Massengräber werden zu einem aktuellen Thema
Der Hungerstreik einer einzelnen Person in der Provinz Tunceli hat das Thema Massengräber wieder auf die Tagesordnung gebracht. Hamide Akbayir, Abgeordnete der Partei DIE LINKE, besuchte Ende Juli 2011 Hüsnü Yildiz (Mürsel), der sich anlässlich eines aufgefundenen Massengrabs in einem Todesfasten befand. Unter den 19 Gebeinen sollen sich auch die seines Bruders Ali Yildiz befinden, deren öffentliche Bergung er fordert.
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Das Massengrab in Tunceli
Am 1. April 1997 kamen in Dêrsim (Tunceli) bei einer bewaffneten Auseinandersetzung 19 Kämpfer der PKK ums Leben. Der Antrag auf Öffnung des Massengrabs blieb ohne Resonanz. Als auch der Antrag von Hüsnü Yildiz zur Bergung des Leichnams seines Bruders Ali Yildiz unbeantwortet blieb, trat er in ein Todesfasten ein.[1] Hürriyet vom 12.08.2011 meldete, dass die Ausgrabungen begonnen haben, nachdem Hüsnü Yıldız 64 Tage im Hungerstreik war.[2]
Der Vorfall hatte sich seinerzeit im Kreis Çemişgezek ereignet. Die Öffnung des Grabs wurde vom Staatsanwalt Şeref Gürkan vom Gericht mit Sonderbefugnissen in Malatya angeordnet. Als Zeugen waren der CHP Abgeordnete für Tunceli, Hüseyin Aygün, die Bürgermeisterin von Tunceli, Edibe Şahin, der Bürgermeister von Pertek, Kenan Çetin und der Bürgermeister von Hozat, Cevdet Konak anwesend. Radikal vom 13.08.2011 meldete, dass die Ausgrabungen vorläufig beendet wurden. Seit zwei Tagen waren Ausgrabungen an verschiedenen Stellen vorgenommen worden und es wurden Knochen gefunden, die 15 verschiedenen Personen zugerechnet werden. Die Gebeine wurden an die Rechtsmedizin in Malatya geschickt, um sie einem DNA Test zu unterziehen. Aus der Familie von Hüsnü Yıldız wurde DNA Material besorgt, das mit den Funden verglichen werden soll.
Die Untersuchung des IHD Diyarbakir
Schon im Februar 2011 hatte die Zweigstelle Diyarbakir des Menschenrechtsvereins IHD das Ergebnis einer Studie zu Massengräbern herausgegeben.[3] Das DTF präsentiert Auszüge daraus.
Die Existenz von Massengräbern in der Region kam erstmals im Jahr 1989 an die Öffentlichkeit. Damals hatte der Journalist Günay Aslan eine Recherche durchgeführt und festgestellt, dass es in Newala Qasaba (= Kasaplar Deresi) in der Provinz Siirt viele Leichen geben müsse. Aslan war im Zuge seiner Recherchen auf die Namen von 73 Personen gestoßen. Auf die Behauptung hin, dass Massengräber existierten, wurde damals auf Betreiben der Vertreter bestimmter politischer Parteien eine Grabung im Tal von Kasaplar Deresi durchgeführt; als Ergebnis dieser Grabung stieß man auf ein Grab, in dem sich die sterblichen Überreste von acht Personen befanden.
Dass es auch Massengräber gibt, deren Entstehung in die Jahre nach 1989 datiert, war stets bekannt. Wegen der von gewaltsamen Auseinandersetzungen bestimmten politischen Atmosphäre in den 90er Jahren war es jedoch lediglich zur Entstehung von immer weiteren Massengräbern gekommen; diese Massengräber etwa öffnen zu lassen, stand jedoch nie zur Debatte; auch die Umstände, die zur Existenz dieser Massengräber geführt hatten, wurden politisch nie thematisiert.
Letztlich drangen die Massengräber allerdings erst in den Jahren 2003, 2004, 2005 und in den Folgejahren massiv ins Bewusstsein der Öffentlichkeit. Im Jahr 2003 wurden in der Provinz Diyarbakır/Kreis Kulp im zum Dorf Bağcılar gehörigen Weiler Düzpelit Mezrası die Knochen von 8 Zivilisten, im Jahr 2004 wiederum in der Provinz Diyarbakır/Kreis Kulp im zum Dorf Alacaköy gehörigen Weiler Kepre Mezrası die Knochen von 11 Dorfbewohnern aus Massengräbern zutage gefördert; außerdem führten die als Folge der Bekenntnisse von Abdulkadir Aygan2 in Silopi an bestimmten Stellen durchgeführten Grabungsarbeiten und die dabei gefundenen Gebeine von Zivilpersonen allseits vor Augen, was für einer furchtbaren Realität unsere Region gegenübersteht. Von diesem Zeitpunkt an setzte nunmehr ein stetiger Zufluss an Informationen über Dutzende von Massengräbern ein, sei es an unseren Verein, sei es an Presseorganisationen oder andere Medien.
MENSCHENRECHTSVEREIN Zweigstelle Diyarbakır
Diyarbakır Branch of HUMAN RIGHTS ASSOCIATION
Ali Emiri 1. Sok., Yılmaz 2004 Apt. Nr. 1/3,
Yenişehir/Diyarbakır
Tel.: 0.412.223 30 33, 229 58 66
Fax: 0.412.223 57 37
E-Mail: diyarbakir@ihd.org.tr
Inzwischen hat der IHD in Diyarbakir (wieder) eine neue Homepage, auf der es auch eine Karte mit der Lage der Massengräber gibt.
