Meldungen im Juli 2010

Aus DTF

Wechseln zu: Navigation, Suche

Die folgenden Nachrichten wurden im Juli 2010 vom DTF erfasst (übersetzt). Für externe Links wird keine Verantwortung bezüglich des Inhalts und der Dauerhaftigkeit übernommen.

Inhaltsverzeichnis

Gefechte im Südosten der Türkei

Gündem vom 02.07.2010
Bilanz der HPG für den Monat Juni

zur Originalnachricht

Nachdem die Volksverteidigungskräfte HPG am 1. Juni des Jahres ihre aktionslose Phase beendet hatte, kam es zu einer Vielzahl von Gefechten. Nach Auskunft des Presse-Kontakt-Centers der HPG wurden in 56 Aktionen 126 Soldaten getötet. Im gleichen Zeitraum verloren 25 Guerilla ihr Leben. Die türkische Armee führte 37 Operationen durch, wobei es in 15 Fällen zu Auseinandersetzungen kam. Die Armee beschoss auch Ziele im Irak (Haftanin und Zap) sowie im Gebiet des Berges Cudi.

Radikal vom 08.07.2010
In 6 Monaten stellten sich 154 PKK'ler

zur Originalnachricht

Bei den Operationen gegen die PKK wurden in den ersten 6 Monaten des Jahres 2010 insgesamt 170 PKK'ler getötet und 154 PKK'ler stellten sich. Die türkische Armee gab die Namen der 15 PKK'ler bekannt, die bei Operationen in den ländlichen Gebieten von Siirt, Şırnak und Kars getötet wurden, Gestern kam es im Kreis Güroymak von Bitlis zu einem Gefecht, bei dem 3 Soldaten verletzt und ein PKK'ler getötet wurden.

Anmerkung des DTF: Die Zahlen zu Todesopfern, die sich aus den Angaben der türkischen Streitkräfte bezüglich der Bekämpfung von Terrorismus für den Monat Juni 2010 ergeben, beziffern sich auf 24 getötete Angehörige der Armee, 3 Dorfschützer, 34 Angehörige der PKK. Daneben sollen sich im Juni 2010 11 PKK'ler ergeben haben.

Halbjahresbericht der TIHV

TIHV vom 09.07.2010
Bericht zu Menschenrechtsverletzungen zwischen dem 1. Januar und dem 30. Juni 2010

Im Jahresbericht 2009 hatten wir als einzige positive Entwicklung auf die Abnahme von Todesfällen bei Gefechten im Südosten des Landes hingewiesen. Leider haben sie in den ersten sechs Monaten des Jahres 2010 wieder zugenommen.

Das Recht auf Leben

In den ersten sechs Monaten des Jahres 2010 kam es zu 2 (politischen) Morden unerkannter Täter und es gab 15 extra-legale Hinrichtungen (einschließlich Erschießung von Personen, die nicht anhielten). Von den 25 Personen, die in Haft ums Leben kamen, starben drei in Verhörzentren und 22 in Gefängnissen. Dazu gehörten zweifelhafte Selbstmorde und Behinderung von Behandlung.

Bei Gefechten starben zwischen dem 1. Januar und dem 30. Juni 2010 62 Soldaten, 9 Dorfschützer und 72 Militante. Unter den insgesamt 10 Todesopfern waren 3 Zivilisten, 3 Polizisten und ein Wachmann eines privaten Sicherheitsdienstes. 10 Menschen starben durch die Explosion von Landminen und anderen Explosiva. Die Zahl der Todesopfer durch Minen hatte im Jahre 2009 bei 41 gelegen. Die Zahl der Personen, die bei Gefechten getötet wurden, lag bei 138.

Folter und Misshandlung

In den ersten 6 Monaten des Jahres 2010 haben sich 179 Personen an die TIHV mit der Bitte einer kostenlosen Behandlung von Gesundheitsproblemen aufgrund von Folter gewandt. 80 von ihnen gaben an, dass sie im gleichen Jahr gefoltert wurden. Das Dokumentationszentrum fand 224 Fälle von Folter und Misshandlung, unter denen sich 64 Schüler befanden, die von Lehrern misshandelt wurden. Die Vergleichszahlen für das gesamte Jahr 2009 waren 532 Fälle von Folter und Misshandlung, von denen sich 86 an Schulen ereignet hatten.

Die TIHV fragte bei der obersten Polizeidirektion nach Verfahren gegen Folterer. In der Antwort vom 02.06.2010 war zu lesen, dass zwischen dem 14. Februar 2005 und dem 1. Juni 2010 gegen insgesamt 309 Polizeibeamte nach den Artikel 94 und 95 des Strafgesetzes 5237 ermittelt wurde. Gegen 131 von ihnen wurden die Verfahren eingestellt, 50 wurden freigesprochen und nur 2 Beamte wurden verurteilt.

