Murat Yetkin: Die USA übergeben Apo der Türkei

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Datum 040914
Sprache Deutsch

Murat Yetkin: 137 Stürmische Tage

Vorbemerkung: Mit den 137 wirbelsturmartigen Tagen ist die Zeit gemeint, die es dauerte, bis Abdullah Öcalan nach dem Verlassen von Syrien in Kenia gekidnappt und in die Türkei verschleppt wurde. Murat Yetkin, der zu diesem Zeitpunkt das Büro des Fernsehsenders NTV in Ankara leitete, hat einem Buch diesen Titel gegeben. Die Tageszeitung "Radikal", für die er Kolumnen schreibt, hat in einer mehrteiligen Serie, die am 9. August 2004 begann und am 24. August 2004 endete, quasi einen Vorabdruck des Buches vorgenommen. Die Übersetzung wird sich auf die wesentlichen Fakten beschränken:

Alles begann damit, dass Staatspräsident Süleyman Demirel von seinen Mitarbeitern verlangte, dass in seiner Rede zur Parlamentseröffnung am 1. Oktober 1998 die Drohungen gegen Syrien härter ausfallen sollten, als ursprünglich geplant. Vom Generalstab war bekannt, dass er Ende Oktober einen Bericht über die Sicherheitslage (Kampf gegen den Terrorismus) vorlegen wollte, in denen die Erfahrungen seit 1994 und die Koordination zwischen dem Geheimdienst MIT, dem Außenministerium und dem Generalstab eine besondere Rolle spielte.

Schon Ende 1995 hatte es ein Treffen von Vertretern aus den drei Einrichtungen gegeben, bei dem die Ansicht vorherrschte, dass die syrische Armee immer schwächer werde. Es hatte damals als Probe eines Ernstfalles sogar eine grenzüberschreitende Aktion gegeben, bei der Panzer 10-15 Kilometer auf syrisches Gebiet vorgedrungen waren und die syrische Armee sich zurückgezogen hatte.

Demgegenüber hatte die PKK ihre Aktionen verstärkt und es war klar, dass Syrien die PKK, deren Führer sich seit 1979 in dem Lande aufhielt, als außenpolitische Trumpfkarte benutzte. Schon im Januar 1996 hatte die Türkei in einer diplomatischen Note von einem Recht auf Verteidigung nach Artikel 51 der UN Charta gesprochen. Experten des Militärs sagten zudem, dass die türkische Armee in 8-12 Stunden in Damaskus sein könnte.

Im ersten Entwurf für die Rede von Demirel wurde Syrien zur Vernunft aufgefordert und an die Freundschaft und Geduld der Türkei erinnert. Im endgültigen Entwurf war dann die Rede von der langsam zu Ende gehenden Geduld und es wurde mit einem Gegenschlag gedroht, falls Syrien den Führer der PKK nicht des Landes verweise.

Als Reaktion auf die Rede wurde der Generalstabschef Hüseyin Kivrikoglu mit den Worten zitiert, dass die Armee bereit sei und auf Anweisungen warte. Schon am 2. Oktober versuchte der ägyptische Staatspräsident Hosni Mubarak Kontakt zu Demirel aufzunehmen, aber dieser ließ ihn erst einmal "zappeln". Mubarak machte erst einen Besuch in Damaskus und kam dann am 6. Oktober nach Ankara.

Während des offiziellen Essens kam ein "dringendes" Telefonat vom US-Botschafter Mark Parris, der eine Botschaft vom US Präsidenten Bill Clinton zu übermitteln hatte. In zeitgleichen Mitteilungen an Damaskus und Ankara teilte Clinton mit, dass er über die Spannungen zwischen der Türkei und Syrien sehr besorgt sei. Er ließ aber gleichzeitig wissen, dass er die Besorgnis der Türkei über Syriens Unterstützung für die PKK teile. Allerdings sollten beiden Seiten alles tun, um einen Krieg zu vermeiden. Washington setzte zudem auf die diplomatischen Bemühungen von Hüsnü Mubarak. Demirel war zufrieden, denn auch die USA hatten verstanden, dass die Türkei zu einem Krieg entschlossen war. Mit den einzelnen Forderungen der Türkei flog Mubarak wieder nach Damaskus. Die Forderungen waren schon 1996 formuliert worden. Syrien wurde aufgefordert, die Lager der PKK zu schließen, der PKK weder Geld noch logistische Hilfe zukommen zu lassen und Abdullah Öcalan und andere führende Mitglieder an die Türkei auszuliefern.

