Wochenbericht 37/2001

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TIHV vom 10.09.2001
33. Todesopfer im Hungerstreik

Gülay Kavak, die das Todesfasten in einem Haus in Küçükarmutlu (Istanbul) fortsetzte, starb am 7. September. Sie war vom Gefängnis in Ümraniye in das Spezialgefängnis von Kartal verlegt worden und dort vor einiger Zeit wegen schwacher Gesundheit entlassen worden.

Zaman/Evrensel vom 10.09.2001
Zeitungen verboten, Journalisten bestraft

Nachdem der Kassationsgerichtshof die Strafe gegen die Tageszeitung „Yeni Asya“ bestätigt hat, wird die Zeitung ab heute für einen Monat lang nicht erschienen. Der Journalist Halil Akgünler wird eine Haftstrafe von 20 Monaten verbüssen müssen, während der Chefredakteur Mustafa Dölüler eine Geldstrafe von 1,3 Milliarden TL zahlen muß. Der Kassationsgerichtshof bestätigte eine weitere 1-monatige Strafe gegen „Yeni Evrensel“, das sein Erscheinen am 22. Juli einstellte. Die Geldstrafe gegen den Chefredakteur Bülent Falakaoglu von 1,99 Milliarden TL wurde ebenfalls bestätigt.

HRFT vom 10.09.2001
Gedankenfreiheit 2000

Das Militgärgericht beim Generalstab sprach 16 Personen frei, die das Buch „Gedankenfreiheit 2000“ als Verleger unterzeichnet hatten. In der Verhandlung vom 7. September ging es um den Vorwurf „das Volk vom Militärdienst zu entfremden“. Der Staatsanwalt argumentierte, daß es den Angeklagten lediglich um eine Ausweitung der Meinungsfreiheit gegangen sei und sie deswegen nicht bestraft werden sollten. Das Gericht schloß sich dieser Meinung an und sprach Sanar Yurdatapan, Prof. Hüseyin Ali Nesin, Siyami Erdem, Mehmet Atilla Maras, Yavuz Önen, Hüsnü Öndül, Etyen Mahçupyan, Ibrahim Ömer Madra, Vahdettin Karabay, Salim Uslu, Cengiz Bektas, Yilmaz Ensaroglu, Zuhal Olcay, Lale Mansur, Erdal Öz und Sadik Tasdogan. (HRFT)

Hürriyet/Radikal vom 11.09.2001
Selbstmordattentat in Istanbul

Am 10. September gegen 17.40 Uhr wurde ein Selbstmordattentat auf einen Polizeipunkt am Taksim Platz in Istanbul verübt. Die Polizeioffiziere Tuncay Karatas und Halil Ibrahim Dogan wurden getötet, ebenso wie der Attentäter Ugur Bülbül (25). Er war als Angehöriger der DHKP/C im Gefängnis und unter den 26 Gefangenen, die vom Spezialgefängnis Bartin in ein Krankenhaus verlegt werden mußte, nachdem die Sicherheitskräfte die „Rückkehr zum Leben“ Operation in den Gefängnissen im Dezember 2000 durchgeführt hatten. Vor ca. 6 Monaten war er aus dem F-Typ Gefängnis in Sincan entlassen wurden. Durch die Bombenexplosion wurden 20 Personen verletzt, darunter 13 Polizeibeamte. Die Namen der Beamten sind: Deniz Bahri Bekar (geboren 1976 in Yozgat), Ibrahim Öztürk (geboren 1975 in Gaziantep), Tuncer Erker (geboren 1977 in Sakarya), Osman Eker (geboren 1973 in Balikesir), Hasan Hüseyin Çiftçi (geboren 1973 in Sivas), Resat Susuz (geboren 1972 in Kars), Murat Acar (geboren 1974 in Bursa), Abdüllatif Bedel (geboren 1975 in Nevsehir), Murat Sevinç (geboren 1975 in Zonguldak), Bülent Gonca, Murat Temiz, Esref Koçak und Arif Duman. Die Zivilisten sind: Amanda Rigg (23, Touristin aus Australien; sie erlag später ihren Verletzungen), Askin Öztürk, Mehmet Nuri, Cem Ersoy, Burcu Koray, Abdullah Düztas und Tülin Senmar.

Evrensel vom 12.09.2001
Journalist bestraft

Das SSG Istanbul verurteilte Erdal Tan, Besitzer und Chefredakteur von der Zeitschrift „Genc Direnisci“ zu einer Strafe von 4 Jahren, 10 Monaten und 10 Tagen Haft wegen eines Artikels der im Mai 1999 erschienen war. Erdal Tan erhielt ausserdem eine Gestrafe von 888 Millionen TL und die Zeitschrift wurde für einen Monat verboten. Das SSG Istanbul ordnete ausserdem die Beschlagnahme der Zeitschrift „Odak“ vom 7. September an.

Evrensel/TIHV vom 14.09.2001
Gewerkschafter gefoltert

Sabri Topcu, der Vorsitzende der Gewerkschaft für Beschäftigte in der Industrie für motorisierte Fahrzeuge (TÜMTIS), die Vorstandsmitglieder Tuncay Sagiroglu, Riza Balli und die Mitglieder Hüseyin Diri, Özcan Balkin, Aydin Çelebi und Cem Taylan Günel, die am 7. September bei Razzien auf ihre Wohnungen festgenommen worden waren, haben Foltervorwürfe erhoben. Sie sollen Stromstöße erhalten, geschlagen und beleidigt worden sein, während sie gefesselt und mit verbundenen Augen verhört wurden. Am 13. September wurden sie einem Staatsanwalt am SSG Istanbul vorgeführt. Der lehnte eine Anklage wegen „Bildung einer kriminellen Bande“ ab und verwies die Akte an das Strafgericht in Sisli. Den Gewerkschaftern wird die Entführung und Mißhandlung von Hamit Cakici zur Last gelegt. Dieser soll sich gegen einen Streik bei der Vertriebsgesellschaft Aktif gewendet haben. Das Strafgericht in Sisli setzte die Verdächtigen auf freien Fuß, um gegen sie Anklage zu erheben, ohne daß sie in U-Haft sind.