Gefängnisse

Seit dem 6. November 2009 dürfen Besucher mit Gefangenen auch in anderen Sprachen als Türkisch sprechen. Von den 104 schwer erkrankten Gefangenen begnadigte der Staatspräsident Abdullah Gül 7 Gefangene, darunter Güler Zere. Sie starb am 7. Mai 2010. Eine Liste der 97 schwer erkrankten Gefangenen, die nicht entlassen wurden, ist im Anhang an den Bericht zu finden.

Meinungs- und Versammlungsfreiheit

Es befanden sich 37 Journalisten in Haft. Sieben Zeitungen wurde ein Publikationsverbot auferlegt und der Zugang zu 4662 Webseiten wurde gesperrt.

Nach dem Aktivitätsbericht der obersten Polizeidirektion für das Jahr 2009 wurden in dem Jahre 570 nicht genehmigte Demonstrationen abgehalten, bei denen 2250 Personen festgenommen und 413 Polizeibeamte, sowie 110 Bürger verletzt wurden. Das Dokumentationszentrum der TIHV fand für das Jahre 2009 heraus, dass neben 301 Personen, die bei Demonstrationen verletzt wurden, sechs ums Leben kamen. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2010 wurden 68 Personen verletzt. Es wurden 146 Personen wegen eines Verstoßes gegen das Gesetz 2911 zu Demonstrationen und Kundgebungen zu Strafen von insgesamt mehr als 900 Jahren Haft verurteilt.

Anhang: Schwer kranke Gefangene

Namen und Orte, weitere Details sind im türkischen Bericht der TIHV zu finden
  1. A. Hakim Esiyok: Erzurum
  2. A. Kahar Aksoy: Bolu
  3. A. Rahman Yıldırım: Bolu
  4. Abdullah Akçay (17): Istanbul
  5. Abdurrahman Yıldırım: Bolu
  6. Abdulsamet (A.Samet) Çelik: Sincan
  7. Aygül Kapçak: Sincan
  8. Ağa Sağlık: Tekirdağ
  9. Ali Teke: Kandıra
  10. Aslan Karslı: Silifke
  11. Avni Uçar: Sincan
  12. Aydın Çubukçu: Kırıklar
  13. Aynur Epli: Siirt
  14. Behçet Yılmaz: Tekirdağ
  15. Bekir Simsek: Edirne
  16. Bülent Özdemir: Kandıra
  17. Cemil Erdem: Tekirdağ
  18. Cengiz Eker: Erzurum
  19. Cengiz Kahraman: Sincan
  20. Cengiz Karakas: Trabzon
  21. Deniz Yıldız: Adana
  22. Deniz Selçuk: Kırıklar
  23. Doğan Karatastan: Tekirdağ
  24. Emrah Alisan: Adana
  25. Emrah Kaçar: Sincan
  26. Erkan Nasıroğlu: Trabzon
  27. Erol Zavar: Sincan
  28. Ersin Vural: Tekirdağ
  29. Divali Kaya:
  30. Fatma Tokmak:
  31. Gazi Dağ: Antalya
  32. Gülay Çetin: Antalya
  33. Gülezar Akın: Adıyaman
  34. Görgin Oktar: Mus
  35. Halil Günes: Diyarbakır
  36. Halil Yıldız: Antalya
  37. Hasan Tahsin Akgün: Tekirdağ
  38. Hasan Alkıs: Kırıkkale
  39. Hatice Bolat (Polat): Gebze
  40. Hayati Kaytan: Sincan
  41. Hazne Haykır: Midyat
  42. Hediye Açık: Gebze
  43. Hulki Günes: Mus
  44. Hüseyin Babar: Tekirdağ
  45. Hüseyin Özarslan: Sincan
  46. Inan Gök: Tekirdağ
  47. Inayet Mete: Diyarbakır
  48. Isa Yağbasan: Midyat
  49. Ismail Yavuz Gülverik (23): Silivri
  50. Ismet Ayaz: Adıyaman
  51. Ismet Demir:
  52. Izzet Turan: Diyarbakır
  53. Kamil Turanoğlu: Sincan
  54. Kemal Özelmalı: Adana
  55. Latif Badur: Midyat
  56. Lokman Akbaba: Kırıkkale
  57. M. Sıddık Cengiz: Siirt
  58. Mehmet Ali Çelebi: Bolu
  59. Mehmet Emin Özkan: Mardin
  60. M. Emin Akdağ: Van
  61. Mehmet Tapar: Maltepe
  62. Mehmet Temiz: Tokat
  63. Mehmet Yesiltepe: Tekirdağ
  64. Memduh Kılıç: Kırıklar
  65. Mensur Aydın: Bolu
  66. Mesut Deniz: Ankara Sincan
  67. Metin Kara (29): Ümraniye
  68. Mustafa Gök: Sincan
  69. Naci Akyol: Sivas
  70. Nesim Özkan: Bolu
  71. Nesimi Kalkan: Mersin Silifke
  72. Nizamettin Akar: Mus
  73. Nurettin Soysal: Mus
  74. Remzi Aydın: Kocaeli
  75. Salmani Özcan: Sincan
  76. Sedat Kartal: Kandıra
  77. Sedat Erkmen: Batman
  78. Selim Buğrahan: Bingöl
  79. Seyithan Bozdağ: Nevsehir
  80. Seyran Gördük: Alanya
  81. Sevgi Saymaz: Usak
  82. Sibel Kurt (24): Gebze
  83. Süleyman Erol: Kırıklar
  84. Sevket Öznur: Sakarya
  85. Talat Sanlı: Sivas
  86. Taylan Çintay: Gaziantep
  87. Temino Baysal: Siirt
  88. Veysi Özer: Diyarbakır
  89. Ufuk Keskin: Kandıra
  90. Yasar Ince: Sincan
  91. Yılmaz Çelikal: Alanya
  92. Yusuf Kaplan: Elazığ
  93. Yusuf Kenan Dinçer: Sivas
  94. Zeliha Bulut: Sincan
  95. Zeynel Abidin Simsek: Edirne
  96. Zeynel Karabulut: Sincan
  97. Ziya Ergezer: Tekirdağ

