Wochenbericht 40/2005

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Wochenbericht 39/2005 - Übersicht Wochenberichte 2005 - Wochenbericht 41/2005

Özgür Gündem/Radikal vom 03.10.2005
Demonstrant erschossen

Am 2. Oktober eröffnete die Polizei das Feuer auf eine Gruppe, die im Stadtteil Bagcilar (Istanbul) eine Demonstration für Abdullah Öcalan veranstaltete. Dabei wurde Atilla Gecmis (25) getötet. Bei dem Versuch, die Demonstration aufzulösen, sollen Teilnehmer der Demonstration Molotowcocktails und Steine auf die Polizisten geworfen haben. Ein Fahrzeug der Polizei riet dadurch in Brand und Atilla Gecmis sowie M.O. (15) wurden verletzt. Atilla Gecmis soll 4 Schüsse in die Brust erhalten haben und im Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen sein.

Özgür Gündem vom 03.10.2005
Extra-legale Hinrichtung?

Der Leichnam des am 23. September in der Nähe des Dorfes Otbicer (Ermelur) im Kreis Gürpinar (Van) erschossenen Serif Kaya soll nach Angaben des Vaters bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt gewesen sein. Seine Augen seien ausgestochen, seine Ohren abgeschnitten und  die Kehle durchgeschnitten worden sein. Der Vater Kemal Kaya sagte weiter, dass ein Überläufer mit Namen M. Emin Gül seinen Sohn und drei weitere Personen als Mitglieder der HPG bezeichnet habe. Sie seien daraufhin in einen Hinterhalt geraten und zwei Militante seien dabei ums Leben gekommen. Sein Sohn Serif habe aber entkommen können. Im Dorf Otbicer sei er dann ohne Waffen festgenommen worden. Vor den Augen der Dorfbewohner seien zwei Kugeln auf seinen Fuß abgefeuert worden. Später sei er dann unter Folter umgebracht worden.

Bia (Netzwerk) vom 03.10.2005
Journalist verurteilt

Dem Besitzer und Chefredakteur der in Tunceli erscheinenden Zeitung Ender Can Cevahir wurde eine Strafe von 2.000 YTL auferlegt, weil er gegen den Artikel 19 des Pressegesetzes mit der Nummer 5187 verstoßen haben soll. Nach Meinung des Gerichts soll ein Artikel Kommentare enthalten haben, die Einfluss auf gerichtliche Entscheidungen nehmen könnte.

Star vom 01.10.2005
Zeugen Jehovas festgenommen

In Adana wurden am 29. September 20 Zeugen Jehovas festgenommen, als sie einen Gottesdienst abhielten.

Hürriyet/Sabah vom 05.10.2005
Todesschüsse im Kreis Yüksekova

Am 4. Oktober wurde B.B. von Soldaten der Gendarmerie in der Nähe des Dorfes Degerli im Kreis Yüksekova (Hakkari) erschossen, angeblich weil er der Aufforderung stehen zu bleiben, nicht folgte. Sein Verwandter F.B. wurde verletzt. Angeblich soll es sich bei beiden Personen um Schmuggler von Drogen gehandelt haben, nach denen gefahndet wurde. Hürriyet berichtete von dem Vorfall in der Art, dass bei einem Gefecht in der Nähe des Dorfes zwei Militante der HPG getötet wurden. Özgür Gündem vom 06.10.2005 Die Namen der Opfer wurden mit Burhan Budak und Ferzende Budak angegeben. Der Vorsteher des Dorfes Degerli, Ibrahim Hakki Budak, sagte, dass es gegen 3 Uhr eine Razzia im Dorf gab, bei der ohne Vorwarnung geschossen wurde. Burhan Budak, der eine Vorstrafe wegen Drogenschmuggels habe, habe versucht zu fliehen und sei von hinten erschossen worden.

Connection e.V. vom 04.10.2005
KDV'ler im Hungerstreik

Der türkische Kriegsdienstverweigerer Mehmet Tarhan, der im August 2005 zu 4 Jahren Haft verurteilt worden war, wurde erneut misshandelt. Vergangenen Freitag sei der Unteroffizier Hilmi S., so berichtete Mehmet Tarhan, gemeinsam mit einigen Wachhabenden in seine Zelle gekommen, um ihm die Haare zu scheren. Mehmet Tarhan weigerte sich. "Dann waren es sieben bis acht Personen, die mir unter Gewaltanwendung das Haar und den Bart schoren. Jetzt habe ich Schmerzen im Gesicht, an beiden Händen, am linken Arm und Fuß sowie Verletzungen und Blutergüsse an Beinen und Armen. Ich kann meinen Nacken nicht bewegen." Aus Protest gegen die Misshandlung ist er in den Hungerstreik getreten und fordert die Strafverfolgung seiner Peiniger sowie eine medizinische Untersuchung durch zivile Ärzte. Stattdessen wurde er am 1. Oktober gegen seinen Willen in ein Militärkrankenhaus überstellt, wo er von zwei Militärärzten "untersucht" wurde: "Sie gingen zehn Minuten um mich herum und kamen zu dem Schluss, dass es keine Anzeichen für Schläge gäbe." Ein weiterer Gefängnisinsasse wurde, so Mehmet Tarhan, ebenfalls misshandelt. Ali Güler hatte sich auch geweigert, seine Haare schneiden zu lassen, woraufhin er in seine Zelle gebracht und verprügelt wurde. Da er ins Gesicht geschlagen wurde, könne er nur noch verschwommen sehen, seine rechte Seite sei taub. Nach diesen Ereignissen ging auch er in Hungerstreik mit der Forderung, dass die Verantwortlichen bekannt gegeben und bestraft und die Misshandlungen und Folter im Gefängnis gestoppt werden sollen.

Aksam vom 05.10.2005
Bombenexplosion in Istanbul

Am 4. Oktober kam es im Keller eines Gebäudes mit Werkstätten im Stadtteil Caglayan (Istanbul) zu einer Explosion bei der Osman Kaya getötet wurde und 7 Personen verletzt wurden. Der Polizeichef von Istanbul, Celalettin Cerrah sagte, dass es bei der Herstellung einer Bombe zur Explosion kam.

Hürriyet vom 07.10.2005
Feuerpause zu Ende

Die am 20. August von Kongra-Gel ausgerufene "Feuerpause" (Verzicht auf Aktionen) ging am 3. Oktober mit der Aufnahme der Beitrittsverhandlungen zur EU zu Ende. Kongra-Gel teilte mit, dass in der aktionsfreien Zeit insgesamt 43 Militante ermordet wurden.

Milliyet vom 07.10.2005
Journalist verurteilt

Die 2. Kammer des Amtsgerichts in Istanbul hat den Herausgeber der Zeitung "Agos", Hrant Dink zu einer Strafe von 6 Monaten Haft verurteilt. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Das Verfahren war unter § 159 altes TSG eröffnet worden.

Weitere Meldungen (DTF)

Bia (Netzwerk) vom 07.10.2005
Protokoll ratifiziert

Das türkische Parlament (TBMM) hat das 13. Protokoll zur Europäischen Menschenrechtskonvention mit 220 gegen 1 Stimme ratifiziert. Das Protokoll verbietet die Todesstrafe auch in Friedenszeiten. Die Türkei hatte das Protokoll am 9. Januar 2004 unterzeichnet.