Übersetzungen
aus den Tagesberichten der TIHV
Woche 19/2003
Milliyet vom 03.05.2003
Begnadigung von Hasan Basri Aydin
Staatspräsident Ahmet Necdet Sezer
hat den penionierten Lehrer Hasan Basri Aydin (70) aus Gesundheitsgründen
begnadigt. Herr Aydin war wegen verschiedenen Kommentaren in Zeitungen
mehrfach wegen Beleidigung der Staatsautorität angeklagt worden und von
der 6. Kammer des Landgerichts in Istanbul am 15.03.2002 zu einer Gesamtstrafe
von 40 Monaten verurteilt worden. Er befand sich seit dem 12. November
2002 in Haft. Neben einer Verstopfung der Adern soll er im rechten Bein
gelähmt sein.
Özgür Gündem vom 03./04.05.2003
Druck auf DEHAP
Sidika Deniz von der DEHAP in Sehitkamil
(Antep) sagte, dass sie nach einem Gefängnisbesuch am 1. Mai von Gendarmen
festgenommen und über drei Stunden lang verhört wurde. Sie sei auf der
Anti-Terror Abteilung unter Druck gesetzt worden, aus der DEHAP auszutrete
und man habe sie nach Informationen über die Mitglieder ausgefragt. Im
Kreis Gevas (Van) gab Ercan Ergenc an, dass er an der ausgeschriebenen
Lieferung von Gemüse an die Wache der Gendarmerie nicht teilnehmen konnte,
weil er Mitglied bei DEHAP sei. Der Kommandant der Wache habe ihm vorgehalten,
dass er bei der Videoüberwachung von Demonstrationen festgestellt habe,
dass die ganze Familie sich an Protesten beteilige und er befürchte, dass
der Verdienst in Waffen gegen den Staat umgesetzt werden könnten.
Özgür Gündem vom 06.05.2003
Journalist verurteilt
Am 5. Mai wurde in 5 Verfahren gegen
Sinan Kara, Besitzer der Lokalzeitung ?Datca Haber?, vor dem Amtsgericht
in Datca (Mugla) verhandelt. In einem Artikel zur Baufirma Meka soll er
den Besitzer bedroht haben. Deshalb wurde er zu einer Haftstrafe von 1
Jahr und einer Geldstrafe von 362 Millionen TL verurteilt. Da er die Zeitung
nach einem Verbot wieder herausgegeben hatte, wurde er zu einer Geldtsrafe
von 20 Milliarden TL verurteilt. Im Verfahren wegen fehlender Anschrift
wurde er freigesprochen. Zwei weitere Verfahren wurden vertagt.
TIHV vom 06.05.2003
Überfall auf IHD in Ankara
Die Zentrale und Zweigstelle des IHD
wurden heute auf Anordnung des Staatsanwaltes an der 2. Kammer des SSG
Ankara vom 29.04.2003 mit der Nummer 2003/447 durchsucht. Nachdem der Staatsanwalt
Cengiz Köksal in der Zentrale angekommen war, wurden viele Dokumente und
die Computer beschlagnahmt. Das Gleiche geschah in der Zweigstelle, zu
der die Beamten und der Staatsanwalt im Anschluss gingen. Der Vorsitzende
der Zweigstelle, Ender Büyükçulha, sagte, dass sie lediglich informiert
wurden, dass Ermittlungen nach § 312 TSG geführt würden, ihnen aber nicht
gesagt wurde, auf welches Ereignis sich das beziehe.
Yeni Safak vom 07.05.2003
Fikret Baskaya angeklagt
Gegen den Schrifstseller Fikret Baskaya
wurden zwei Verfahren eröffnet, eines im Zusammenhang mit seinem Buch ?Die
Pleite des Paradigmas ? Einfühührung in die Kritik der offiziellen Ideologie?
und eines wegen eines Artikels aus dem Jahre 1993. Das Buch hatte schon
zu einem Verfahren geführt, in dem Fikret Baskaya am 16. August 1993 vom
SSG Istanbul zu einer Haftstrafe von 20 Monaten und einer Geldstrafe von
42 Millionen TL verurteilt worden war. Selim Okçuoglu, der Besitzer des
Verlages Doz, war zu 5 Monaten Haft und einer Geldstrafe von 41 Millionen
TL verurteilt worden. Nachdem der Kassationsgerichtshof das Urteil am 22.12.1993
bestätigt hatte, war Fikret Baskaya am 18. März 1994 ins Gefängnis gekommen.