Überwachte Freiheit

Radikal vom 20.07.2010
Erfolg bei überwachter Freiheit

zur Originalnachricht

In einer Antwort des Justizministers Sadullah Ergin auf eine Anfrage der Abgeordneten Ayla Akat (BDP) wurden Angaben zur überwachten Freiheit gemacht (relevante Gesetzestexte, die im Juni 2005 eingeführt wurden, sind unter http://ob.nubati.net/de/reue.html zu finden). Bei Strafen unter 2 Jahren Haft ist es möglich, die Strafe unter Bedingungen wie "Bäume pflanzen, soziale Dienste verrichten oder Bücher zu lesen" auszusetzen. Von dieser Möglichkeit wurde 2006 15.525 Mal, 2007 42.042, 2008 64.744, 2009 78.775 und bis zum Mai 2010 43.313 Mal Gebrauch gemacht. Darunter waren 6.025 Kinder und Jugendliche. Von den 234.899 Personen, bei denen auf überwachte Freiheit entschieden wurde, sind 571 wieder straffällig geworden. 64.314 Personen haben gegen die Auflagen verstoßen.

Gefängnisse

Gündem Online, 08.06.2010
http://www.gundem-online.net/haber.asp?haberid=92180
In der Türkei werden 86 neue Gefängnisse gebaut
Nach den Statistiken, die der Justizminister Sadullah Ergin auf die Anfrage des BDP-Abgeordneten aus Batman, Bengi Yıldız, zur Verfügung stellte, sollen zwischen 2010 und 2015 in der Türkei 86 neue Justizvollzugsanstalten errichtet werden. Sie sollen 40.026 Personen aufnehmen können und über 1 Milliarde TL kosten.
Ergins Statistiken zufolge wird die Türkei zu halb offenen Gefängnissen zurückkehren. Ende 2002 gab es 524 Haftanstalten mit einer Aufnahmekapazität von 73.725, bis 2010 stieg die Zahl der Gefängnisse um 52. Seit dem 31. März liegt die Belegung bei 107%, d.h. die Gefängnisse sind mit 8.201 Personen überbelegt.
Nach der Statistik des Ministeriums sind 2002 folgende Gefängnisse eröffnet worden: Bayburt (Typ M) mit 295 Plätzen, Diyarbakır (Typ D) mit 688 Plätzen, Ankara Nr. 2 (Typ F) mit 368 Plätzen, Izmir Nr.2 (Typ F) mit 368 Plätzen und Tekirdağ Nr.2 (Typ F) mit 550 Plätzen.
In 2003 wurden das Gefängnis Adana (Typ F) mit 368 Plätzen, die offene Strafanstalt Bozüyük mit 160 Plätzen und die Haftanstalt Kocaeli Nr.2 (Typ F) mit 368 Plätzen errichtet.
2004 wurden das Gefängnis in Denizli (Typ D) mit 1044 Plätzen und die offene Vollzugsanstalt für Frauen in Denizli mit 350 Plätzen erbaut.
2005 wurden Gefängnisse in Sarayköy, Kırıkhan, Van und Sakarya mit insgesamt 1246 Plätzen eröffnet. (…)
2006 werden in Ankara 5 Gefängnisse mit 3.701 Plätzen errichtet, in Ümraniye eins mit 1000 Plätzen, in Çorum eins mit 1250 Plätzen.
2007 werden 8 Gefängnisse mit insgesamt 7.858 Plätzen eröffnet. Zeitgleich mit dem Ergenekon-Prozess werden in Silivri die Gefängnisse Nr.6, 7 und 8 sowie eine offene Vollzugsanstalt errichtet mit 3.990 Plätzen.
2008 kommen in Silivri die Gefängnisse Nr.3, 4 und 5 mit 3.750 Plätzen hinzu.
2008 wurden in der Türkei 13 Gefängnisse gebaut mit 12.049 Plätzen, 2009 6 mit 3.908 Plätzen und 2010 4 mit 3.700 Plätzen.
Die Türkei investiert in Gefängnisse