Massengräber, deren Existenz behauptet wird:
Provinz Siirt
- 1989 – Siirt-Zentrum, Newala Qasaba (Kasaplar-Deresi-Tal) – 73 Personen, die mehrheitlich PKK-Kämpfer waren. (Es liegen Informationen darüber vor, dass die Zahl der Personen in diesem Grab möglicherweise höher liegt).
- September 1990 – Kreis Eruh – Die Leichen von 9 bei bewaffneten Auseinandersetzungen im ländlichen Gebiet hinter der Ortsgrenze des Dorfes Eynê ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern wurden in einem Massengrab auf dem Friedhof im Zentrum von Eruh begraben.
- 1991 – Kreis Şirvan, ländliches Gebiet hinter der Ortsgrenze des Dorfes Tawan – Dorffriedhof, auf dem 8 von 10 bei bewaffneten Auseinandersetzungen ums Leben gekommene PKK-Kämpfer kollektiv in einem Massengrab, die beiden anderen PKK-Kämpfer in einem anderen Massengrab begraben wurden.
- 1991 – ländliches Gebiet hinter der Ortsgrenze des Dorfes Şawiran – Massengrab mit 3 bei bewaffneten Auseinandersetzungen ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern.
- 1992–93 – Kreis Baykan/Dorf Çevirimtepe (Girdika)/Weiler Taxik – 2 Massengräber am Bachufer im Weiler Taxik mit 13 bei bewaffneten Auseinandersetzungen ums Leben gekommenen und in zwei Gruppen begrabenen PKK-Kämpfern.
- 1992 – Kreis Şirvan/Dorf Komik (Banerxan), ländliches Gebiet hinter der Dorfgrenze – Massengrab mit 17 bei bewaffneten Auseinandersetzungen ums Leben gekommenen und von Soldaten an einer Stelle dicht hinter dem Dorf begrabenen PKK-Kämpfern.
- 1993 – Kreis Eruh/Dorf Ergüven (Baluka)/Ortsteil Koza – Massengrab mit 4 bei bewaffneten Auseinandersetzungen ums Leben gekommenen und von Soldaten begrabenen PKK-Kämpfern.
- 1993 – Kreis Baykan/Dorf Kikan – Grab mit 2 bei bewaffneten Auseinandersetzungen ums Leben gekommenen und von Soldaten begrabenen PKK-Kämpfern.
- 1993 – Kreis Kurtalan/Dorf Yeşilkonak (Kadîya), ländliches Gebiet hinter der Dorfgrenze – Massengrab mit 7 bei bewaffneten Auseinandersetzungen ums Leben gekommenen und im unteren Teil des Dorfes begrabenen PKK-Kämpfern.
- 1994 – Kreis Şirvan/Dorf Harat, ländliches Gebiet hinter der Dorfgrenze – Massengrab mit 6 bei bewaffneten Auseinandersetzungen ums Leben gekommenen und von durch Soldaten dazu gezwungenen Dorfbewohnern an einer Stelle dicht hinter dem Dorf begrabenen PKK-Kämpfern.
- 1994 – Siirt-Zentrum/Dorf Ekmekçiler (Binêve), Garten der Gendarmeriestation – 2 bei bewaffneten Auseinandersetzungen ums Leben gekommene und von Soldaten im Garten der Gendarmeriestation begrabene PKK-Kämpfer.
- 1999 – Kreis Kurtalan/Ortschaft Gözpınar, Bachbett im Ortsteils Toytepe – Massengrab mit 10 in einem militärischen Hinterhalt ums Leben gekommenen und von Soldaten begrabenen PKK-Kämpfern.
- Kreis Eruh/Dorf Yelkesen (Basixrê) – Massengrab mit 7 bei bewaffneten Auseinandersetzungen ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern.
- Kreis Eruh/Dorf Bozatlı (Basnê) – Massengrab mit 3 bei bewaffneten Auseinandersetzungen ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern und 5 von Soldaten getöteten zivilen Einwohnern des Dorfes Bozatlı.
- Es wird außerdem behauptet, es gebe innerhalb der Gebietsgrenzen des Kreises Pervari 7 weitere Massengräber mit den Leichen von annähernd 30 PKK-Kämpfern.
Summe der Gräber in der Provinz Siirt: 15 Gräber/206 Personen
Provinz Bitlis
- 1994 – Kreis Hizan, ländliches Gebiet hinter der Kreisgrenze – Massengrab mit 8 bei bewaffneten Auseinandersetzungen ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern.
- 1994 – Kreis Mutki/Gegend von Arsan Deresi (Newala Warê Hiro) – Massengrab mit 6 von insgesamt 7 in einem militärischen Hinterhalt ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern.
- 1994 – Kreis Tatvan/Dorf Kokarsu (Arpêt)/Gegend von Gelîye Karoka – Massengrab mit 33 PKK-Kämpfern.
- 1994 – Kreis Tatvan, Gipfel des gegenüber dem Kender-Berg gelegenen Bındaki-Berges – Massengrab mit 19 PKK-Kämpfern.
- 1994 – Kreis Tatvan/Weiler Komik/Gegend von Wâre Mahmut – Massengrab mit annähernd 30 Personen in Zivilkleidung.
- 1995 – Kreis Mutki/Dorf Çakalsöğüt (Xaştax) – Massengrab mit 4 bei bewaffneten Auseinandersetzungen ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern.
- 1995 – Bitlis-Zentrum/Gegend von Hora Şêxan und Hora Kurmanca – Massengrab mit 17 bei bewaffneten Auseinandersetzungen in der Schlucht im Şêxcuma-Vadisi-Tal ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern.