Die Tatsache, dass Mubarak kam, war für den syrischen Staatspräsidenten Hafez Assad Grund genug, die Bedeutung der Sache und die Entschlossenheit der Türkei zu erkennen, denn bei einer weniger gefährlichen Lage, hätte Mubarak vielleicht seinen Außenminister geschickt. Auch eine weitere Intervention über den Iran als Vorsitzender der Islamischen Konferenz war erfolglos. Demirel ließ seinen Kollegen Mohammad Khatami wissen, dass die Türkei zu allem entschlossen sei, wenn Syrien den Forderungen nicht nachkomme. Bei einem Besuch des iranischen Außenminister Kemal Harazzi in Ankara am 8. Oktober wurde noch einmal klar, dass Syrien mit der Behauptung, Öcalan halte sich nicht in dem Land auf, immer noch auf Zeit spielte.

Aus einem Interview von Murat Yetkin mit Süleyman Demirel (veröffentlicht am 16.08.2004):

Wie wurde Apo (Abdullah Öcalan) gefasst (nach dem Aufenthalt in Russland und Italien)?

Demirel: "Eines Tages kam der Staatssekretär für den Geheimdienst Senkal Atasagun. Der hatte mit dem Ministerpräsidenten gesprochen und ihm gesagt, dass die Amerikaner Apo der Türkei 'liefern' wollen. Ich habe den Ministerpräsidenten Bülent Ecevit und den Generalsstabschef zu mir bestellt. Diese Gespräche waren geheim. Erst ging es um das afrikanische Land, aus dem Apo hergebracht werden sollte und dann darum, wo er in der Türkei festgehalten werden sollte... Wir haben Apo nicht gefasst. Die Amerikaner haben ihn an uns übergeben und auch die Griechen in die Knie gezwungen."

Nach einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates am 9. Oktober erhielt Mesut Yilmaz eine Nachricht vom Staatssekretär für den Geheimdienst Senkal Atasagun, in der mitgeteilt wurde, dass Hafez Assad einen Rückzieher gemacht habe und Abdullah Öcalan fallen gelassen habe. Nach dem Exilpolitiker Yasar Kaya soll Assad zu Öcalan gesagt habe, dass er für ihn 1000 seiner Männer opfern würde, aber keinen Krieg mit der Türkei in Kauf nehmen könne.

Der Flug mit 2 syrischen Geheimdienstlern und Abdullah Öcalans Assistentin Ayfer Kaya war von Damaskus über Aleppo nach Athen und dann nach Stockholm gebucht. In Athen wurde Abdullah Öcalan vom Chef des Geheimdienstes EYP, Haralambos Stavrakikis mitgeteilt, dass er dort nicht bleiben könne. Er könne nur mit einem gefälschten türkischen Pass auf den Namen Ibrahim Sarikurt ein Visum für Russland erhalten.

Am 17. Oktober hatte MIT endlich die Adresse von Abdullah Öcalan in Russland ausfindig gemacht und damit konnte die türkische Seite die russischen Diplomaten unter Druck setzen. Öcalan musste zunächst seinen Aufenthaltsort wechseln, aber Russland machte auch deutlich, dass er sich nicht lange im Lande aufhalten könne.