Das Justizministerium plant weitere Gefängnisse in Silivri (Nr.1 und 2 vom Typ L) mit 2.500 Plätzen. Die Kosten dafür werden sich auf 221.634.527 TL belaufen. In 2011 sollen offene Strafvollzugsanstalten in Adana mit 240 Plätzen, in Ardahan mit 376 Plätzen, Kindergefängnisse in Sincan, Erzurum und Izmir mit jeweils 150 Plätzen, ein privates Gefängnis in Artvin mit 150 Plätzen und eine offene Vollzugsanstalt in Kırklareli mit 480 Plätzen eröffnet werden. Sie werden den Staat 510 Millionen TL kosten.
32 neue Gefängnisse in 2012
Den Statistiken zufolge plant das Justizministerium, die Türkei im Jahre 2012 in einen Gefängnisstaat umzuwandeln. Das Ministerium plant allein in diesem Jahr die Eröffnung von 32 Gefängnissen mit insgesamt 17.286 Plätzen. Die Kosten werden mit 550.470.000 TL berechnet. In 2013 sind 11 neue Gefängnisse mit 5.480 Plätzen geplant. Die Kosten werden mit 327 Millionen TL angegeben.
In 2014 plant das Ministerium 22 neue Gefängnisse mit 9.410 Plätzen für 162 Millionen TL.
In 2015 sind 12 Gefängnisse mit 5.350 Plätzen geplant, die 25.500.000 TL kosten sollen.

Radikal, 14.07.2010
Kein Platz in den Gefängnissen!
Nach den Daten der Generaldirektion der Gefängnisse des Justizministeriums gibt es in der Türkei seit dem 1. Juli 2010 369 Gefängnisse inklusive der Kindererziehungsheime. Die Zahl der Plätze dieser Einrichtungen liegt bei 110.740. Seit dem 30. April 2010 befinden sich 39.138 Untersuchungsgefangene, 20.069 Inhaftierte im Revisionsverfahren und 59.905 verurteilte Gefangene, insgesamt also 119.112 Gefangene.
Soviel Untersuchungsgefangene wie verurteilte Gefangene
Ein anderer interessanter Punkt ist, dass die Zahl der Untersuchungsgefangenen und der im Revisionsverfahren Inhaftierten mit 59.207 ähnlich hoch liegt wie die der rechtskräftig verurteilten Gefängnisinsassen mit 59.905. Der Statistik des Ministeriums zufolge hat sich im Laufe der Jahre die Zahl der Untersuchungsgefangenen der Zahl der verurteilten Gefangenen angenähert. Im letzten Jahr gab es 56.581 verurteilte Gefangene und 59.759 Untersuchungsgefangene.

Politische Gerichtsverfahren

Radikal, 03.07.2010
17,5 Jahre Haft für Metin Kaplan
İSTANBUL – Metin Kaplan, der beschuldigt wird, Anführer des illegalen 'islamischen Bundesstaates Anatolien / der Vereinigung islamischer Gemeinden und Gesellschaften' (Anadolu Federe İslam Devleti/İslami Cemaat ve Cemiyetler Birliği) zu sein und 'die Verfassungsordnung zu verändern' und zu lebenslanger Haftstrafe verurteilt worden war, wurde mit der Entscheidung vom Revisionsgericht wegen der 'Gründung und Leitung einer Terrororganisation' mit 17,5 Jahren Haft bestraft. In dem Urteil, welches in der Verhandlung am 14. Schwurgericht Istanbul gefällt wurde und in dem es hieß, dass das neue türkische Strafrecht zugunsten des Angeklagten Kaplan sei, wurde er zu 21 Jahren Haft verurteilt aufgrund der 'Gründung und Leitung einer terroristischen Vereinigung'. Die Strafe wurde aus Strafmilderungsgründen auf 17,5 Jahre abgesenkt.