- 1996 – Dorf Cengiz, Tal oberhalb der Brücke – Massengrab mit 18 bei bewaffneten Auseinandersetzungen ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern.
- Juni 1996 – Kreis Tatvan/Dorf Pıhok – Massengrab mit 17 bei bewaffneten Auseinandersetzungen ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern.
- 12. Mai 1997 – Bergalm Duav Yaylası – Massengrab mit 28 bei bewaffneten Auseinandersetzungen ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern.
- April 1997 – Kreis Güroymak/Gegend namens „Wasserdepot“ – Massengrab mit 27 bei bewaffneten Auseinandersetzungen ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern.
- Kreis Mutki, Garten der Gendarmerie-Kommandantur – Massengrab im Garten der Kreis-Gendarmerie-Kommandantur mit 3 bei bewaffneten Auseinandersetzungen im Brachland hinter dem Dorf Salman (Kıznu)/Kreis Mutki ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern und einem lebend ergriffenen und anschließend exekutierten PKK-Kämpfers.
- Ortschaft Dikilitaş, zwischen Bitlis und dem Kreis Baykan gelegen – Massengrab mit ungefähr 40 in einem militärischen Hinterhalt ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern.
Summe der Gräber in der Provinz Bitlis: 13 Gräber/251 Personen
Provinz Diyarbakır
- 1992–93 – Kreis Kulp, Brachland außerhalb des Dorfes Goderné – Massengrab mit 14 bei bewaffneten Auseinandersetzungen ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern.
- 1993–94 – Kreis Lice, Brachland außerhalb des Dorfes Zera – Massengrab mit annähernd 30 zu unterschiedlichen Zeiten bei bewaffneten Auseinandersetzungen ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern.
- 1994 – Kreis Lice/Dorf Üçdamlar (Bawerd), östlich der Garage der Polizeistation Üçdamlar – Massengrab mit den Überresten von 10 Leichen, angeblich von PKK-Kämpfern und Zivilisten.
- 1994 – Kreis Kulp, Stelle in der Umgebung von Kaniya Reş, wo sich Çemê Sorun und Çemê Zirey vereinigen – Massengrab mit 14 bei bewaffneten Auseinandersetzungen ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern.
- 1995 – Zentralfriedhof des Kreises Dicle – Massengrab mit 31 von 33 bei einer Militäroperation im Berggebiet zwischen den Dörfern Boğaz Köyü (Gozel) und Kelekçi Köyü (Kelkom) mittels Gift getöteten bzw. standrechtlich erschossenen PKK-Kämpfern, darunter zwei Frauen.
- Oktober 1995 – Kreis Silvan, Brachland außerhalb des Dorfes Erkenci – Grab mit 2 von insgesamt 4 bei bewaffneten Auseinandersetzungen ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern.
- 1995–96 – Bezirksfriedhof Kreis Hani – Massengrab mit 5 bei bewaffneten Auseinandersetzungen auf dem Brachland außerhalb des Dorfes Yukarı Turalı (Şel)/Kreis Hani ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern.
- 1997 – Kreis Silvan, Brachland außerhalb des Dorfes Erkencik (Şawo) – Massengrab mit 3 von 7 bei bewaffneten Auseinandersetzungen ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern.
- 1997 – Kreis Kulp, Brachland am Andok-Berg – Massengrab mit 8 bei bewaffneten Auseinandersetzungen ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern.
- 4. November 1998 – Kreis Kulp/Dorf Karabulak (Nırçık)/Weiler Kepezkaya (Koçıkan) – Massengrab mit 15 bei bewaffneten Auseinandersetzungen ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern.
- 1998 – Kreis Kulp, Brachland außerhalb des Dorfes Koşka – Massengrab mit 17 bei bewaffneten Auseinandersetzungen ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern.
- 1998 – Kreis Lice/Dorf Yünlice/Weiler Dalitê/Ortsteil Goma Hecî Xenî – Grab mit 2 bei verschiedenen bewaffneten Auseinandersetzungen ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern.
- 21. September 1998 – Brachland im Kreis Kulp – Von Soldaten gegrabenes Massengrab für 9 bei bewaffneten Auseinandersetzungen ums Leben gekommene PKK-Kämpfer.
- Kreis Lice, Abhang der Anhöhe Boğa (Kili) Tepesi hinter dem Dorf Sipenin Köyü – Massengrab mit 17 bei bewaffneten Auseinandersetzungen ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern.
- Zentralfriedhof des Kreises Dicle – Massengrab mit 23 bei verschiedenen bewaffneten Auseinandersetzungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten ums Leben gekommenen und jeweils in Dreier- bzw. Fünfergruppen beerdigten PKK-Kämpfern.
- Kreis Dicle, ländliches Gebiet außerhalb des Dorfes Boğaz (Gozel) – Massengrab mit 3 bei bewaffneten Auseinandersetzungen ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern.
- Kreis Dicle, ländliches Gebiet außerhalb des Dorfes Değirmenci (Zığrê) – Grab mit 2 bei bewaffneten Auseinandersetzungen ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern.
- Kreis Dicle/Dorf Kurşunlu (Pirejman)/Deştek-Feld – Massengrab mit 4 bei bewaffneten Auseinandersetzungen ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern.
- Kreis Dicle/Dorf Kırkpınar (Herîdan) hinter dem Weiler Turnaqraq – Massengrab mit 7 bei bewaffneten Auseinandersetzungen ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern.
Summe der Gräber in der Provinz Diyarbakır: 19 Gräber/216 Personen
Provinz Van
- Juni 1993 – Kreis Erciş, Friedhof Seyit Muhammet – Massengrab mit 4 bei bewaffneten Auseinandersetzungen im Brachland außerhalb des Dorfes Zilan/Kreis Erçis ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern (drei Männer, eine Frau).
