Warum hat sich KADEK aufgelöst?

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Datum 031112
Sprache Deutsch

Netzwerk BIA vom 12.11.2003
Ragip DURAN: Warum hat sich KADEK aufgelöst?
Anhand der momentan vorhandenen Fakten werde ich versuchen, der Frage vom Standpunkt der USA, der Türkei und der Kurden nachzugehen.
Seit die USA am 1. Mai den Krieg im Irak für beendet erklärte, treffen die Streitkräfte auf einen ständig wachsenden Widerstand, der auch im Norden des Landes zu spüren ist. Die einzige Kraft, auf die sich im Lande stützen können, sind die Kurden, die den Einmarsch der USA als Befreiung vom Diktator ansehen. Diese Situation möchte die USA nicht gefährden und tut alles, damit KADEK im Norden des Iraks nicht zu einem politischen oder militärischen Problem wird. Im Unterschied zu der El Ensar Organisation, die Verbindungen zu Al Kaida haben soll, unternimmt die USA nichts gegen KADEK. Die vom türkischen Aussenministerium verbreitete Nachricht von Gefechten zwischen KADEK und US-Streitkräften wurde vom Sender "Voice of America" nicht bestätigt.
Es kann aber nicht geleugnet werden, dass es Kontakte zwischen KADEK und den USA gibt, wobei die USA bestrebt zu sein scheint, die KADEK zu politisieren. Sie hat auch eine Vermittlerrolle im Gefangenenaustausch zwischen der KDP und KADEK gespielt. Mit der Auflösung der KADEK ist den USA in zweierlei Hinsicht gedient. Auf der einen Seitge wurden Streitigkeiten zwischen den türkischen Streitkräften und der KDP beseitigt und auf der anderen Seite kann Ankara nun nicht mehr das Argument der Gefährdung durch KADEK ins Feld führen.
Die Betrachtungsweise der türkischen Regierung, die die Probleme im Nahen Osten und Irak auf eine Gefahr durch PKK/KADEK beschränkt, wurde wieder einmal widerlegt. Zu einem Zeitpunkt, wo die Armee merkte, dass sie im Norden des Irak keinen Einfluss haben würde, wurde ihr auch noch die Organisation entzogen, gegen die sie kämpfen wollte. Die Auflösung der KADEK ist nicht nur ein Namenswechsel. Wenn KADEK nun zu einer politischen und zivilen Macht in Nordkurdistan wird, muss die Türkei noch mehr Bedenken gegen einen föderativen kurdischen Staat haben.
Von der Warte der Kurden, bzw. der PKK/KADEK betrachtet, hat diese Formation seit der Ergreifung von Abdullah Öcalan im Frühjahr 1999 ihre Politik gegenüber der türkischen Regierung, den USA und anderen kurdischen Organisationen im Irak grundsätzlich geändert. Unterschiede zsichen den Erklärungen von Abdullah Öcalan und dem Präsidialrat von KADEK sind nicht zu übersehen. Dies deutet darauf hin, dass es der Organisation nicht gelungen ist, eine klare Haltung gegenüber den jüngsten Entwicklungen in der Region einzunehmen. Dies macht sie anfällig für Einflüsse und Druck von aussen. KADEK nimmt eine andere Haltung zum Einmarsch der USA in den Irak ein, als die Gegner der Besetzung. Ein Sprecher der KADEK nannte es eine "demokratische Besetzung". KADEK mag ein paar Ansprechspartner finden, steht aber in der Gefahr eine von mehreren Organisationen unter dem Protektorat der Supermacht zu sein.
Mesut Deger, Abgeordneter der CHP für Diyarbakir, sagte, dass der Beschluss der Auflösung von KADEK ein Teil der US-Strategie im Nordikrak sei. Auf diese Weise sei es der PKK/KADEK gelungen, 6.000 Militante unter Waffen zu halten, die nun eine unabhängige Einheit würden. In den Berichten von AP und AFP war zu lesen, dass die neue Organisation unter grosser Beteiligung gegründet werde. Es bleibt abzuwarten, welche Kreise damit gemeint sind.