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IHD vom 19.06.2003


Delegation nach Beytüssebap

Die Dorfbewohner von Yesilöz

Dem Menschenrechtsverein IHD war berichtet worden, daß Bewohner des Dorf Yesilöz (Kreis Beytüssebap, Sirnak), die im Jahre 1995 gezwungen waren, ihr Dorf zu verlassen, nun zurückkehren wollten, aber seit dem 15. Mai am Ortseingang von Beytüssebep in Zelten kampierten, weil sie nicht in ihr Dorf gelassen wurden. Die Zweigstelle Diyarbakir des IHD untersuchte den Fall am 9. Juni und der IHD wurde mit diesem Bericht beim Premierminister Tayyip Erdogan, dem Innenminister Abdülkadir Aksu, dem Vorsitzenden des Menschenrechtsausschusses, Mehmet Elkatmis vorstellig. Am 18. Juni machte sich eine weitere Delegation auf den Weg nach Beytüssebap, um die Entwicklung zu betrachten.

Vom IHD gehörten der Delegation an: Feray Salman, M.Hanefi ISIK, Muharrem ERBEY, Mehdi PERINÇEK, von Göç-Der aus Diyarbakir Serdar TALAY, von den Architekten und Ingenieuren aus Diyarbakir Necdet ATALAY und Sefik AY, von der Anwaltskammer Diyarbakir Serhat EREN und der Gewerkschafter Arif AKKAYA.

Die Delegation sprach mit dem Landrat von Beytüssebap Adil KARATAS und den betroffenen Dorfbewohnern.

Die Dorfbewohner sagten, dass andere Bauern aus umliegenden Ortschaften Tiere auf ihre Hochweiden gebracht hätten und der Landrat ihnen gegen eine Spende für Soldaten die Benutzung erlaubt habe. Nach der ersten Delegation seien zwei Personen, einer von der Gendarmerie und einer vom Innenministerium zu ihnen gekommen und habe ihnen gesagt, dass es ihnen freistünde, in ihr Dorf Yesilöz zurückzukehren. Allerdings hätten sie das nicht schriftlich erhalten.

Am 13. und am 16. Juni sei dann ein Arzt mit einer Ambulans gekommen und habe sie zwei Stunden lang untersucht und Rezepte ausgestellt. Im ersten Fall habe der Landrat die Kosten für die Medizin übernommen. Für den zweiten Fall hätten sie noch keine Antwort vom Landrat erhalten. Einige der Kranken unter ihnen seien ins Krankenhaus nach Cizre gebracht worden.

Die Dorfbewohner beschwerten sich, dass sich ausser dem IHD niemand um sie kümmere. Seite dem 13. Mai hätten sie nicht mehr baden oder duschen können, hätten keine vernünftigen Toiletten und das Trinkwasser müssten sie sich aus einem Bach am Rande ihres Lagers holen. Sie bekräftigten ihren Willen, ins Dorf zurückzukehren, wo sie vor allem im Juni und Juli auf den Felder arbeiten könnten. Sie bezifferten ihre Zahl auf 775 Personen aus 140 Familien, unter ihnen 300 Kinder unter 12 Jahren.

Der Landrat sagte, dass nach dem ersten Gespräch mit dem IHD ein Doktor die Dorfbewohner zwei Mal untersucht habe und ihnen Medikamente zur Verfügung gestellt wurden. Für die Rückkehr in das Dorf müsse erst ein Weg geschaffen werden. Dafür sei das Direktor für Dorfangelegenheiten in Diyarbakir zuständig. Er habe den Wunsch der Dorfbewohner an die zuständigen Stellen weitergeleitet. Eine Antwort auf den ersten Bericht des IHD habe er an den Gouverneur von Sirnak geschickt und dieser würde die Antwort an den IHD weiterleiten.

Die Delegation stellte fest, dass der Landrat nicht einmal zu den Dorfbewohnern gegangen ist, um ihre Probleme festzustellen. Er versprach jedoch bei Lebensmittelknappheit für Abhilfe zu sorgen. Auf der anderen Seite betonte er immer wieder, dass die Dorfbewohner aus freien Stücken zurückkehren könnten, wenn sie wollten. Dazu müssten sie aber den Weg aus eigenen Mitteln wieder herstellen. Das Versprechen der Gendarmerie und des Innenministeriums, dass der Weg in einem Monat geöffnet werde und das Dorf in 2 Monaten wieder Strom haben werde, war dem Landrat jedoch unbekannt.

FESTSTELLUNGEN

Nach dem Besuch der 1. Delegation und den Initiativen der Zentrale und der Zweigstelle Diyarbakir des IHD wurde den Dorfbewohner in einigen Aspekten geholfen. Die gesundheitlichen Massnahmen sind als positiv zu bewerten, aber nicht ausreichend. Es ist bedauerlich, dass weitere Forderungen der Dorfbewohner mit der Bemerkung "was wollen sie denn noch?" abgetan werden.

Es wurden keine Massnahmen für eine Unterbringung der Dorfbewohner getroffen. Es wurden nicht einmal Zelte zur Verfügung gestellt. Es handelt sich um 140 Familien mit 775 Mitgliedern. Wenn in den Schulferien nun die grossen Kinder noch hinzukommen, könnte die Zahl auf 1.500 anwachsen.

  • Es fehlen hygienische Toiletten und Bäder

  • Der Mangel an Lebensmittel hat zu Hunger im Zeltdorf geführt

  • Es ist bedauerlich, dass offizielle Stellen keinen Dialog mit den Dorfbewohnern pflegen

  • Sie sind auch nicht im Besitz einer klaren Information zum Bau eines Weges zu dem Dorf Yesilöz

Die Behörden vertreten die Ansicht, dass die Dorfbewohner aus freien Stücken gekommen sind und sich daher selber um ihr Schicksal kümmern sollen. Sie bevorzugen bürokratische Massnahmen anstatt von sofort greifenden praktischen Schritten. Die Tatsache, dass keine Vorgehensweise entwickelt wurde, die es ermöglicht, dass die vertriebenen Dorfbewohner ihr Trauma als nicht durchlebt begreifen können, verhindert zuverlässige und rasche Lösungen.

Die vertirbenen Dorfbewohner stehen unter dem Schutz der Staates, der verpflichtet ist, Massnahmen zu ergreifen. Die Bestimmungen der UN Konvention zu Persönlichen und Politischen Rechten und die Konvention zu Sozialen und Kulturellen Rechten, die die Türkei vor Kurzem ratifiziert ist, müssen sofort umgesetzt werden.

Zwei Dinge sind besonders wichtig für die Bewohner des Dorfes Yesilöz:

  1. Die öffentlichen Einrichtungen, die für die Begradigung des Weges zum Dorf zuständig sind, müssen sofort, spätestens in einer Woche, in Aktion treten. Als Einrichtung der zivilen Gesellschaft sind wir bereit, mit unseren Mittel in die Verantwortung einzutreten.

  2. Die Bedürfnisse der Dorfbewohner an Lebensmittel, Gesundheit, sauberem Wasser und Unterbringung müssen ohne bürokratische Hindernisse mit einem Unterstützungssystem befriedigt werden. Ein Sofortprogramm wird besonders für schwangere Frauen, Kinder, Senioren und Kranke benötigt.

Wir als Vertreter von Einrichtungen der zivilen Gesellschaft und Menschenrechtsorganisationen sind entschlossen, uns weiterhin dafür einzusetzen, dass die Bewohner des Dorfes Yesilöz in menschenwürdige Weise in ihr Dorf zurückkehren können.


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