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Sonderberichte
für das Jahr 2006
Radikal vom 01.09.2006
Vorfälle von Lynchjustiz
häufen sich
Nach dem Überfall auf
Angehörige des Gefangenenhilfsvereins TAYAD in Trabzon am 6. April
2005 häufen sich politische Lynchversuche. Über einen lokalen
Fernsehsender wurde das Gerücht verbreitet, dass die Nationalfahne
verbrannt wurde. Die vier betroffenen Personen kamen unter dem Vorwurf
des Widerstandes gegen die Staatsgewalt in Untersuchungshaft. Nach vier
Tagen wurde ein weiterer Lynchversuch auf TAYAD-Mitglieder unternommen.
Nach dem ersten Versuch sagte der Gouverneur Hüseyin Yavuzdemir: "Das
Ansehen der Stadt wurde beschädigt." Nach dem zweiten Versuch sagte
er: "Wer den Frieden der Stadt stört, wird bestraft." Das Verfahren
gegen die Mitglieder von TAYAD wurde mit dem Verfahren gegen 11 am Lynchversuch
beteiligte Personen, die ebenfalls des Widerstandes gegen die Staatsgewalt
beschuldigt werden, zusammen gelegt und nach Erzurum verwiesen.
Am 2. November 2005 wollten
Angehörige von TAYAD ein Grab in Rize besuchen. 300 Idealisten (Rechtsradikale)
erwarteten sie. Der Gouverneur Enver Salihoglu sagte: "Die Bürger
wurden provoziert." Der Abgeordnete Abdülkadir Kart meinte, dass die
Menschen am Schwarzen Meer (die Lasen), die mit dem Staat und der Nation
verbunden seien, die notwendige Lektion erteilt hätten. Der Bürgermeister
Halil Bakirci reagierte mit den Worten: "Ich dachte, es sei ein Streit
unter Busfahrern. Hätte ich gewusst, dass es sich um Mitglieder von
TAYAD handelt, hätte ich auch zugeschlagen."
Beispiele für Lynchversuche
(in chronologisch umgekehrter Reihenfolge):
29.08.2006: Ein Streit zwischen
kurdischen Arbeitern und Arbeitern einer Marmorfabrik in Bozkir (Konya)
wurde zu einem Lynchversuch, an dem sich 1.000 Menschen beteiligten. 25
Kurden wurden aus der Stadt gebracht.
22.08.2006: Studenten in
Tokat wurden von Idealisten verprügelt, weil sie angeblich Slogans
der PKK gerufen hatten.
20.07.2006: Der Verein für
Grundrechte und –freiheiten (THÖD) widersetzte sich dem Versuch der
Gendarmerie, zwei Leute aus ihrem Lager im Kreis Vize (Kirklareli) festzunehmen.
61 von ihnen wurden abgeführt und unter der Parole "PKK'ler wurden
gefasst" kam es in der Stadt zu einem Lynchversuch.
12.05.2006: Die vom Freitagsgebet
kommenden Idealisten griffen in Mersin TAYAD-Mitglieder an, als diese Flugblätter
verteilten.
08.04.2006: Studenten, die
in Isparta Flugblätter gegen das Hochschulgesetz verteilten, wurden
als PKK'ler angegriffen.
08.04.2006: In Erzincan
veranstalteten 15 Mitglieder der Jugendföderation der Türkei
ein Sit-In mit der Parole "Schluss mit der Isolation". Rechtsgerichtete
griffen sie mit türkischen Flaggen an.
30.03.2006: In Sakarya griffen
2.000 Personen 2 Studenten an, die Poster von Mahir Cayan aufhängen
wollten. Das DTP Büro wurde verwüstet.
25.02.2006: In Izmit versuchten
1.000 Personen eine Person zu lynchen, die angeblich auf der Flagge rumgetreten
hatte.
28.01.2006: In Ordu wurden
Mitglieder der TKP, die eine "kommunistische Zeitung" verteilten, verprügelt.
31.12.2005: Die Mitglieder
von TAYAD, die beim Flugblattverteilen im Kreis Savsat (Artvin) verprügelt
wurden, sind angeklagt (nicht in U-Haft).
12.12.2005: Es gab einen
Lynchversuch auf vier Mitglieder der THÖD, die in Samsun Flugblätter
verteilen wollten.
10.10.2005: In Kayseri wurden
15 Mitglieder der ESP verprügelt, als sie gegen das Anti-Terror Gesetz
protestierten.
06.09.2005: In Bozöyük
wurden 2 Busse, die zu einer Demonstration für Öcalan unterwegs
waren, mit Steinen beworfen. 144 Personen wurden verletzt.
22.08.2005: In Izmir wurden
5 Personen aus Siirt und Diyarbakir aufgrund eines Streits um einen Parkplatz
festgenommen. 1.500 Menschen versuchten, sie zu lynchen.
12.04.2005: In Sakarya wollten
5 Personen Flugblätter aus Protest gegen den Angriff auf die TAYAD
Mitglieder verteilen. Es kam zu einem Lynchversuch gegen sie.
Unterdessen haben sich die
am 30. August festgenommenen Demonstranten zu Wort gemeldet. Rüya
Kurtulus (26), Musa Seckin (22), Hakan Demir (20) und Nihat Mugurtay (19)
hatten während der Feiern zum 30. August in der Vatan Straße
(Istanbul) ein Spruchband entfaltet, in dem sie betonten, dass sie keine
Soldaten von Israel sein wollten. Sie beschuldigten die Polizei, die Menge
erst provoziert zu haben. Rüya Kurtulus sagte, dass ein Polizist ihn
an den Nacken gefasst und mit Worten "ein Landesverräter" unter 5
Polizisten geworfen habe. Erst dann sei es zum Protest der Menge gekommen.
Musa Seckin sagte, dass die Schläge auf der Wache angedauert hätten.
Am 31. August wurden die Studenten der Staatsanwaltschaft in Fatih vorgeführt.
Nach der Aufnahme ihrer Aussagen wurden sie freigelassen.
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