![]() |
![]() |
|||||||||||||||||
|
für das Jahr 2005
Radikal vom 24.01.2005 Ümit
Firat: Will die Türkei die PKK vernichten?
Die
Frage, warum die USA nichts gegen die PKK im Norden Iraks unternimmt, steht
in den Beziehungen zwischen den USA und der Türkei seit 2 Jahren im
Mittelpunkt. Man könnte die Frage aber anders herum stellen: "Warum
sollten die USA etwas gegen die PKK unternehmen?"
Als
die USA sich zur Besetzung des Iraks entschlossen, hatten sie kein Problem
mit der Kontrolle des Berges Kandil und den militärischen Lagern der
PKK dort. Dieses Problem wurde stets einseitig von der Türkei vorgebracht,
so als ob sie für die Ordnung in diesem Gebiet zuständig sei.
Die USA hatten sowieso schon alle Hände voll zu tun: mit denen zu
kämpfen, die sie als Feinde ausgemacht hatten, bzw. denen, die die
USA zum Feind erklärt hatten.
Die
USA würden auch kein besseres Ergebnis erzielen, als es die Türkei
mit ihrer besonderen Kenntnis des Gebietes und den speziell auf diesen
Krieg ausgebildeten Offizieren bisher in groß angelegten Offensiven
erzielt hat. Die PKK bedroht die Sicherheit und Vorherrschaft der USA nicht,
die auch keinen Grund hat, sich neue Probleme aufzuladen. Bei einer Operation
gegen die PKK könnte die Organisation der Kontrolle von der Insel
Imrali entgleiten.
Obwohl
die USA die PKK zu einer Terrororganisation erklärt haben, bezieht
die PKK keine anti-amerikanische Haltung und unternimmt auch keine Aktionen
in diese Richtung. Dies könnte die anderen kurdischen Gruppierungen
auf den Plan rufen und dann wäre es mit der Stabilität im irakischen
Kurdistan vorbei.
Wie
ernst ist es der Türkei damit, die PKK zu vernichten (beenden)? Schon
vor dem März 2003 hat die Türkei viele Operationen über
die Grenzen hinweg gemacht und dabei die PKK nicht vernichten können
oder wollen. Ein General, der die PKK vernichten wollte, hat in seinen
Memoiren wichtige, aber wenig beachtete Hinweise geliefert, dass die Türkei
eigentlich nicht die Vernichtung der PKK zum Ziel hat.
Der
General Osman Pamukoglu war Kommandant der Division des Bergkommandos Hakkari,
als er erfuhr, dass die PKK Ende 1994 ihren 5. Kongress abhalten werde.
Er bereitete eine Operation vor und wartete auf die Nachricht, dass die
Leute sich versammelt hätten. Im Januar 1995 wurde er dann auf ein
Seminar des Generalstabs gerufen. Dort brachte er die Sache zur Sprache:
"...
Ich weiß, der 5. Kongress der PKK ist nicht die Sache des Kommandanten
der Division Hakkari, aber wann werden wir wieder ein so wertvolles und
umfangreiches Ziel finden? Wir hätten sie überfallen und vernichten
sollen."
Der
Beauftragte des Geheimdienstes MIT begnügte sich mit der Antwort,
dass die Informationen an die Adressengruppen geschickt wurden.
In
den Memoiren des Generals: "Ich war verwirrt... Der 5. Kongress der PKK
hatte 18-20 Kilometer entfernt von der Provinz Sirnak im Lager Haftanin
im Nordirak stattgefunden. Aus der Leitung der PKK und den Gruppenführern
waren 700 Personen zusammen gekommen... Sie waren nach dem 23. November
1994 eingetroffen und die letzte Gruppe war am 26. Februar 1995 wieder
abgereist... MIT hatte 22 Mal zu verschiedenen Daten Berichte an den Staatspräsidenten,
Ministerpräsidenten, Generalstab, Innen- und Außenministerium
und andere Stellen geschickt..."
(aus:
Osman Pamukoglu, Nichts Neues außer dem Vergessenen, Verlag Harmonie,
November 2003, S. 282f, 335f)
Was
will die Türkei wirklich?
Das
ist eigentlich klar. Sie möchte die PKK als Vorwand benutzen, um bei
einem im Nordirak entstehenden Chaos Partei zu ergreifen. Die Türkei,
die jahrelang die Meinung vertrat, dass die Einheit des Irak zum Schutze
einer Diktatur in Bagdad möglich sei, will nun nicht einsehen, dass
die Einheit des Iraks nur mit einer sich entwickelnden Autonomie oder Föderation
möglich ist. Sie kann es nicht mit ihrer traditionellen Politik vereinbaren,
dass die Menschen, denen sie bislang nicht einmal einen Flüchtlingsstatus
einräumte, jetzt in eine freiheitliche und in jeder Hinsicht stabile
Zukunft blicken.
Die
Kurden, die immer als Instabilitätsfaktor angesehen wurden, sollten
als Stabilitätsfaktor und Verbündete der USA in dem Gebiet betrachtet
werden. Dementsprechend empfehlen die USA auch eine Änderung der traditionellen
Politik gegenüber den Kurden.
|