- 1994 – Kreis Özalp, Brachland außerhalb des Dorfes Kırkçalı – Massengrab mit 10 bei bewaffneten Auseinandersetzungen ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern, die von Soldaten an einer Stelle in der Nähe des Dorfes kollektiv vergraben wurden.
- 1994 – Kreis Gürpınar/Dorf Yalınca (Dim) – Massengrab mit 42 bei bewaffneten Auseinandersetzungen im oberen Teil des Dorfes Tüzek/Kreis Gürpınar und im zwischen Hakkari, Şırnak und Van gelegenen Gebiet Çiyareşk ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern (darunter eine Frau); außerdem mit den Leichen von 3 bei einer anderen bewaffneten Auseinandersetzung ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern.
- 1995 – Kreis Gürpınar, Brachland außerhalb des Dorfes Taşraca – Massengrab mit 45 infolge Flugzeug-Bombardements und aus der Luft abgeworfener Giftgas-Bomben zu Tode gekommenen PKK-Kämpfern, deren Leichen übereinander in eine von Soldaten ausgehobene und dann mit Erde zugeschüttete Grube geworfen wurden.
- 1995 – Kreis Özalp, Friedhof des Dorfes Kırkçalı (Hezaré) – Massengrab mit 5 bei bewaffneten Auseinandersetzungen ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern.
- 1997 – Kreis Bahçesaray, Anhöhe Kirapet – Grab eines bei bewaffneten Auseinandersetzungen ums Leben gekommenen PKK-Kämpfers.
- November 1997 – Kreis Başkale/Dorf Akçalı (Sewkan) – Massengrab mit 7 bei bewaffneten Auseinandersetzungen ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern.
- 12. Oktober 1998 – Dorf Gevaş Atalan (Ertelan), links vom Eingang des Dorffriedhofs – Massengrab mit 6 bei bewaffneten Auseinandersetzungen in der Steppe des Grenzgebiets der Kreise Gevaş, Bahçesaray und Çatak ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern.
- 12. Oktober 1998 – Steppe des Grenzgebiets der Kreise Gevaş, Bahçesaray und Çatak – Massengrab mit 26 bei bewaffneten Auseinandersetzungen in demselben Gebiet ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern.
Summe der Gräber in der Provinz Van: 9 Gräber/149 Personen
Provinz Batman
- Juli 1993 – Höhle in dem zwischen den Kreisen Sason und Kozluk gelegenen Berg Halqis – Massengrab mit 11 bei bewaffneten Auseinandersetzungen ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern, wobei diese durch bei diesen bewaffneten Auseinandersetzungen eingesetztes Giftgas getötet worden sein sollen.
- 1995 – Kreis Gercüş, Brachland hinter dem Dorf Behiva – Massengrab mit 13 bei bewaffneten Auseinandersetzungen ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern (darunter 3 Frauen), deren Leichen in eine von Soldaten ausgehobene und dann mit Erde zugeschüttete Grube geworfen wurden.
- 1998 – Kreis Kozluk/Dorf Yanıkkaya (İsmailka) – Massengrab mit 10 bei bewaffneten Auseinandersetzungen ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern (darunter 3 Frauen).
- 1998 – Kreis Sason, Brachland hinter den Dörfern Balbaşı (Heribê) und Sergawê – Massengrab mit 18 bei bewaffneten Auseinandersetzungen ums Leben gekommenen und von Soldaten kollektiv begrabenen PKK-Kämpfern.
- 22. August 1998 – Kreis Kozluk/Gemeinde Bekirhan, Brachland hinter dem Dorf Bınuniyê – Massengrab mit 11 mehrheitlich unbewaffneten PKK-Kämpfern.
- Februar 1999 – Kreis Sason, Tal zwischen den Dörfern Tanzê und Heribê – Massengrab mit 17 bei bewaffneten Auseinandersetzungen ums Leben gekommenen, mehrheitlich unbewaffneten PKK-Kämpfern und 2 Hirtenjungen (9- und 11-jährig) aus dem Dorf Tanzê.
- 23. Februar 1999 – Batman-Zentrum, Brachland hinter dem Dorf Çayüstü (Bedâ) – Massengrab mit drei bei bewaffneten Auseinandersetzungen ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern.
- 11. März 1999 – Kreis Sason/Gebietsabschnitt Golav – Massengrab mit 17 bei bewaffneten Auseinandersetzungen ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern.
Summe der Gräber in der Provinz Batman: 8 Gräber/102 Personen
Provinz Hakkari
- 1993 – Wegrand im Gebiet Büyükçiftçilık vor der Ortseinfahrt zur Stadt Hakkari – Massengrab mit 5 bei bewaffneten Auseinandersetzungen ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern.
- 1993 – Kreis Şemdinli, Bataillon Derecik – Massengrab mit 30 bei einem Angriff auf das Bataillon Derecik ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern, deren Leichen kollektiv im Garten des Bataillons begraben wurden.
- 1994 – Kreis Şemdinli, Garten des Bataillons für Innere Sicherheit Derecik – Massengrab mit 14 standrechtlich erschossenen Personen, darunter 12 Dorfschützer, die zuvor im Dorf Ormancık festgenommen worden waren und anschließend spurlos verschwunden blieben.
- 1998 – Brachland außerhalb des Dorfes Demirli – Massengrab mit 8 von 12 bei bewaffneten Auseinandersetzungen ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern.
- Dorf Çaltıkuru (Sêvîn)/Gebietsabschnitt Gola Gewro – Massengrab mit 3 bei bewaffneten Auseinandersetzungen ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern.
