Folter 2008
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Tode in Polizeihaft oder Gefängnis
TIHV, 03.01.2008
Tod in Polizeihaft in Nusaybin
Die Menschenrechtsstiftung der Türkei erhielt Informationen, dass Halil Kilic auf der Gendarmeriestation in Nusaybin Demirkurt am 12. Dezember 2007 getötet wurde. Halil Kilic war 67 Jahre alt und geistesgestört. Er wurde im Kreis Nusaybin in der Provinz Mardin festgenommen, weil er versuchte, die türkisch-syrische Grenze zu überqueren. Der Menschenrechtsverein IHD gab am 2. Januar zu diesem Vorfall eine Presseerklärung.
TIHV, 29.01.2008
Tod im Gefängnis
Hasan Eroglu -ein Gefangener im F-Typ-Gefängnis Sincan Nr. 2 bei Ankara, wurde mit Bauchschmerzen und Atemnot zur Krankenstation gebracht, er soll trotz aller Behandlung am 26. Januar an einem Herzinfarkt gestorben sein. Eroglu, der 1949 geboren wurde, war 1992 im Kreis Dargecit in der Provinz Mardin inhaftiert und in einem PKK-Verfahren zu lebenslanger Haft verurteilt worden.
bianet.org-Taraf, 06.03.2008
Tod nach Polizeigewalt in Van
Mehmet Deniz (51), der am 5. März bei einer Versammlung für den Weltfrauentag am 8. März in Ercis (Provinz Van) festgenommen worden war, starb im Staatskankenhaus in Van. Zeugen berichteten, dass Polizisten Mehmet Deniz im Polizeibus schlugen. Nach dem Einschreiten der Sicherheitskräfte gegen die Versammlung waren 107 Personen festgenommen und 18 Personen verletzt worden.
ntvmsnbc.com, 28.05.2008; Cumhuriyet, 29.05.2008
Tod in Polizeihaft
Der Sicherheitsdirektor der Provinz Kocaeli Hüseyin Namal behauptete, der Gefangene Selcuk Yildir (28) habe in der Polizeistation Saraybahce am 27. Mai in seiner Zelle Selbstmord begangen, wobei er seinen Gürtel benutzt habe.
Taraf, 03.06.2008
Tod im Gefängnis
Der 28-jährige Ismail Hakki Kaya wurde am 27. März tot im L-Typ Gefängnis von Antalya aufgefunden. Seine Familie hatte eine offizielle Beschwerde eingereicht, da der Leichnam Folterspuren aufwies. Der Vater des Toten gab an, sein Sohn sei kontinuierlich im Gefängnis gefoltert worden und hätte drei Beschwerden bei der Staatsanwaltschaft eingereicht. Diese Eingaben führten jedoch zu keinerlei Ergebnis. Kaya wurde seiner Familie erst zwei Tage nach dem Tod übergeben.
Vatan, 03.07.2008
Tod in Polizeihaft in Zonguldak
Nach Angaben von Zuständigen der Polizei starb Metin Yüksel (38) am 2. Juli im Atatürk Staatskrankenhaus, nachdem er in Polizeihaft in der Carsi-Polizeistation in der Provinz Zonguldak gestürzt sei.
Gündem, 11.07.2008
Tod in Gewahrsam in Hakkari
Ein Augenzeuge gab an, dass eine nicht identifizierte Person auf der Gendarmeriestation im Distrikt Yüksekova (Provinz Hakkari) mit Holzknüppeln zu Tode geprügelt worden sei. Das Opfer sei zuvor von Dorfschützern unter dem Vorwurf festgenommen worden, „Mitglied einer illegalen Organisation“ zu sein. Weiter wurde behauptet, der Körper sei anschließend mit einem Militärfahrzeug abtransportiert worden.
Misshandlungen bei oder nach der Festnahme
TIHV, 10.01.2008
Misshandlung in Polizeihaft in Ankara
Am 5. Januar ließ die 12. Kammer des Friedensgerichtes Ankara 20 Personen frei, die am 4. Januar im Zusammenhang mit den Protesten gegen die Erhöhung der Gebühren für den öffentlichen Verkehr unter der Beschuldigung “Freiheitsberaubung” und “Widerstand gegen die Staatsgewalt” festgenommen worden waren. Einige der Angeklagten gaben an, sie seien während der Polizeihaft misshandelt worden.