Er wurde am 14. Juni 1995 wieder aus der Haft entlassen. Das Verfahren
vor dem Europäischen Menschenrechtsgerichtshof endete mit der Zahlung einer
Abfindung an Baskaya im Jahre 1999. Das erneute Verfahren soll am 3. Juni
vor dem SSG Ankara beginnen. Nach Auskunft von Baskaya wurde es eröffnet,
weil das Buch in Neuauflage erschien. Ihm wirde Sepratismuspropaganda zur
Last gelegt. In einem weiteren Verfahren wird sich Fikret Baskaya wegen
eines Artikels vom 12.07.1993 verwantworten müssen. Er hatte sich darin
zu dem Massaker von Sivas geäussert. Das Verfahren wurde nach § 159 TSG
eröffnet und beruht auf einem Buch mit dem Titel ?Gegen den Strom?. Das
vor vier Jahren erschienene Buch ist mittlerweile in der 3. Auflage erschienen.
Cumhuriyet vom 07.05.2003
Polizisten verurteilt
Vor der 2. Kammer des Amtsgerichts
in Istanbul ging ein Verfahren gegen 4 Polizisten zu Ende. Der Journlist
Abdurrahman Dilipak hatte sich über ihren Einsatz bei einem Protest gegen
die Nichtzulasung von Studentinnen mit Kopftüchern vor der Uni Bogazici
im Oktober 2001 beschwert. Das Gericht verurteilte die Beamten wegen Amtsmissbrauch
zu iner Haftstrafe von 6 Monaten. Die Strafen wurden in Geldstrafen umgewandelt
und zur Bewährung ausgesetzt.
Özgür Gündem vom 09.05.2003
Tod von Kindern im Dorf Esenyamaç
Gegen die Dorfbewohner Abdulhekim
Çeri, Süleyman Çeri, Ayhan Korkmaz, Ensar Toprak, Mehmet Parlak und Sahyeddin
Ugur wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, weil sie nach dem Tod
der Kinder Dastan Korkmaz und Nihat Ceri am 5. April im Dorf Esenyamaç
des Kreises Baskale (Van) eine Demonstration gegen den Kommandanten der
Gendarmeriewache gemacht haben sollen. In der Vernehmung durch den Staatsanwalt
seien sie vor allem gefragt worden, warum sie die Presse unterrichteten.
Der Landrat von Baskale Mustafa Cöggün hat sich unterdessen bei der Zeitung
Özgür Gündem über den Artikel vom 9. April beschwert und behauptet, dass
darin die Soldaten verumglimpft worden seien. Einer Delegation des IHD,
Mazlum-Der und der Anwaltskammer Van hatte der ermittelnde Staatsanwalt
Ilyas Yavuz berichtet, dass neben den Leichen der Kinder Teile von Munition
eines Raketenwerfers gefunden wurden. Es soll auf der Gendarmeriewache
aber keinen Raketenwerfer geben.
Hürriyet vom 09.05.2003
Massaker von Sivas
Inzwischen hat sich herausgestellt,
dass sich die Angeklagten aus dem Verfahren zum Massaker in Sivas, Adem
Agbektas, Adem Bayrak, Mehmet Yilmaz, Sedat Yildirim, Hayrettin Gül und
Etem Ceylan, die in dem Verfahren zu Freiheitsstrafen verurteilt wurden,
in Deutschland aufhalten. Im Falle von Adem Agbektas und Etem Ceylan sollen
Klagen gegen die Ablehnung ihrer Anträge auf Asyl anhängig sein; die Asylbegehren
von Bayrak, Yilmaz und Yildirim wurden abgelehnt und Gül befindet sich
in Abschiebehaft.