Am 21. Oktober stattete der Staatssekretär im Außenministerium, Mehmet Ali Irtemcilik Moskau einen Besuch ab. Zusammen mit dem Botschafter der Türkei, Nabi Sensoy, sprach er mit dem Außenminister Igor Ivanov. Er überreichte auch einen Brief des Premierministers Mesut Yilmaz an den russischen Premierminister Yevgeni Primakow, in dem Yilmaz ihn aufforderte, bei der Auslieferung von Öcalan an die Türkei behilflich zu sein.

Am 2. November besuchte der Vorsitzende der Geopolitischen Kommission in der Duma, Alexej Mitrinow Öcalan in seiner Unterkunft in Odinsovo und teilte ihm mit, dass er bei ihm wohnen könne, bis ein anderes Land für ihn gefunden worden. Abdullah Öcalan begriff, dass er nicht mehr lange in Russland bleiben könne und beantragte Asyl. Mitrinow entgegnete, dass ein solcher Beschluss in der Duma gefasst werden könne, aber die Regierung sich nicht daran halten werde. Eine Alternative war noch im Gespräch, und zwar die Weiterreise von Öcalan nach Weißrussland, wo Öcalan Asyl in Aussicht gestellt worden war. Der stellvertretende Ministerpräsident Ismet Sezgin reiste daher am 10. November nach Minsk und stellte die dortige Regierung vor die Alternative: Freundschaft zur Türkei oder Freundschaft zu Öcalan. Weißrussland entschied sich für die erste Alternative.

Deshalb suchten die Russen nach einer Lösung in Griechenland oder Zypern. Allen Bedenken von Ministerpräsident Simitis zum Trotz empfand der Außenminister Pangalos Sympathien für Öcalan und die PKK. Er hatte 109 Abgeordnete eine Einladung an Öcalan unterschreiben lassen, aber an Simitis kam er nicht vorbei. Die Idee von Zypern passte Öcalan nicht. Er hatte Angst, dass beim Überflug über die Türkei das Flugzeug abgeschossen werden, bzw. zum Landen gezwungen werden könnte. Es blieb nur eine Lösung. Einer der führenden Köpfe der PKK in Europa, Ahmet Yaman, hatte über die Kommunistische Partei im Neuaufbau mit dem italienischen Premier D'Allema Kontakt aufgenommen. Obwohl er sich der auftretenden Schwierigkeiten bewusst war, gab er grünes Licht. Nur politisches Asyl wollte er nicht zulassen. Somit stellten die Russen Öcalan vor die Wahl. Entweder er flog am 12. November nach Rom oder aber er würde ausgeliefert. Nach 33 Tagen ging es nun nach Italien.

Die Nachricht, dass Öcalan nach seiner Ankunft auf dem Leonardo Da Vinci Flughafen gegen 21.45 Uhr in Haft genommen worden sei, löste in der Türkei zunächst Freude aus. Kurz darauf aber kam die Meldung, dass er in ein Krankenhaus überstellt worden sei. Die Türkei verlangte die Auslieferung, aber die Antwort von D'Allema war kategorisch: "keine Auslieferung an ein Land, in dem die Todesstrafe existiert". Unterdessen wurde Öcalan in Italien wie ein Gast behandelt und konnte sich nach Belieben mit allen ihm genehmen Personen treffen. Zwei italienische Abgeordnete betätigten sich unterdessen als Anwälte von Öcalan und stellten einen Asylantrag. Die Stimmung in der Türkei wurde noch düsterer, als sich die Nachricht verbreitete, dass zwei türkische Journalisten in Italien von PKK-Anhängern verprügelt worden waren und die italienische Polizei nicht eingegriffen hatte. Am 20. November hob ein Gericht in Rom den Haftbefehl gegen Abdullah Öcalan auf und verfügte, dass er sich in Rom aufzuhalten habe, weil in Deutschland ein Haftbefehl gegen ihn bestehe. Öcalan wurde in einer Villa untergebracht, was Ankara noch mehr verstimmte. Es wurde sogar darüber nachgedacht, Öcalan unter Anwendung von Gewalt aus Italien zu entführen, wenn einer Auslieferung nicht zugestimmt werde.