Folter und Misshandlung durch Polizisten
Birgün, 16.02.2008
In einer offiziellen Beschwerde bei der Staatsanwaltschaft in Ardahan erhoben Sertac Tuzaktepe, Batuhan Sero und Birtas Tuzaktepe Foltervorwürfe. Sie beklagten aus einem Café heraus durch Polizisten zum Sicherheitsdirektorat der Provinz Ardahan gebracht worden zu sein. Dort und an einem weiteren, abgelegenen Ort außerhalb der Stadt habe man sie gefoltert.
Yeni Safak, 17.02.2008
Der siebzehnjährige O.C. Student an der Hacettepe-Universität in Ankara berichtete, dass er in der Kayas Eski Moschee (Provinz Ankara) von dem Polizisten H.O. zweimal geschlagen worden sei. Auf Forderung des Polizisten habe er vor der Moschee auf diesen gewartet bis die Predigt beendet gewesen sei. Er sei auf den Boden gelegt und unter Schlägen in ein Auto gebracht worden. Der Beamte H.O. habe heftig geflucht. Ihm sei auf die Beine und auf den Bauch geschlagen worden. Der Verantwortliche der Polizeistation, Hüseyin Cam, hat den Vorfall bestätigt und gesagt: “Im Sinne des türkischen Strafgesetzes hat die Polizei das Recht Gewalt anzuwenden. Der Vorfall zwischen O.C. und dem Polizeibeamten ist daher nicht ungewöhnlich.“
Halkin Sesi, 18.02.2008
Misshandlung in Polizeihaft in Malatya
Am 17. Februar erklärten Adem Yildiz und Erhan, Mitglieder der Malatya Front für Rechte und Freiheiten (HÖC), dass sie von Polizisten geschlagen wurden, nachdem sie festgenommen worden waren, weil sie Poster zu der Kampagne "Unser gemeinsamer Feind sind die USA" in der Provinz Malatya aufgehängt hatten. Beide wurden in Polizeihaft mit auf dem Rücken in Handschellen gefesselten Händen 10 Stunden lang festgehalten. Auch auf der Polizeistation wurden sie geschlagen und erhielten vor allem Schläge gegen den Kopf. Sie wurden wegen Widerstands gegen die Polizei, Aufhängen von Postern ohne Genehmigung und Nicht-Angeben ihrer Identität zur Staatsanwaltschaft gebracht, die sie freiließ.
atilim.org, 10.03.2008
Folter durch Polizei in Gebze
Am 6. März schritt die Polizei bei einem Streit zwischen zwei Familien in Gebze (Provinz Kocaeli) ein und nahm 6 Personen fest - Tahir, Bilen, Ercan, Zahir, Bülent Günel und Abdulkadir Arar. Die Festgenommenen behaupten, dass die Polizisten ihre Wohnung mit Pfeffergas und Knüppeln gestürmt und sie gefoltert und mit Knüppeln geschlagen hätten. In dem Haus sei es auch zu Sachschäden gekommen. Sie gaben an, dass die Polizisten mit zerbrochenem Glas in die Handgelenke von einem der Opfer geschnitten hätten. Die Opfer wurden erst in einem Wald im Gebiet Darica im Kreis Gebze und dann auf dem Polizeipräsidium von Darica gefoltert und misshandelt. Ercan Güncel berichtete, ein Polizist hätte gefragt, woher sie seien. Als er gesagt habe, sie seien aus Kars, seien sie beschimpft worden "dann sind sie Terroristen", und während sie gefoltert worden seien, hätten die Polizisten gesagt "Apo soll kommen und sie retten". Zahir Güncel habe aufgrund der Folter eine Bescheinigung über Arbeitsunfähigkeit für 45 Tage erhalten. Er berichtete, dass der Polizist sie mit der Vergewaltigung seiner Schwester bedroht und gesagt habe "heute Abend wird deine Schwester bei uns bleiben".
Die Folteropfer werden bei der Zweigstelle Istanbul der Menschenrechtsstiftung der Türkei (TIHV) behandelt.
