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Übersetzungen aus den Tagesberichten der TIHV
Woche 04/2003

Radikal vom 18.01.2003
Abfindung für ungerechte Haft
Das 2. Strafgericht von Mersin sprach dem Gewerkschafter Mithat Fahriogullari eine Abfindung von 13,7 Milliarden TL (ca. 8000 EUR) zu, weil er nach als Organisator des Newroz-Festes 116 Tage in Haft verbracht hatte, ohne dass es zu einer Anklage kam.

Atilim vom 21.01.2003
Urteil im MLKP Verfahren
Das SSG Ankara sprach am 16 Januar sein Urteil in einem Verfahren mit 23 vermeintlichen Anhängern der MLKP. Münevver Iltimur (von Atilim in Ankara), Arif Dönmez, Ekrem Erdil, Sule Eylem Erdogan, Elvan Kelebek, Mustafa Naki Dogan, Celal Yesilyurt, Erol Dogan und Sirin Gürkan wurden wegen Unterstützung einer bewaffneten Bande nach § 169 TSG zu je 45 Monaten Haft verurteilt. Der ehemalige Verteiler von Atilim, Hüseyin Ögretmen erhielt eine Strafe von 13,5 Monaten Haft. 13 Angeklagte wurden freigesprochen. Am gleichen Tage verurteilte das SSG Ankara den Studenten Onur Gülbudak zu 45 Monaten Haft. Er soll die TIKKO unterstützt haben.

Cumhuriyet vom 22.01.2003
Das Manisa Verfahren
Der Oberstaatsanwalt am Kassationsgerichtshof hat bei der 8. Kammer die Bestätigung des Urteils vom Strafgericht in Manisa vom 16.10.2002 gefordert. Dort waren die für die Folter an den Jugendlichen von Manisa verantwortlichen Polizisten zu Strafen zwischen 5 und 10 Jahren Haft verurteilt worden.

Özgür Gündem vom 22.01.2003
Tod im Gefängnis
Auf einer Pressekonferenz im IHD Istanbul sage Celal Sakyen, dass sein Bruder Erdal Sakyen am 26. Dezember sich mit dem Bettlaken im Nervenkrankenhaus von Elazig aufgehängt habe. Er sei seit 1993 wegen Mitgliedschaft in der PKK im Gefängnis gewesen und habe noch 8 Monate an Strafe zu verbüssen gehabt. Er sei in vielen Gefängnissen gewesen und habe sich im Gefängnis von Afyon 10 Monate in Isolation befunden. Nach einem Hungerstreik von 45 Tagen habe die Verlegung nach Elazig stattgefunden, aber die Familie habe keine Information darüber erhalten, warum er am 5. Dezember in die Nervenanstalt eingeliefert wurde.

Özgür Gündem vom 22.01.2003
Student freigesprochen
Der Student Fethi Gültepe, der am 15. Oktober 2002 verhaftet worden war, weil er in der Region des Schwarzen Meeres einen ponthischen Staat gründen wolle, wurde in der ersten Verhandlung vor dem SSG Istanbul am 21. Januar freigesprochen. Der Angeklagte sagte in der Verhandlung, dass er zum Studium nach Griechenland gegangen sei, aber das Studium nicht abschliessen konnte. Er sei zwei Mal ausgewiesen worden und habe zu keiner Organisation eine Verbindung. Am Flughafen in Istanbul sei er zuerst als PKK?ler, dann als Drogenkurier beschuldigt worden. Er sei zwar nicht physisch gefoltert worden, aber mit Beleidigungen seiner Mutter beschimpft worden. Daher habe er die Vorwürfe akzeptiert.

