Wochenbericht 44/2001 - Übersicht Wochenberichte 2001 - Wochenbericht 46/2001
Radikal vom 04/05.11.2001
Tod in Polizeihaft
Fatih Mehmet Karakus (27), der am 3. November im Kreis Vakfikebir (Trabzon) unter dem Verdacht des Diebstahl festgenommen worden war, starb in Polizeihaft. Der Gouverneur von Trabzon behauptete, daß er Selbstmrd begangen habe, indem er sich an den 2 Meter hohen Fenstern aufgehängt habe. Der Mann wurde ins Krankenhaus gebracht, wo jedoch jede Hilfe zu spät kam. Der Innenminister hat zwei Staatssekretäre mit Ermittlungen in diesem Fall beauftragt.
Yedinci Gündem vom 03.11.2001
Kranke im Gefängnis von Siirt
Gefangene in Siirt haben eine Liste von Häftlingen vorgelegt, die schwer krank sein sollen, aber nicht behandelt werden. Es handelt sich dabei um Osman Üzüm (Zucker), Edip Yalçinkaya (Amnesie), Sehmuz Aykut (Asthma), Mehmet Bosatlioglu (Epilepsoe), Tarik Tas (Herz- und Lungenversagen), Sehmuz Kalir (Hepatitis B), Resit Sen (Zucker), Mehmet Turhalli (Migräne, Magen und Lungenbeschwerden), Hüseyin Idig (Geschwür, Probleme mit der Galle) Cevat Ince (Hepatitis B), Mehmet Eryilmaz (Geschwür), Mehmet Yasak (behindert nach einer Operation am Steissbein), Recep Erdündar (Hepatitis B), Mehmet Apakan (Lendenprobleme), Osman Sen (Lungenentzündunf) und Ibrahim Inan (Gallenprobleme nach einer Magenblutung). Makbule Özbek, die Verwandte eines Gefangenen in Malatya beschwerte sich, daß sie während der Besuche kein Kurdisch reden dürfen, die Zellen feucht seien und 18 Gefangene in Räumen für 12 Persnen untergebracht seien.
Radikal/TIHV vom 06.11.2001
Operation in Küçükarmutlu
Am 5. November stürmte die Polizei 2 Häuser im Stadtteil Kücükarmutlu in Istanbul, wo etliche Personen einen Soldaritätshungerstreik durchführten. Die Bewohner sollen sich durch das Werfen von Molotovcocktails gewehrt haben. Bei der Operation kamen 4 Personen ums Leben und 10 wurden verletzt. Bei den Getöteten handelt es sich um: Sultan Yildiz (Betreuerin der Hungstreiker), Arzu Güler (im Hungerstreik), Bülent Durga (Betreuer der Hungstreiker) und Baris Kas (Betreuer der Hungstreiker). Unter den Verletzten sind: Eylem Göktas (Betreuerin der Hungstreiker), Zeki Lütfü Dogru (Betreuer der Hungstreiker), Sinan Turga (Betreuer der Hungstreiker), Nurgül Karapinar (im Hungerstreik), Ali Haydar Bozkurt (Betreuer der Hungstreiker), Hakki Simsek (Betreuer der Hungstreiker), Güzin Tolga (Betreuerin der Hungstreiker), Dursun Ali Tekin (Betreuer der Hungstreiker) und Sinan Tökgöz (Betreuer der Hungstreiker). Haydar Bozkurt soll sich an einer Barrikade in Brand gesetzt haben. Die Operration begann um 14.45 Uhr und endete um 18 Uhr mit dem Abtransport der Toten und Verletzten.
Milliyet vom 07.11.2001
Verfahren wegen Foltertod
Am 6. November sprach das Strafgericht Nr. 2 von Gaziantep 7 Polizeibeamte von dem Vorwurf der Tötung unter Folter an Memik Yazar (19) frei. Memik Yazar war am 11.11.1998 unter dem Verdacht des Diebstahls festgenommen worden und starb am 16. November im Krankenhaus. Das Verfahren gegen die Polizeibeamten Köroglu Kiraç, Yakup Kiliç, Mustafa Aygül, Sehmuz Murat Kaya, Davut Baytar, Hasan Biçer und Fikri Sirin hatte am 29. Dezember 1998 begonnen. Die Angeklagten wurden am 13. Januar 1999 in U-Haft genommen, aber zwei Tage später wieder ferigelassen. Das Gericht folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die auf Freispruch mangels Beweisen plädierte.
Cumhuriyet vom 08.11.2001
Zwei Gefangene sterben nach Selbstverbrennung
Nail Çavus und Eyüp Samur, die sich aus Protest gegen die Aktion in Kücükarmutlu in Brand gesetzt hatten, verstarben am 7. November im Krankenhaus Cerrahpasa in Istanbul. Am 6. November hatten sich die Gefangenen Nail Çavus, Kemal Ayhan, Muharrem Çetinkaya und Eyüp Samur in den Gefängnissen von Sincan, Kandira und Tekirdag in Brand gesetzt. Unterdessen äusserte der Vereiningung der Zeitgenössischen Juristen, daß bei der Aktion in Kücükarmutlu möglicherweise chemische Waffen eingesetzt wurden. Das Rechtsbüro des Volkes erklärte, daß zwei der Todesopfer durch Schusswaffen ums Laben kamen.