Halkinsesi, 04.04.2008
Misshandlung in Polizeihaft
Am 1. April besuchten 15 Mitglieder der Front für Rechte und Freiheit (HÖC) die Bewohner des Stadtteils Basibüyük im Bezirk Maltepe der Provinz Istanbul, deren Häuser nach einem Stadtentwicklungsprojekt abgerissen werden sollen. Polizisten schritten gegen die Gruppe mit Reizgas und Knüppeln ein. Yusuf Altindag wurde festgenommen und am 2. April freigelassen. Er zeigte blaue Flecken in seinem Gesicht und berichtete, dass er physischen Angriffen der Polizisten ausgesetzt worden war.
atilim.org, 30.04.2008
Folter und Misshandlung in Polizeihaft
Vier Mitglieder der Sozialistischen Partei Initiative waren am 30. April festgenommen worden, als sie Plakate für die Maifeier aufhängten. Nach seinem Besuch auf der Polizeistation gab ihr Anwalt, Deniz Tuna, eine öffentliche Erklärung ab. Er sagte, seine Mandanten seien auf der Polizeistation gefoltert worden.
ANF, 09.04.2008
Misshandlung in Polizeihaft in Diyarbakir
Am 8. April folterten sieben Polizisten Mehdi Kurt (11) – Verteiler der Zeitungen Azadiya Welat und Yedinci Gündem - in Diyarbakir zwei und eine halbe Stunde lang auf der Polizeistation. Sie versuchten auch, ihn zu zwingen, die türkische Fahne zu küssen. Kurt berichtete auch, dass er wegen seiner Tätigkeit bedroht wurde. Zwei Zivilpolizisten schlugen ihn nach seiner Freilassung, als sie ihn unter Zwang in ein Taxi setzten.
Radikal, 10.05.2008
Misshandlung in Polizeihaft in Sanliurfa
A.T. wurde am 5. Mai von Bauarbeitern belästigt und dann unter der Beschuldigung, er habe als er Arbeit gesucht habe, ein Kind sexuell belästigt, zur Gendarmeriestation von Karaköprü in der Provinz Sanliurfa gebracht. Nachdem festgestellt wurde, dass er die Straftat nicht begangen hatte, wurde er freigelassen. A.T. erstattete wegen Folterung in der Gendarmeriestation Anzeige gegen einen Unteroffizier und zehn Soldaten.
Evrensel, 10.05.2008
Misshandlung in Polizeihaft in Izmir
Berichten zufolge wurden D.Ö. (17), V.Ö. (15) und K.K. (15) in der Polizeistation im Kreis Cigli in der Provinz Izmir gefoltert, weil sie die Polizisten beleidigt hätten. Die Familien der Opfer sagten, dass das Trommelfell von D.Ö. geplatzt sei. Die drei Opfer seien zu drei verschiedenen Polizeistationen gebracht und in jeder gefoltert worden.
Radikal, 17.05.2008
Folter und Misshandlung in Gewahrsam
Dr. Deniz Yazici wurde bei einem Gespräch mit Polizisten im Viertel Bornova (Izmir) festgenommen. Er hatte mit ihnen über Ahmet Yildiz gesprochen, ein Opfer von Polizeigewalt. Sowohl Yildiz als auch Yazici sind im Zusammenhang mit ihrer Festnahme schwer geschlagen worden. Die Misshandlungen sollen auf der Polizeiwache fortgesetzt worden sein. Dr. Yazici wurde aufgrund der Misshandlungen in ein Krankenhaus eingewiesen. Drei Polizisten sind im Rahmen einer Untersuchung zu Folter daraufhin vom Dienst suspendiert worden.
LNA, 20.05.2008
Folter und Misshandlung in Polizeihaft
Sükran Dalkiran und sein Kollege Ali Bayram Tekbas wurden am 11. Mai im Zusammenhang mit einem Vorfall von Vergewaltigung im Distrikt Sariyer in der Provinz Istanbul in der Polizeistation Maslak gefoltert.
Star, 01.06.2008
Folter und Misshandlung in Gewahrsam
Zwei britische Staatsangehörige, Ann Ward (55 J.) und Lisa Shipward (29 J.), wurden nach einer Razzia in einem Kindergarten festgenommen. Sie sollen ohne Arbeitserlaubnis Englisch unterrichtet haben. Nach ihrer Festnahme am 25. Mai im Distrikt Marmaris (Provinz Mugla) wurden sie nach sieben Tagen Gewahrsam abgeschoben. Die Lehrerinnen gaben an, misshandelt worden zu sein.