Der Staatssekretär für den Geheimdienst, Senkal Atasagun, lud den CIA-Beauftragten nach Yenimahalle ein, um den Plan zu besprechen. Was Atasagun wissen wollte, war, ob die USA in der Lage seien, Italien zu überreden, bei einer Entführungs-Aktion nicht einzugreifen. Der Plan war damit nicht mehr geheim, aber Italien hatte die Botschaft erreicht, dass die Türkei zu allem entschlossen war.

In den USA war Richard Clark, der Clinton in Fragen der inneren Sicherheit beriet, der Erste, der über andere als diplomatische Mittel nachdachte, um Öcalan in die Türkei zu bekommen. Clinton wies sofort Madame Albright an, sich dafür einzusetzen, dass Öcalan aus Italien verbannt und auf diplomatischem Wege versucht werde, ein Gerichtsverfahren gegen ihn in der Türkei durchzuführen. Am 20. November stellte Albright dann klar, dass die USA ein Verfahren gegen Öcalan in der Türkei wünsche, weil es sich bei den Aktionen um terroristische Aktionen handele. Am 23. November flog der stellvertretende Außenminister Strobe Talbott nach Italien. Am nächsten Tag führte Clinton ein Telefonat mit D'Allema. Auf der anderen Seite hatte der türkische Botschafter in Rom seine diplomatische Rolle weit überspannt, indem er permanent in die Öffentlichkeit trat, Gespräche mit der Fiat-Gruppe führte und es sogar soweit kam, dass Alitalia den Flug Istanbul-Rom stornieren musste. Verluste im Tourismus-Sektor waren abzusehen.

Italien wollte Öcalan loswerden, aber am liebsten an ein Land weitergeben, wo die Türkei ihn nicht so leicht in die Hände bekommen konnte. Deutschland war kaum eine Alternative, weil dort ein Haftbefehl gegen ihn bestand. Die PKK hätte die Niederlande vorgezogen, aber hier war man nach den letzten Initiativen aus Ankara und Washington vorsichtig geworden. Es blieben: Libyen, der Sudan und Südafrika. Mit Mandela an der Spitze, der sogar den Atatürk-Friedens-Preis abgelehnt hatte, war Südafrika die beste Lösung, aber Mandela lehnte kategorisch ab.

Zu allem Überfluss war Premierminister Mesut Yilmaz intern mit dem Türkbank Skandal beschäftigt und verlor in einem Misstrauensvotum vom 25. November seine Position. Nach einem Gespräch zwischen D'Allema und Bundeskanzler Gerhard Schröder wurde der Vorschlag gemacht, dass Italien und Deutschland in einem gemeinsamen Programm die Kurdenfrage in Angriff nehmen und das Problem vor einem internationalen Gericht gelöst wird. Frankreich, Großbritannien und Spanien äußerten ähnliche Gedanken.

Am 2. Dezember trat der neue Ministerpräsident Bülent Ecevit sein Amt an. Das Gericht in Rom ließ wissen, dass Öcalan ab dem 16. Dezember ein freier Mann sei. Dennoch konnte er die Villa nicht verlassen, weil der Geheimdienst befürchtete, dass er ermordet werden könne.

Am 16. Januar verlautete aus Italien, dass Öcalan das Land verlassen hatte. Er sei wieder nach Moskau unterwegs. Am nächsten Tag hatte MIT seinen Aufenthalt ausgemacht und konnte (wie auch sonstige Geheimdienste) seine vielzähligen Telefonate übers Handy abhören. Die politische Führung versprach sofort, Öcalan aus dem Land zu verweisen. Alternativen aber waren noch nicht gefunden. Armenien hatte schon nach dem Verlassen von Syrien klar gemacht, dass sie Öcalan nicht beherbergen wollten. Am 20. Januar wurde Öcalan daher nach Tadjikistan gebracht, wo er in einem Haus für russische Offiziere 9 Tage unter Beobachtung verbrachte. Für die PKK'ler in Europa war die einzige Hoffnung erneut Griechenland, denn der pensionierte Admiral Andonis Naxakis hatte mit einigen Abgeordneten Öcalan in seinem Lager im Bekaa Tal im Libanon besucht.