Zaman vom 08.11.2001
Flüchtlinge ertrunken
Am 7. November ertranken 13 von 17 Personen auf einem 5 Meter langen Boot, das von Bodrum aus in Richtung Griechenland gestartet war. Einen Tag zuvor waren fünf Menschen ertrunken und 12 “verschwanden” in der Nähe des Ortes. Fünf Personen wurden gerettet.
Radikal vom 08.11.2001
Statistiken zu Folterverfahren
Das oberste Polizeipräsidium der Türkei erklärte, daß zwischem dem 1. Januar 2000 und dem 31. Oktober 2001 Verfahren gegen 4897 Polizeibeamte mit dem Verdacht auf Folter oder Mißhandlung eröffnet wurden. 186 Beamte wurden verurteilt, 944 freigesprochen und die Verfahren gegen 314 Beamte wurden ausgesetzt. In 1341 Fällen wurde keine Erlaubnis für ein Verfahren erteilt und in 472 Fällen erklärten sich die Gericht für nicht zuständig.
TIHV vom 08.11.2001
Opfer der Aktionen gegen und in den Gefängnissen
Todesopfer bei der “Rückkehr zum Leben” Operation vom 19. Dezember 2000:
Bayrampasa: Cengiz Çalikoparan, Ali Ates, Mustafa Yilmaz, Murat Ördekçi, Nilüfer Alcan, Firat Tavuk, Asur Korkmaz, Sefinur Tezgel, Yazgülü Güder Öztürk, Gülser Tuzcu, Seyhan Dogan, Özlem Ercan.
Ümraniye: Ahmet Ibili, Ercan Polat, Umut Gedik, Alp Ata Akçagöz, Riza Poyraz, Haydar Akbaba, Muharrem Buldukoglu.
Çanakkale: Fidan Kalsen, Fahri Sari, Sultan Sari, Ilker Babacan.
Bursa: Murat Özdemir.
Çankiri: Irfan Ortakçi, Hasan Güngörmez, Ali Ihsan Özkan.
Usak: Berrin Biçkilar, Yasemin Canci.
Ceyhan: Halil Önder.
Die Soldaten Nurettin Kurt und Mustafa Mutlu kamen ebenfalls ums Leben
Opfer des Todesfastens: Cengiz Soydas 21. März, Adil Kaplan 7. April, Bülent Çoban 7. April, Fatma Ersoy 10. April, Nergis Gülmez 11. April, Tuncay Günel 11. April, Celal Alpay 12. April, Abdullah Bozdag 12. April, Erol Evcil 13. April, Murat Çoban 13. April, Gürsel Akmaz 16. April, Endercan Yildiz 18. April, Sibel Sürücü 22. April, Hatice Yürekli 22. April, Sedat Karakurt 24. April, Fatma Hülya Tümgan 28. April, Hüseyin Kayaci 6. Mai, Cafer Tayyar Bektas 6. Mai, Veli Günes 16. Juni, Aysun Bozdogan 26. Juni, Gökhan Özocak 4. Juli, Ali Koç 8. Juli, Muharrem Horuz 2. August, Ali Ekber Baris 18. Oktober.
Unterstützer/innen: Gülsüman Ada Dönmez 9. April, Canan Kulaksiz 15. April, Senay Hanoglu 22. April, Erdogan Güler 24. April, Zehra Kulaksiz 29. Juni, Özlem Durakcan 28. September.
Gefangene, die nach Entlassung weitermachten: Ugur Türkmen 27. Mai, Sevgi Erdogan 14. Juli, Osman Osmanagaoglu 14. August, Hülya Simsek 31. August, Gülay Kavak 7. September, Ümüs Sahingöz 14. September, Abdülbahri Yusufoglu 20. September, Ali Riza Demir 27. September, Ayse Bastimur 28. September, Zeynep Arikan Gülbag 27. September.
Selbstverbrennnungen: Kazim Gülbag (in Deutschland) 25. April, Ibrahim Erler 18. September, Eyüp Samur 7. November, Nail Çavus 7. November.
Tod bei Behandlung: Mustafa Coskun 3. Oktober (er befand sich im Hungerstreik)
Tod durch Angriff: Cafer Dereli 9. Dezember 2000 (er wurde von Rechtsradikalen in den Niederlanden erschlagen)
Tod durch Selbstmordattentat: Gültekin Koç, Naci Canan Tuncer (Polizist) 3.Januar, Ugur Bülbül, Tuncay Karatas (Polizist), Halil Ibrahim Dogan (Polizist), Amanda Rigg (Toruistin) 10. September
Tote bei der Aktion in: Arzu Güler, Sultan Yildiz, Bülent Durga, Baris Kas.
Milliyet vom 09.11.2001
Polizist beklagt sich wegen Folter
Vor dem SSG Istanbul fand am 8. November das Verfahren gegen Ayhan Tokcan, Ex-Vize-Polizeichef in Kagithane (Istanbul) wegen Entführung und Erpressung statt. Er lehnte die Vorwürfe ab und sagte, daß er bei den Verhören gefoltert worden sein, u.a. durch Quetschen der Hoden und mit Stromstößen.
Evrensel vom 09.11.2001
Autor und Publizist verurteilt
Das SSG Istanbul verurteilte die Autorin Nevin Berktas und die Verlegerin Elif Camyar für das Buch “Zelle” zu einer Haft von 45 Monaten. Die Strafe erfolgte nach § 169 TSG wegen “Propaganda für eine illegale Organisation”. Die Haftstrafe für die Verlegerin wurde in eine Geldstrafe von 4,15 Milliarden TL verwandelt.