- Kreis Şemdinli, oberer Teil des Dorfes Örencik (Bênavok) – Massengrab mit 8 bei einer bewaffneten Auseinandersetzung getöteten PKK-Kämpfern, die dadurch ums Leben gekommen sein sollen, dass sie in Brand gesteckt wurden.
Summe der Gräber in der Provinz Hakkari: 6 Gräber/68 Personen
Provinz Bingöl
- 1996 – Kreis Genç, Zusammenfluss von zwei durch den unteren Teil des Dorfes Büyükçağ (Hegaderê) fließenden Bächen – Massengrab mit 3 bei der Militäroperation Atmaca ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern.
- 6. März 1998 – Kreis Yedisu – Massengrab mit 30 bei bewaffneten Auseinandersetzungen im Weiler Tuzluca des Dorfes Akımlı (Dînik)/Kreis Yedisu ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern.
- 24. September 2000 – Kreis Yedisu/Weiler Goma Kotan, Garten der Kommandostelle der Gendarmerie-Kommandantur Yedisu – Grab mit 4 von ursprünglich 5 PKK-Kämpfern, die von den Soldaten lebend ergriffen und anschließend getötet worden waren, bevor sie später von Soldaten im Garten der Kommandostelle begraben wurden.
- Berg Seli, zwischen den Kreisen Lice und Hani (beide in der Provinz Diyarbakır) und dem Kreis Genç (in Bingöl) gelegen – Massengrab mit 8 bei bewaffneten Auseinandersetzungen ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern.
- Brachland zwischen dem Kreis Genç und dem Kreis Lice (Provinz Diyarbakır) – Massengrab mit insgesamt 12 Personen, davon 4 Zivilisten und 8 PKK-Kämpfer.
Summe der Gräber in der Provinz Bingöl: 5 Gräber/57 Personen
Provinz Şırnak
- 6. März 1994: Şırnak-Zentrum/Dorf Giver (Kuşkonar) – Nach einem Luftangriff mit Giftgas-Bomben auf das Dorf waren 24 Dorfbewohner, darunter 6 Babys, ums Leben gekommen; der Angriff war mit der Begründung erfolgt, im Dorf befänden sich PKKler. Die Leichen der Dorfbewohner wurden auf Druck des Militärs in einem Massengrab begraben.
- 1993 – Kreis Silopi/Dorf Görümlü, Garten des Bataillons Görümlü – Massengrab mit 6 getöteten Dorfbewohnern, die 1993 im Dorf Görümlu von Soldaten festgenommen und zur Polizeistation gebracht worden waren, woraufhin sie ohne ein weiteres Lebenszeichen verschwunden blieben.
- Friedhof des Kreises Silopi – Massengrab mit annähernd 50 in den 90er Jahren verschleppten und anschließend getöteten Zivilisten.
- Kreis Silopi, Anlagen der Firma BOTAŞ, Gruben des JİTEM-Stabshauptquartiers – Massengrab mit Dutzenden von verschleppten Zivilisten und bei bewaffneten Auseinandersetzungen ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern.
(Genaue Zahl der im Massengrab befindlichen Leichen unbekannt) Summe der Gräber in der Provinz Şırnak: 4 Gräber/80 Personen
Provinz Mardin
- 1990 – Friedhof der Stadt Mardin – Massengrab mit 11 bei bewaffneten Auseinandersetzungen im Brachland des Kreises Savur ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern.
- 1994 – Kreis Nusaybin/Berg Bagok/Weiler Üçköy – Massengrab mit 4 bei bewaffneten Auseinandersetzungen ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern.
- 1994 – Kreis Nusaybin/Berg Bagok – Massengrab mit 17 bei bewaffneten Auseinandersetzungen ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern.
- 1993 – Kreis Derik, Friedhof für Tote ohne Angehörige – Massengrab mit 3 von der JİTEM verschleppten und festgehaltenen und danach spurlos verschwunden gebliebenen Zivilisten.
Summe der Gräber in der Provinz Mardin: 4 Gräber/35 Personen
Provinz Elazığ
- Zwischen 1993 und 2010 – Elazığ, Asri-Friedhof – Massengrab mit annähernd 50 bei bewaffneten Auseinandersetzungen im Brachland von Karakoçan, Kovancılar, Maden, Arıcak, Pertek und Dersim ums Leben gekommenen Personen.
Summe der Gräber in der Provinz Elazığ: 1 Grab/50 Personen
Provinz Ağrı
- 1989–1994 – Kreis Diyadin – Massengrab mit 36 bei verschiedenen bewaffneten Auseinandersetzungen im Brachland des Tendürek-Berges ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern und mit 5 Zivilisten.
Summe der Gräber in der Provinz Ağrı: 1 Grab/41 Personen
Provinz Dersim
- April 1997 – Brachland des Kreises Çemişgezek – Massengrab mit 19 bei bewaffneten Auseinandersetzungen im Weiler Aliboğazı ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern.
Summe der Gräber in der Provinz Dersim: 1 Grab/19 Personen
Provinz Iğdır
- 1994 – Kreis Tuzluca, Friedhof von Tuzla – Massengrab mit 14 bei bewaffneten Auseinandersetzungen im Güzeldere-Tal (Kreis Kağızman/Provinz Kars) ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern, darunter 4 Frauen; die Gruppe bestand ursprünglich aus 16 PKK-Kämpfern.
Summe der Gräber in der Provinz Iğdır: 1 Grab/14 Personen
Provinz Gaziantep
- 15. August 1994 – Kreis İslahiye, Friedhof der Stadt – Massengrab mit 10 bei bewaffneten Auseinandersetzungen im Gebiet zwischen İslahiye und Kilis ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern.