Özgür Gündem vom 22.01.2003
Auslieferung von Syrien
Nach Aussage des Anwaltes Hüseyin Cangir wurde Hamdi Çiçek als vermeintliches Mitglied der PKK/KADEK am 1. Januar von Syrien an die Türkei ausgeliefert. Er sei am 16. August 2002 mit 11 Freunden zusammen zwischen Derik und Kamisli gefasst worden. Danach sei er auch im Gefängnis gefoltert worden. Er habe in einer Einzelzelle gesessen und sei mit Stromstössen und Formen des Hängens gefoltert worden. Nach der Auslieferung über die Grenzstation Cilvegözü (Hatay) sei er einen Tag in Polizeihaft gewesen. In dieser Zeit sei er nicht physisch gefoltert worden, allerdings habe er unter psychischem Druck und Drohungen einige Dinge aus den 90er Jahren akzeptiert. Sein Sohn Suat sagte, dass sein Vater 1993 mehrfach festgenommen wurde und gefoltert worden sei. Nach dem Tod von drei Brüdern sei er nach Syrien gegangen.

Evrensel vom 23.01.2003
Keine Leibesvisitation für Anwälte
Vor dem 1. Strafgericht von Denizli wurde der Vorsitzende der Anwaltskammer in Denizli, Mehmet Yildirim Aycan vom Vorwurf des Widerstandes gegen die Staatsgewalt freigesprochen. Er hatte sich gegen eine Leibesvisitation beim Gefängnisbesuch gewehrt. Das Gericht stellte fest, dass es nach Artikel 58 des Anwaltgesetzes nur im Falle von ?Gefahr im Verzug? möglich sei, Anwälte mit der Hand zu durchsuchen.

TIHV vom 23.01.2003
Gefecht bei Lice
Nach Informationen von Özgür Politika sollen bei den Gefechten in der Nähe von Lice zwischen dem 14. und 17. Januar ein Unteroffizier (Irfan Yayla) und fünf Soldaten getötet worden sein. Die Namen der getöteten KADEK Militanten wurden mit Kadir Çiçek, Fikret Demir, Sevket Ergül, Mehmet Kaplan, Mehmet Ergül, Veysel Arar Yilmaz Özlü, Hikmet Yakut, Mehmet Ogur, Ethem Sakir, Kemal Kurnat und Xasif Qaradag angegeben.

Radikal vom 24.01.2003
Zwangsrasur ist Folter
Die 8. Kammer des Kassationsgerichtshofs hat in einem Grundsatzurteil zu einem Vorfall im Kreis Sebinkarahisar festgestellt, dass die zwangsweise Rasur von Bart und Schnäuzer nicht nur den Tatbestand der Misshandlung (§ 245 TSG), sondern den der Folter (§ 243 TSG) erfüllt. Das Gericht in Sebinkarahisar hatte eine Strafe nach § 243 TSG verfügt und diese zur Bewährung ausgesetzt. Allerdings wird es kein neues Verfahren geben, weil der Revisionsantrag vom Verurteilten gestellt wurde.

TIHV vom 24.01.2003
Strafe gegen Journalisten bestätigt
Der Kassationsgerichtshof hat die 15-jährige Haftstrafe gegen Memik Horuz, ehemaliger Chefredakteur von Isçi Köylü bestätigt. Das SSG Ankara hatte diese Strafe am 12. Juni 2002 wegen Mitgliedschaft in der TIKKO verhängt. Memik Horuz soll eine Reportage mit TIKKO Militanten gemacht haben. Aufgrund dieses Interviews sind weitere Verfahren an anderen Gerichten anhängig, u.a. gegen Ali Kemal Kahraman, dem Chefredakteur von Özgür Gelecek, wo das Interview ebenfalls erschienen war.

Cumhuriyet vom 24.01.2003
KDV?ler Verhaftet
Mehmet Bal, der vor einiger seine Kriegsdienstverweigerung erklärt hatte, wurde am 22. Januar in Izmir verhaftet. Der Anwalt Bahattin Özdemir sagte, dass er gegen 22 Uhr nur 5 Minuten lang mit dem Mandanten sprechen durfte.
 
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