Mit Hilfe des Geheimdienstes wurde für ein Öcalan ein Pass auf den Namen des Journalisten Lazaroz Pangalos ausgestellt und Naxakis glaubte, dass keine Probleme entstünden, weil auch der Ex-Außenminister Theodoros Pangalos eingeweiht war. Er hatte aber nicht mit Simitis gerechnet, der den Befehl gab, Öcalan nicht ins Land zu lassen. Heimlich wurde Öcalan in die Wohnung des Schriftstellers Vula Damyanako in Nea Makri, einem Vorort von Athen gebracht. Während Naxakis ein Treffen zwischen Pangalos und Öcalan zu arrangieren versuchte, tauchte der Chef des Geheimdiensts EYP, Haralambos Stravakakis auf und teilte Öcalan mit, dass er das Land verlassen müsse. Öcalan wollte in die Niederlande, wo seine Organisation angeblich alles für ihn arrangiert hatte. Nach einigem Hin und Her wurde ihm gesagt, dass er über Minsk in Weißrussland nach Den Haag fliegen könne. Aber sowohl MIT als auch CIA hatten von dem Plan Wind bekommen. Weißrussland sperrte daraufhin am 31. Januar den Flughafen von Minsk, als Öcalan schon in der Luft war. Die Niederlande wiederum sperrten ihren gesamten Luftraum ab 21 Uhr. Es blieb nur die Möglichkeit in Korfu zu laden, wo er in einem Haus unter der Kontrolle von EYP untergebracht wurde. Gleich am nächsten Tag protestierte der türkische Geheimdienst und schließlich hatte der US-Botschafter in Athen, Nicholas Burns ein Treffen mit dem Außenminister Pangalos. Pangalos sagte ihm, dass Griechenland es nicht geschafft habe, Öcalan loszuwerden. Burns machte ihm daraufhin einen entscheidenden Vorschlag: "Bringt ihn nach Kenia und überlasst den Rest uns".

Die Wahl fiel auf Kenia, weil nach der Bombardierung der US-Botschaft durch El Kaida die CIA dort quasi einen Stützpunkt errichtet hatte. Die Polizei in Kenia war sozusagen der CIA hörig. Zum anderen war Kenia weit genug von der Türkei und der PKK entfernt. Am 2. Februar landete das Flugzeug aus Griechenland auf dem Flughafen von Nairobi. Der Botschafter teilte den Autoritäten mit, dass dieser Flug diplomatischen Schutz genieße und sie die notwendigen Kontrollen durchgeführt hätten. In Ankara rief der CIA Vertreter bei Atatsagun an und bot eine gemeinsame Operation an, um Öcalan in Kenia zu fassen. Bei den Gesprächen des Botschafter Parris war deutlich geworden, dass die USA Abdullah Öcalan lebend fassen wollten und für ein faires Gerichtsverfahren eintraten, wobei sie keine Einwände gegen die Todesstrafe vorbrachten. Auf dieser Grundlage wurden nun der Premierminister und von ihm der Staatspräsident konsultiert. Schließlich kamen am 5. Februar der Premier, der Staatspräsident, der Generalstabschef Kivrikoglu und der CIA Chef zusammen. Auf diesem Treffen wurde die Operation besprochen und äußerstes Stillschweigen vereinbart.

Neben den erwähnten vier Personen wusste noch der General Fevzi Türkeri, Chef des militärischen Geheimdienstes, und die MIT Vertreter Emre Taner und Mikdat Alpay von der Operation "Safari". Im Verlauf der Entwicklung mussten noch der Außenminister Ismail Cem und der Staatssekretär Korkmaz Haktanir eingeweiht werden. Hinzu kamen der st. Staatssekretär Ugur Ziyal, der die Entwicklung von Anfang an verfolgt hatte, der General Yasar Büyükanit vom Generalstab und die rechte Hand von Bülent Ecevit, Hüsamettin Özkan. Das Team für die Operation stellte MIT zusammen und übernahm auch die Verantwortung, da es für die Armee nicht möglich war, Soldaten ohne Genehmigung ins Ausland zu senden.

