der KADEK sondern von Soldaten ermordet wurde. Ali Keles war am 9. Juni erschossen worden.

TIHV vom 17.06.2003

Disput um entlassene Häftlinge
Im Zusammenhang mit einem Bombenattentat auf die Zeitung ?Star? in Izmir vom 14. Juni sollen im Kreis Kusadasi (Izmir) Sami Özbil (25) und Ibrahim A. (23) als Täter und vermeintliche Mitglieder der MLKP festgenommen worden sein. Zaman berichtete, dass Sami Ö. ein Mitglied der TKEP-L sei, der zu lebenslanger Haft verurteilt wurde und wegen angegriffener Gesundheit befristet aus der Haft entlassen wurde, aber nicht wieder im Gefängnis erschien und deshalb gesucht werde. Schon in der vergangenen Woche hatte Zaman berichtet, dass die Gefangenen, die angeblich am Wernicke-Korssakoff Syndrom litten, in Wahrheit gesund seien und nach der Haftentlassung, die vom Staatspräsidenten Ahmet Necdet Sezer angeordnet werde, wieder als Militante aktiv würden.

Evrensel vom 17.06.2003

DHKP/C Angehörige erschossen
In einer bewaffneten Auseinandersetzung in der Nähe des Dorfes Yuvacik im Kreis Resadiye (Tokat) sollen 2 Militante der DHKP/C ermordet worden sein. Die Namen wurden mit Ipek Yücel und Metin Keskin angegeben. Im Kreis Genc (Bingöl) sollen zwei KADEK Militante bei einer Auseinandersetzung getötet worden sein. Cumhuriyet meldete am 20.06. dass die Getöteten Engin Çinkir und Çetin Kaçar seien.

Özgür Gündem vom 19.06.2003

Dorfbewohner ermordet
Am 17. Juni wurde Mehmet Kalabay (55) aus dem Dorf Bayirdizi im Kreis Hazro (Diyarbakir) von unbekannten Personen ermordet. Er soll gegen 21 Uhr von 3 Personen in Soldatenuniform und im Besitz von Sprechfunkgeräten aus seinem Haus geholt worden sein, um ihnen den Weg zum Dorf Salat zu zeigen. Seine Leiche wurde ausserhalb seines Heimatdorfes gefunden.

Milliyet vom 19.06.2003

Gülderen Baran amnestiert
Staatspräsident Ahmet Necdet Sezer hat eine Amnestie für Gülderen Baran angeordnet. Sie war 1995 als Mitglied der TDP festgenommen und später zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Aufgrund von Folter in der Polizeihaft kann sie ihre Arme nicht mehr benutzen. Das Verfahren gegen 5 Polizeibeamte war am 12.02.2002 wegen Verjährung eingestellt worden.

Özgür Gündem vom 19.06.2003

IHD Diyarbakir angeklagt
Die Staatsanwaltschaft in Diyarbakir hat die Vorstandsmitglieder des IHD, Selahattin Demirtas, Muharrem Erbey, Ayla Akat, Abdulkadir Aydin, Nesip Gültekin, Metin Aslan und Pirozhan Dogrul angeklagt, weil sie vor der Veröffentlichung des Menschenrechtsberichts im April der Staatsanwaltschaft kein Exemplar zur Verfügung gestellt und damit gegen Artikel 82 des Vereinsgesetzes mit der Nummer 2908 verstossen haben sollen. Der Vorsitzende Selahattin Demirtas sagte, daß der Verein mehr als 100 solcher Berichte verfasst habe und es bislang nicht zu einem solchen Verfahren gekommen sei.

Milliyet vom 19.06.2003

Ermittlungen wegen Fliegengitter
Die Staatsanwaltschaft in Hakkari hat Ermittlungen wegen der Verwendung von Fliegengitter bei der Dekoration des Theaterstückes ?Gavara? angestrengt. Der Regisseur Mahir Günsiray sagte aus, dass er und die Spieler deswegen am 18. Juni eine Aussage machen mussten, wobei sich der Vorwurf auf das Aufhängen einer Flagge mit den Farben rot-grün und gelb bezog. Der Staatsanwalt habe nicht akzeptiert, dass alle Personen gemeinsam das Fliegengitter aufgehängt hätten. Am Ende bekannten sich dann Mahir Günsiray, Güven Ince und Ece Eroglu dazu, das Fliegengitter aufgehängt zu haben. Der Gouverneur von Hakkari, Kazim Özsoy, sagte, dass das Stück nicht verboten sei. Die Polizisten hätten lediglich das Fliegengitter aufgrund der Farben beschlagnahmt.

TIHV vom 20.06.2003

Mitarbeiter verurteilt
Die 4. Kammer des Landgerichts Izmir hat am 19. Juni Dr. Alp Ayan, Mitarbeiter des TIHV in Izmir, und den Gewerkschafter Mehmet Barindik wegen einer Presseerklärung vom 13. Januar 2001 zu den Gefängnissen vom Typ F und der Operation gegen Gefängnisse vom Dezember 2000 verurteilt. Dr. Alp Ayan erhielt eine Haftstrafe von 1 Jahr und 1 Tag und Mehmet Barindik wurde zu einem Jahr Haft verurteilt. Damit bestand das Gericht auf dem Urteil vom 10.06.2002. Der Kassationsgerichtshof hatte das Urteil wegen Änderungen am § 159 TSG aufgehoben und das Verfahren gegen Abdülbari Yusufoglu, der am 20. September 2002 aufgrund des Todesfastens verstorben war, eingestellt.

Özgür Gündem vom 20.06.2003

Zeitungsverteiler bedroht
Süleyman Özmen, der in Malatya die kurdische Zeitschrift Azadiya Welat verteilt, gab an, dass er am 18. Juni von Polizeibeamten in einem Auto entführt und 20 Kilometer ausserhalb von Malatya bedroht wurde. Die Beamten hätten ihm eine Pistole ins Genick gehalten und zwei Mal abgedrückt, aber ohne Munition. Sie hätten auch in die Luft geschossen und gedroht, ihn zu ermorden, wenn er weiter die Zeitschrift verteile. Dann hätten sie ihn in der Nähe eines Dorfes aus dem Auto gelassen. Süleyman Özmen sagte ferner, dass er schon zwei Mal vorher entführt und bedroht wurde.

1. Halbjahr 2003
1. Halbjahr 2004
1. Halbjahr 2005
1. Halbjahr 2006
2. Halbjahr 2003
2. Halbjahr 2004
2. Halbjahr 2005
2. Halbjahr 2006

Sitemap Impressum Webmaster powered by Syncope