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Sonderberichte
für das Jahr 2006
Auszugsweise Übersetzung
des
Berichtes des Europäischen
Komitees zur Verhütung von Folter und unmenschlicher oder entwürdigender
Behandlung oder Bestrafung (Committee for the Prevention of Torture = CPT).
Der am 6. September 2006 veröffentlichte Bericht kann in Englisch
unter http://www.cpt.coe.int/ gefunden werden.
Der Bericht und eine Antwort
der türkischen Regierung beziehen sich auf einen Besuch des Komitees
zwischen dem 7. und 14. Dezember 2005. Die Untersuchungen des CPT konzentrierten
sich auf die Städte Adana, Istanbul (neben dem Polizeipräsidium
auch Stationen in Beyoglu und Sirkeci) und Van (Polizeipräsidium
und Kommandantur der Gendarmerie). Drei Hochsicherheitsgefängnisse
vom Typ F wurden in Adana und Tekirdag besucht. Des Weiteren wurden zwei
Krankenhäuser für Geisteskranke besucht. Die Gefängnisbesuche
in Adana Typ E, Bayrampasa, Bitlis, Ümraniye E-Typ und Van M-Typ dienten
dazu, Gefangene zu interviewen, die kürzlich Verhören bei den
uniformierten Kräften unterzogen worden waren.
Am Ende der Besuche teilte
die CPT den türkischen Autoritäten unmittelbare Beobachtungen
mit (nach Artikel 8, Absatz 5), die sich auf die Situation der inhaftierten
Immigranten auf dem Polizeipräsidium in Istanbul bezogen.
Mit dem Absatz 12 des Berichts
beginnen die vorausgehenden Bemerkungen. Die gesetzliche Grundlage
für die effektive Bekämpfung von Folter und Misshandlung ist
mit den am 1. Juni 2005 in Kraft getretenen Gesetzesänderungen (Strafgesetz
und Strafprozessordnung) geschaffen worden. Die Dauer der Polizeihaft (bzw.
bei der Gendarmerie) ist mit 24 Stunden relativ kurz und kann auf 48 Stunden
bzw. vier Tagen bei gemeinsam begangenen Taten verlängert werden.
Die Festgenommenen dürfen Außenstehende informieren, haben das
Recht auf einen Anwalt vom ersten Augenblick der Festnahme (Anmerkung des
DTF: hier hat das CPT die Änderungen im Anti-Terror Gesetz vom Juni
2006 übersehen), es werden detaillierte Aufzeichnungen über Festnahmen
angefertigt und häufige Besuche der Staatsanwälte bei Personen
in Polizeigewahrsam oder bei der Gendarmerie sind im Gesetz vorgesehen.
Die Strafen für Folter und Misshandlung wurden auf eine Stufe angehoben,
die als abschreckend gelten kann.
Im Absatz 16 stellt die
CPT fest, dass die Beobachtungen in Adana, Istanbul und Van ermutigend
sind, was die Fortschritte im Kampf gegen Folter betrifft. Die meisten
der interviewten Personen, die im Jahre 2005 durch Polizei- oder Gendarmeriehaft
gegangen waren, sagten, dass sie keiner physischen Misshandlung ausgesetzt
waren. Vom Aufhängen an den Armen und Elektroschocks sprach nur eine
Person, die Mitte 2004 auf dem Polizeipräsidium in Adana verhört
worden war.
Es gab aber auch Beschwerden
über kürzliche Misshandlung, sehr häufig im Moment der
Festnahme (nach einer Demonstration z.B.). Die Beschwerden waren vielfach
durch medizinische Atteste unterstützt und Mediziner in dem Komitee
selber fanden Verletzungen, die mit den Beschwerden übereinstimmten.
Viele Personen beschwerten sich über psychische Folter, wie die Drohung
mit Folter oder Festnahme von Angehörigen, ganz zu schweigen von verbalen
Beschimpfungen.
In den Polizeistationen
Beyoglu, Gayrettepe (beide in Istanbul, im letzten Fall die Abteilung für
Raubdelikte) und auf dem Polizeipräsidium Van (Diebstahl) wurden Vorwürfe
von Quetschen der Hoden und brutalen Schlägen gemacht. An diesen drei
Orten sollten Ermittlungen durchgeführt werden.
Mehr als eine Person beschwerte
sich darüber, in eine Waldgegend verschleppt und dort mit einer Pistole
an den Kopf bedroht worden zu sein. Diese Art von Misshandlungen außerhalb
des Geländes der uniformierten Kräfte scheint zuzunehmen.
Die zeitliche Begrenzung
der Haft wurde eingehalten und mit wenigen Ausnahmen war die Registrierung
von Haft ordentlich durchgeführt worden. In der Regel wurden Angehörige
informiert und in einigen Fällen konnten die Festgenommenen selber
mit ihnen sprechen. In einigen Fällen wurde die Benachrichtigung hinaus
gezögert und es gab keine Rückmeldung an die Gefangenen.