Summe der Gräber in der Provinz Gaziantep: 1 Grab/10 Personen
Summe der Gräber insgesamt: 88 Gräber/1298 Personen
Gefundene Massengräber:
- 1989 – Provinz Siirt, Zentrum/Newala Qasaba (Kasaplar Deresi) – Als Ergebnis einer von der Staatsanwaltschaft durchgeführten Grabung stieß man auf die sterblichen Überreste von 8 Personen.
- 1993 – Provinz Diyarbakır/Kreis Kulp/Dorf Alacaköy/Weiler Kepre – Das Massengrab mit 11 nach ihrer Festnahme vom Militär ermordeten Dorfbewohnern wurde auf Betreiben des Menschenrechtsvereins İHD am 4. November 2004 von der Staatsanwaltschaft geöffnet.
- 1994 – Provinz Diyarbakır/Kreis Kulp/Dorf Bağcılar/Weiler Düzpelit/Ortsteil Kevrêkok – Das Massengrab mit 8 Zivilisten wurde am 9. Mai 2003 gefunden.
- 10. Juni 1994 – Provinz Şırnak/Kreis Silopi/Dorf Çukurca (Kortûk)/Bozamir-Tal – Der Leichnam des von der JİTEM entführten und seitdem verschwundenen Murat Aslan wurde auf Betreiben des İHD nach dem Bekenntnis von Abdulkadir Aygan und seiner Beschreibung der Lage des Grabes im April 2004 gefunden und ausgegraben.
- 28. Mai 1994 – Provinz Diyarbakır/Kreis Lice/Dorf Yalımlı (Xosar) – Die Gebeine des von Sicherheitskräften verschleppten Bahri Budak (61) und seines Enkels Metin Budak (14) wurden als Ergebnis des Betreibens des İHD im Mai 2005 ausgegraben.
- Provinz Şırnak/Kreis Silopi, Friedhof von Silopi – Als Ergebnis einer Grabung wurden die Leichen von 4 von annähernd 50 in den 90er Jahren verschleppten und umgebrachten Zivilisten gefunden.
- 3. Juni 1994 – Provinz Urfa/Kreis Suruç/Dorf Bilgen/Weiler Akdoğan (Xeremsar) – Die sterblichen Überreste des nach seiner Festnahme spurlos verschwunden gebliebenen Mustafa Saygı wurden am 11. Dezember 2009 zufällig von Schatzsuchern auf ihrer Suche gefunden.
- 21. Juni 1995 – Provinz Mardin, Kalkgrube in der Ortschaft Dereiçi zwischen den Kreisen Savur und Midyat – Auf Betreiben der Anwaltskammer Diyarbakır wurde die Kalkgrube, in der die Leichen von 7 bei bewaffneten Auseinandersetzungen ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern begraben waren, geöffnet und die Knochen in die Gerichtsmedizin überführt.
- 1995 – Provinz Batman/Kreis Gerçüş/Dorf Yayladüzü/Ortsteil Bahavi – Das Massengrab mit 13 bei bewaffneten Auseinandersetzungen im Jahr 1995 ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern wurde auf Betreiben des Menschenrechtsvereins İHD am 9. Juni 2010 von der Staatsanwaltschaft geöffnet, wobei man auf die Gebeine von 11 Personen stieß.
- 1995 – Elazığ, Friedhof für Tote ohne Angehörige – Auf Betreiben des Menschenrechtsvereins İHD wurden die sterblichen Überreste von Hasan Ergül, der im Kreis Silopi/Provinz Şırnak von der JİTEM verschleppt worden war und seither als vermisst galt, im April 2009 in einem Grab für Tote ohne Angehörige gefunden.
- 1997 – Provinz Diyarbakır/Kreis Lice/Dorf Dibek – Als Ergebnis einer auf Betreiben des Menschenrechtsvereins İHD von der Staatsanwaltschaft durchgeführten Grabung wurden im Juli 2009 die sterblichen Überreste von Sadık Ulumaskan und seines Sohnes Seyithan Ulumaskan gefunden, die von Angehörigen der JİTEM festgenommen worden waren und seither als vermisst galten.
- 26. Dezember 1997 – Provinz Diyarbakır, Friedhof des Dorfes Bismil Kefnecal (Alabal) – In einem Grab, das aufgrund der Behauptung geöffnet wurde, in ihm befinde sich die Leiche des verschleppten und seither als vermisst geltenden Mehmet Özdemir, wurden die Gebeine einer Person gefunden.
- Diyarbakır, Mardınkapı-Friedhof – Zur Klärung des Verbleibs von 7 verschleppten und seither als vermisst geltenden Personen wurden auf Betreiben des Menschenrechtsvereins İHD bei von der Staatsanwaltschaft durchgeführten Grabungen die Gebeine von 4 Personen gefunden.
- 1988–1997 – Provinz Bingöl/Kreis Genç – Auf Betreiben des Menschenrechtsvereins İHD wurden bei einer von der Staatsanwaltschaft durchgeführten Grabung am 11. Oktober 2009 die Leichen von 38 bei bewaffneten Auseinandersetzungen ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern gefunden.
- Provinz Bitlis/Kreis Mutki, Militär-Müllhalde – Auf Betreiben des Menschenrechtsvereins İHD wurde die Müllhalde, die angeblich die vergrabenen Leichen von 36 bei verschiedenen bewaffneten Auseinandersetzungen in den 90er Jahren ums Leben gekommenen PKK-Kämpfern enthalten sollte, von der Staatsanwaltschaft aufgegraben, wobei man in zwei Massengräbern auf die Gebeine von 18 Personen stieß.