Der amerikanische Plan sah vor, Öcalan in den Glauben zu versetzen, dass die USA die Niederlande überzeugt hatten, Öcalan aufzunehmen. Am Flughafen wollten sie Öcalan dann den Türken übergeben. Dann sollte er über den Sudan und Ägypten in die Türkei gebracht werden. Auch das Gefängnis auf der Insel Imrali war schon als Haftanstalt für Öcalan ausgesucht worden. Für die Aufgabe waren 7 Personen ausgesucht worden, deren Kontakte zur Außenwelt Tage vor der Operation abgeschnitten wurden und die bis zum letzten Augenblick nicht wussten, was ihnen bevorstand. Das Flugzeug wurde vom Industriellen und ehemaligen Minister Cavit Caglar für 200.000 Dollar angemietet. Das Team flog einige Tage nach dem 4. Februar als Unternehmer nach Kampala, der Hauptstadt von Uganda und wartete auf dem Flughafen von Entebbe auf den Einsatz. Es war nicht schwierig, den Aufenthaltsort von Öcalan zu ermitteln, denn er telefonierte fleißig von seinem Handy und verließ sogar die Wohnung des griechischen Botschafter in Nairobi, um im Garten herum zu spazieren. Dies brachte den Botschafter George Costorlas in Verlegenheit, denn auch die kenianischen Auoritäten hatten von Öcalans Anwesenheit erfahren. Der Außenminister forderte den Botschafter auf, Öcalan wieder nach Griechenland zu bringen. Costorlas erbat sich Zeit, um Rücksprache zu halten und holte sich Hilfe vom Geheimdienstler Kalenderidis.

Am 7. Februar wurde bekannt, dass Griechenland zweimal Öcalan den Rücken zugekehrt hatte. Danach wurden Forderungen für den Rücktritt von Pangalos laut. Die Entscheidung begann am Morgen des 15. Februar. Das Team war mit dem Falcon Flugzeug auf dem Flughafen in Nairobi gelandet und wartet an einem Ende. Unterdessen besuchte der kenianische Geheimdienst die Botschaft und drohte mit Gewalt, falls Öcalan nicht freiwillig mitkomme. Der Botschafter führte ein fingiertes Telefonat und kam mit der Nachricht zurück, dass Pangalos ihm mitgeteilt habe, dass die Niederlande bereit seien, Öcalan aufzunehmen.

Öcalan war bereit, die Botschaft zu verlassen und in 3 Jeeps ging es zum Flughafen. Der kenianische Geheimdienst setzte sich mit einem Jeep zwischen den Jeep mit Öcalan und den Jeep mit seinen Begleitern. Auf der Treppe des Flugzeuges zeigte sich ein blonder Mann, der wie ein Diplomat aussah und begrüßte Öcalan in einer Fremdsprache (dies war ein Türke, der 7 Fremdsprachen konnte). Im Flugzeug wurde er dann mit den berühmten Worten "Willkommen in der Heimat" begrüßt. In Kenia war es 19.30 Uhr als die Reise begann. Die türkische Lufthoheit wurde am 16. Februar gegen 3 Uhr in der Frühe erreicht.

Um 5.30 Uhr rief Atasagun Demirel an und verkündete: "Wir haben ihn übernommen". Gegen 11 Uhr wurde die Festnahme von Abdullah Öcalan vom Ministerpräsidenten Bülent Ecevit verkündet. Die Namen der 7 Teammitglieder blieben geheim. Sie erhielten am 18. Februar eine Auszeichnung und jeweils eine Uhr von Longines mit besonderer Inschrift. Die Besitzer dieser Uhren sind die Mitglieder des Teams, das Öcalan aus Kenia abholte.

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