Neben Kindern müssen
Personen, die eines Deliktes beschuldigt werden, das mehr als 5 Jahre Haft
erfordert, Rechtsbeistand erhalten (Anmerkung des DTF: Angeklagte, die
eine Strafe über 5 Jahre Haft zu erwarten haben, müssen vor Gericht
anwaltlich vertreten sein, Minderjährige vom Augenblick der Festnahme
an). Der Besuch im Dezember zeigte, dass mehr Personen in den Genuss von
Rechtsbeistand kommen, selbst wenn es nicht obligatorisch ist. Allerdings
kam es häufig vor, dass ein Anwalt erst nach der Befragung bei gezogen
wurde.
In den 3 besuchten Provinzen
wurden Formblätter zur Belehrung von Verdächtigen benutzt. Viele
Gefangene beschwerten sich aber, erst spät belehrt worden zu sein,
bzw. keine Kopie des Formblattes erhalten zu haben.
Das CPT hörte viele
Personen bezüglich der medizinischen Untersuchungen zu Beginn
und am Ende der Polizeihaft an. Die Vertraulichkeit der Untersuchung ist
noch weit davon entfernt, garantiert zu sein. Viele Personen beschwerten
sich darüber, dass uniformierte Kräfte bei der Untersuchung dabei
waren. Auch die Übermittlung des Berichts an den Staatsanwalt in einem
verschlossenen Umschlag wurde oft nicht eingehalten.
Bei den Untersuchungen hatten
die Patienten in der Regel ihre Kleidung an und meistens waren die medizinischen
Resultate auf "keine Zeichen von physischer Misshandlung/Verletzungen"
beschränkt.
Staatsanwälte scheinen
mittlerweile ihre Aufgabe von ad-hoc Besuchen und Hafteinrichtungen
durchzuführen, während die Menschenrechtsräte in den Provinzen
und Kreisstädten offenbar dieser Aufgabe nicht nachkommen. In Istanbul,
Adana und Van konnten keine gegenteiligen Anzeichen entdeckt werden.
Personen in Polizeihaft
erhalten (wie schon in der Vergangenheit) Nahrung (Brot, Käse und
Tomaten), notfalls auch ohne Bezahlung. Es kann aber sein, dass diese trockene
Kosten vier Tage lang verabreicht wird. Es gab Beschwerden, dass in den
ersten Stunden nach der Festnahme keine Nahrung angeboten wurde.
Die Haftabteilung für
Ausländer auf dem Polizeipräsidium in Istanbul war mehr als doppelt
über belegt. Die Räume reichen (laut Personal) für 90 Personen;
es waren aber 147 Männer und 43 Frauen inhaftiert. Einige der Personen
waren dort seit mehr als 6 Monaten. Schon seit 1997 hat das CPT auf die
untragbaren Verhältnisse dort hingewiesen. 2001 wurde der Punkt erneut
erwähnt. Die türkischen Autoritäten haben am 23. Februar
2006 mitgeteilt, dass bis Ende 2006 neue Einrichtungen fertig gestellt
sein würden. Renovierungen an der Einrichtung in Eminönü
seien abgeschlossen.
Die Lage in den Gefängnissen
Es gab kaum Beschwerden
über Misshandlungen von Gefangenen in den F-Typ Gefängnissen
von Adana und Tekirdag 1 und 2. Solche Beschwerden gab es beim Gefangenentransfer
am 30. Juli 2005 von Tekirdag (1) zu anderen Gefängnissen. Der Rat
zur Überwachung des Gefängnisses stellte fest, dass die Gewalt
nötig war, um den Widerstand der Gefangenen zu brechen.
Die Delegation besuchte
auch andere Gefängnisse und muss besonders zum Gefängnis in Adana
vom Typ E Bedenken anmelden. Hier gab es viele Vorwürfe von Misshandlungen
durch Personal im Gefängnis. Die Vorwürfe bezogen sich vor allem
auf Ohrfeigen, Fausthiebe und Tritte sowie Beschimpfungen, es gab aber
auch Vorwürfe von Bastonade. Hinzu kommt, dass das Gefängnis
völlig über belegt war. Bei einer Kapazität von 450 Personen
wurden dort 950 Personen gehalten. In einer Abteilung wurden 22 Gefangene
in einem Raum von 24m² gehalten.
Was die Hochsicherheitstrakte
(F-Typ Gefängnisse) anbetrifft, so hat das CPT niemals die materiellen
Bedingungen dort kritisiert. Auch beim letzten Besuch wurde ein guter Standard
festgestellt. Allerdings hat das CPT wiederholt die Entwicklung gemeinsamen
Aktivitäten der Gefangenen angemahnt. Leider zeigt auch der Besuch
im Dezember 2005, dass die Lage nicht als zufrieden stellend bezeichnet
werden kann.
Nach den Bestimmungen sollen
Gefangene, die an Sport oder Kommunikation teilnehmen wollen, 5 Stunden
in der Woche zusammen kommen. Diese schon arg beschränkte Zeit wird
in Adana (oder sonst wo) nicht angeboten. Gruppen von je 9 Gefangenen konnten
sich fünf oder sechs Mal zu jeweils einstündigen Unterhaltungen
im Monat treffen. Die Möglichkeit von Sport bestand vier Mal im Monat
(2 Mal in der Halle und 2 Mal draußen). Sie sollten jeweils 2 Stunden
dauern, aber in der Praxis waren sie meistens auf 1 Stunde beschränkt.