- 90er Jahre – Istanbul, Diyarbakır, Tarsus, Konya, Ankara, Batman, Cizre – In von der Hizbullah an 10 verschiedenen Stellen errichteten sogenannten „Häusern des Todes“ stieß man im Jahr 2000 auf die Leichen von 54 Personen.
Summe der gefundenen Gräber: 26 Gräber/171 Personen
Zusammenfassende Übersicht der Massengräber
Massengräber, deren Existenz behauptet wird:
| ORT | DATUM | MASSENGRÄBER | ZIVILISTEN/PKK-KÄMPFER |
| SİİRT | 1989–1999 | 15 | 5/201 |
| BİTLİS | 1994–1999 | 13 | 30/221 |
| DİYARBAKIR | 1992–1999 | 19 | 10/206 |
| VAN | 1993–1999 | 9 | 149 PKK |
| BATMAN | 1993–1999 | 8 | 2/100 (6 Frauen – 11 Unbewaffnete) |
| HAKKARİ | 1993–1999 | 6 | 2/54 und 12 Dorfschützer |
| BİNGÖL | 1996–2000 | 5 | 4/53 |
| ŞIRNAK | 1994 | 4 | 80/Dutzende PKK-Kämpfer |
| MARDİN | 1990 | 4 | 3/35 PKK-Kämpfer |
| ELAZIĞ | 1993–2010 | 1 | 50 PKK-Kämpfer |
| AĞRI | 1989–1994 | 1 | 5/36 |
| DERSİM | 1997 | 1 | 19 PKK-Kämpfer |
| IĞDIR | 1994 | 1 | 16 PKK-Kämpfer (4 Frauen) |
| GAZİANTEP | 1994 | 1 | 10 PKK-Kämpfer |
| SUMME | - | 88 Massengräber | 136 zivil, 1150 PKK, 12 Dorfschützer) |
Nach einer Meldung in der Tageszeitung Radikal vom 23. August 2011 hat der CHP Abgeordnete für die Provinz Tunceli, Hüseyin Aygün die Frage der Massengräber recherchiert und den Vorschlag gemacht, dass im Parlament eine Wahrheitskommission und eine zur Untersuchung der Massengräber gebildet wird. Zu seinen Recherchen machte er folgende Angaben:
Die Zahl der Toten, die in den Massengräbern beerdigt sein sollen, beträgt 1.538. Bei 279 von ihnen handelt es sich um Zivilisten, während 1.259 bewaffneten Organisationen angehört haben sollen. Fast die Hälfte aller Opfer sind in den Provinzen Bitlis, Diyarbakır und Siirt zu finden, Die meisten zivilen Opfer gab es in der Provinz Şırnak (132). In den Gräbern der Hizbullah sind 54 Zivilisten begraben. Die Anzahl von Massengräbern nach Provinzen liegt bei Hüseyin Aygün etwas höher als beim IHD.
| Provinz | Aygün | IHD |
| SİİRT | 16 | 15 |
| BİTLİS | 14 | 13 |
| DİYARBAKIR | 25 | 19 |
| VAN | 9 | 9 |
| BATMAN | 9 | 8 |
| HAKKARİ | 6 | 6 |
| BİNGÖL | 6 | 5 |
| ŞIRNAK | 7 | 4 |
| MARDİN | 5 | 4 |
| ELAZIĞ | 1 | 1 |
| AĞRI | 1 | 1 |
| TUNCELI | 1 | 1 |
| IĞDIR | 1 | 1 |
| GAZİANTEP | 1 | 1 |
| URFA | 1 | - |
Massengräber in der Provinz Van
Im Juni 2011 berichteten verschiedene Medien (u.a. Radikal vom 20.06.2011) vom Fund eines Massengrabes im ländlichen Gebiet beim Dorf Andiçen im Kreis Çatak (Provinz Van). Der Menschenrechtsverein IHD hatte unter der Leitung des Vorsitzenden der Zweigstelle Van, Sami Görendağ eine Delegation zusammen gestellt, die nach Angaben von 4 überlebenden PKK'lern und Familien, deren Angehörige möglicherweise zu den Opfern gehören, den Ort fanden. Unter den im Oktober 1998 getöteten Militanten soll auch die Deutsche Andrea Wolf sein.
Nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Etkin vom 20.06.2011 sollen insgesamt 41 PKK'ler in dem Grab sein. Neben Andrea Wolf könnte darunter auch ein Kamuran İnalkaç sein.
Milliyet vom 27.07.2011 berichtet vermutlich von einem anderen Massengrab im Kreis Çatak, in dem 26 PKK'ler, die bei einem Gefecht im Jahr 1998 getötet wurden, begraben sein sollen. Dieses Grab soll auf einer Hochweide in der Nähe des Dorfes Görentaş sein. Unter den Getöteten soll sich ein Abdullah Malgaz aus dem Kreis Cizre in der Provinz Şırnak befinden. Der Vorsitzende des İHD in Van, Sami Görendağ sagte dazu, dass dem angeblichen lokalen Befehlshaber der PKK, Abdullah Malgaz der Kopf abgerissen wurden. Neben den getöteten 26 PKK'lern seien auch 14 Dorfschützer, die zuvor als Geiseln genommen worden waren, durch die Bomben, die von Cobra Hubschraubern abgeworfen wurden, getötet worden.