Nur die wenigen Gefangenen
(ein Dutzend ungefähr) in Arbeitsgruppen hatten mehr Stunden Zeit
dafür. Die mit Töpferei beschäftigten Gefangenen hatten
wöchentlich 10 Stunden Zeit und in der Gruppe mit Malerei waren es
25 Stunden in der Woche. Das CPT wunderte sich, dass keiner der Gefangenen
die Bibliothek aufsuchen wollte.
In Tekirdag (1) gab es mehr
Gefangene in den Arbeitsgruppen (50). Es gab eine kleine Gruppe, die wöchentlich
religiösen Unterricht besucht und der Zugang zur Bibliothek wurde
ebenfalls wöchentlich gewährt. In Tekirdag (2) war die Zeit außerhalb
der Zellen extrem begrenzt. Der Direktor kalkulierte, dass ein Gefangener
ca. 6 Stunden im Monat außerhalb der Zelle verbringen würde.
Als Argument für den
geringen Anteil an Aktivitäten wurde fehlendes Personal für viele
kleine Gruppen genannt und die Frage der Sicherheit der Gefangenen untereinander.
Die F-Typ Gefängnisse
könnten ein Modell für Strafanstalten sein, aber momentan stehen
sie weiter in der Kritik, ein System der Kleingruppen-Isolation zu verfestigen.
Es gibt bestimmte Gefangene,
die in Einzelhaft gehalten werden. Das sind Neuankömmlinge, die unter
Beobachtung gehalten werden, Gefangene mit Disziplinarstrafen, Gefangene,
die zur Aufrechterhaltung der Ordnung getrennt gehalten werden und solche,
die um gesonderte Haft gebeten haben. Das CPT hat ein besonderes Augenmerk
auf solche Gefangene gerichtet, die zu verschärfter lebenslanger Haft
verurteilt und nach Artikel 25 des Gesetzes zum Strafvollzug in Einzelhaft
gehalten werden. Hiervon waren 2 Gefangene in Adana, 6 in Tekirdag (1)
und 1 Gefangener in Tekirdag (2) betroffen.
Neben 14-tägigen Besuchen
und einem Telefonat in 15 Tagen, durften die Gefangenen in Adana jeden
Tag eine Stunden die Zelle verlassen. In Tekirdag wurde die Zeit einen
Tag vor Ankunft des CPT auf 2 Stunden angehoben. Sie sind im Hof, der an
die Zelle anschließt, allein; können aber mit Gefangenen in
den anderen an den Hof angrenzenden Zellen sprechen. In Tekirdag (2) war
dies für den einzigen Gefangenen mit verschärfter lebenslanger
Haft nicht möglich, da der Direktor das Gesetz so verstand, dass Gespräche
nur unter Gefangenen mit der gleichen Strafe erlaubt sind.
Das CPT war betroffen, dass
diese Regelung plötzlich am 1. Juni 2005 eingeführt worden war.
Bis dahin konnten sich diese Gefangene an Gemeinschaftsaktivitäten
beteiligen. Isolation kann schlimme Folgen haben und unter gewissen Umständen
zu unmenschlicher und erniedrigender Behandlung führen. In der Empfehlung
des Komitees der Minister Rec (2003) 23 können Anregungen über
die Durchführung von lebenslanger oder lang andauernder Haft gefunden
werden. Die Absätze c) und d) im Artikel 25 beinhalten Möglichkeiten,
wie Gefangene mit erschwerter lebenslanger Haft progressiver behandelt
werden können. Die Bestimmungen sollten aber insgesamt überdacht
werden.
In Tekirdag (1 und 2) wurde
eine kleine Anzahl von Gefangenen angetroffen, die aus psychiatrischen
Gründen in Einzelhaft gehalten wurden. Eine adäquate Behandlung
fand nicht statt. Kein Mediziner in den Anstalten verfügte über
eine entsprechende Ausbildung und es fanden keine Besuche bei einem Psychiater
statt. Im Bericht über den Besuch im März 2004 betonte das CPT,
dass unbehandelte psychiatrische Probleme schnell zu unmenschlicher und
erniedrigender Behandlung führen könne. Das CPT kann die Empfehlungen
nur wiederholen: - Mediziner und Psychologen in den Gefängnissen müssen
geschult werden, um eine Diagnose zu stellen und an der Behandlung teilzunehmen
– Psychiater müssen regelmäßig konsultiert werden – wenn
nötig, müssen längere Krankenhausaufenthalte stattfinden.
Eine andere Empfehlung ist,
dass Gefangenen täglich mindestens eine Stunde pro Tag Hofgang gewährt
wird.
- keine Übersetzung
der Abschnitte zu medizinischer Ausstattung der Gefängnisse und Beobachtungen
in den psychiatrischen Anstalten von Bakirköy (Istanbul) und Adana
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