Die Tageszeitung Evrensel vom 06.08.2011 nennt einen weiteren Vorfall. Der Nachricht zufolge soll im Kreis Gürpınar der Provinz Van erst ein Massengrab mit 48 Leichen (getötet im Jahr 1994) und dann ein weiteres Grab mit 5 Leichen, die im Jahr 1998 getötet wurden, gefunden worden. Das erste Grab soll in der Nähe des Dorfes Yalınca (Dim) und das zweite Grab wurde nahe des Dorfes Çepkenli (Pagan) entdeckt. Familienangehörige stellten einen Antrag bei der Staatsanwaltschaft in Gürpınar auf Öffnung der Gräber.
Der Tod von Andrea Wolf
Auf den Seiten von http://www.libertad.de/ finden sich verschiedene Artikel zum Tod von Andrea Wolf (Deckname "Ronahi" oder "Lisa"). Aus diesen Berichten geht hervor:
Andrea Wolf wurde am 22. Oktober 1998 vom türkischen Militärs nach ihrer Gefangennahme während eines Gefechts bei Van/Kurdistan erschossen. Andrea war verwundet - und wurde hingerichtet nachdem sie eine Kooperation mit den Militärs abgelehnt hat. Mit ihr wurden weitere Angehörige der kurdischen Befreiungsarmee festgenommen und ermordet. Während und nach dem Gefecht starben mehr als 30 Genossinnen und Genossen.
Zur Aufklärung der Todesumstände von Andrea Wolf und ihrer Mitkämpfer/innen wurde eine internationale unabhängige Untersuchungskommission (IUK) ins Leben gerufen. Sie soll aufklären, was am 22.10.1998 in Keles/Kurdistan genau geschehen ist. Sie soll die Öffentlichkeit darüber unterrichten, welche völkerrechtlichen, strafrechtlichen und politischen Konsequenzen aus den Untersuchungsergebnissen zu ziehen sind.
Am 8. September 2010 meldete die IUK: "Im Fall der Tötung der Münchnerin Andrea Wolf gibt es nach nunmehr über sieben Jahren ein Urteil gegen den türkischen Staat: In seiner Entscheidung vom 8.6.2010, verurteilt der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) die Türkei wegen eines Verstoßes gegen die Europäische Menschenrechtskonvention (EMRK), weil 'die nationalen Behörden entgegen den Forderungen von Artikel 2 der Konvention keine adäquate und effektive Untersuchung in Bezug auf das Schicksal der Tochter der Klägerin (Anmerkung: die Mutter von Andrea Wolf) geführt haben“. Die Türkei wird darüber hinaus zur Zahlung einer 'angemessenen Genugtuung für die seelischen Leiden' an Lilo Wolf, die Mutter der getöteten Andrea Wolf, verurteilt."
Zu den Mängeln der Ermittlungen habe gehört, dass
- die türkische Justiz nicht nach dem Auffindungsort des Leichnams von Andrea Wolf gesucht hat,
- benannte und vorhandene Zeugen nicht gehört wurden
Im Hinblick auf die von der deutschen Justiz der türkischen Justiz zur Verfügung gestellten Beweise kritisiert der EGMR, dass die sich daraus ergebenden Ermittlungsansätze in keiner Weise für die Aufklärung des Todes von Andrea Wolf genutzt wurden. Diese Kritik bezieht der Gerichtshof explizit auch auf die Missachtung der der türkischen Justiz von der Internationalen unabhängigen Untersuchungskommission (IUK) übermittelten Beweise.[4]
Im Urteil des EGMR werden als Zeugen sowohl Dorfschützer als auch überlebende PKK'ler genannt. So habe der damalige bewaffnete Arm der PKK, die ARGK am 22. Mail 1999 einen Bericht über die Auseinandersetzungen am 23.10.1998 publiziert und dabei gesagt, dass unter den 21 getöteten Mitgliedern auch "Ronahi" (Andrea Wolf) und "Bahoz" (Habib Ibo) gewesen seien. Sie seien lebend gefangen genommen und dann erschossen wurden. Die Überlebenden des Gefechts Zeynep Fırat, Silav (Necmiye Ibrahim), Diyar (Haşim Kaçan) Karker (Sehmuz Filiz) und Şahin (Mehmet Benek) hätten überlebt und hielten sich im Irak auf.
Haşim Kaçan unterschrieb im November 1998 ein Dokument, in dem er bestätigte, dass die Opfer erst nach ihrer Entwaffnung erschossen wurden. Selahattin Elçiçek unterschrieb ein ähnliches Dokument. Beide PKK Mitglieder sprachen davon, dass "Ronahi" entkleidet war. Weitere Dokumente von Zeynep Fırat und Abuzer Arslanoğlu vom November 1998 haben der IUK ebenfalls vorgelegen. Am 1. September 1999 hörte die Untersuchungskommission die Aussage von Zeynep Fırat. Sie erzählte, dass sie und drei weitere Kämpfer sich in einer Höhle aufgehalten hätten. Sie hätten Schreie und Schüsse gehört und als nach dem Ende der Kämpfe aus der Höhle kamen, hätten sie die Leichen und auch Spuren von Schlägen gesehen. Weitere 20 Kämpfer seien gekommen, um die Toten zu beerdigen und zwar nahe einer Brücke von Keleş, außerhalb von Awe Masiro (Beytüşşebap).
Einzelnachweis
- ↑ Siehe den Bericht der Fraktion "Die Linke" in NRW
- ↑ Hürriyet hat auch Fotos von der Aktion publiziert.
- ↑ Eine deutsche Übersetzung gibt es bei nadir.org Informationen von einer Pressekonferenz des IHD Diyarbakır zu den Ergebnissen seiner Untersuchungen, 11.02.2011
- ↑ Das Urteil (Französisch) kann auf den Seiten des EGMR (Suche nach "Wolf-Sorg") gefunden werden.
| Datum | 110811 |
|---|---|
| Sprache | Deutsch |