Yeni Safak, 08.06.2008
Misshandlung in Istanbul
Hilmi Gümüs klagt, er sei in der Polizeistation Sehit Yüksel Taspinar im Distrikt Pendik in der Provinz Istanbul geschlagen worden, als er dort hin gegangen war, um sich über die Situation seines Bruders zu erkundigen, der am 3. Juni in einen Streit eingegriffen hatte. Gümüs, der Spuren der Schläge im Gesicht und Nacken hat, sagt, er werde Anzeige erstatten.
M.S.D. (52), M.G. (19), Ö.Ö. (15) und M.A. (15) berichteten, dass am 11. Juni in der Polizeistation "Zehnter April" im Distrikt Baglar in Diyarbakir gefoltert wurden. Sie waren zur Polizeistation gebracht worden, um über einen Vorfall in einem Internet-Café auszusagen. M.S.D. wurde wegen der Schläge auf sein Gesicht zum Staatskrankenhaus Diyarbakir gebracht und erhielt eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung für 15 Tage. Er sagte, dass 15-20 Polizisten sie nach dem Betreten der Polizeistation mit Knüppeln, Pistolen und Radios angegriffen hätten. Ein Polizeikommissar soll gesagt haben "ihr seid Kurden, ihr werdet nicht sterben, Hunde, euch passiert nichts". (Gündem, 16.06.2008).
halkinsesi.tv, 22.06.2008
Folter und Misshandlung in Gewahrsam
Angaben zufolge sollen vier Minderjährige am 16. Juni im Distrikt Hozat (Provinz Tunceli) gefoltert worden sein. Sie waren zuvor festgenommen worden, weil sie an Wände geschrieben hätten, und seien bei der Festnahme geschlagen worden. Zudem habe man sie gezwungen, die Nationalhymne zu singen.
Birgün, 23.06.2008
Folter in Polizeihaft in Bornova/Izmir
Nebi Demir behauptet, dass er am 17. Juni von drei Polizisten auf der Polizeistation Bornova geschlagen worden sei. Er war an der Metrostation festgenommen worden, weil gegen ihn ein Haftbefehl vorliegen soll.
Cumhuriyet, 01.07.2008
Folter und Misshandlung in Gewahrsam in Istanbul
Einheiten der Polizei verhinderten in Istanbul-Beyoglu eine Kundgebung der Gruppe „Volkshäuser“ (Halkevleri) anlässlich des Massakers von Sivas (02.07.1993). Ilknur Birol wurde festgenommen und für kurze Zeit in das Atlas Theater gesperrt, wo es zu Schlägen und Drohungen gekommen sein soll. In Sivas waren über dreißig Menschen, überwiegend Aleviten, bei einem Brandanschlag ums Leben gekommen.
atilim.org, 06.07.2008
Folter und Misshandlung in Gewahrsam
Drei kurdische Arbeiter – N.Elveren, D.Elveren und E.Öztas – sollen von Polizisten zunächst in der Straße und schließlich auf dem Polizeirevier Altinkum geschlagen worden sein. Der Zwischenfall ereignete sich im Distrikt Didim (Provinz Aydin) und soll seinen Anlass in fehlenden Ausweisdokumenten gehabt haben.
atilim.org, 11.07.2008
Folter- und Misshandlung in Gewahrsam in Istanbul
Zehn Rechtsradikale haben Celal Mezarci, Verteiler der Zeitung „Atilim“, am 10. Juli in der Provinz Istanbul attackiert. Zusammen mit dreien der Angreifer sei Mezarci inhaftiert und schließlich in dieselbe Zelle gesperrt worden. Anschließend habe man die Angreifer entlassen und er sei durch Polizisten geschlagen worden.
Misshandlungen bei unregistrierten Festnahmen
Evrensel, 18.01.2008
Misshandlung eines Anwalts durch Polizisten in Istanbul
Rechtsanwalt Timur Biber (31) reichte bei der Staatsanwaltschaft Klage ein mit der Begründung, er sei am 16. Januar von der Verkehrspolizei im Stadtteil Merter geschlagen worden. Biber war in einen Verkehrsunfall verwickelt und forderte die Verkehrspolizisten auf, ihm einen Bericht zu geben. Die Polizisten lehnten dies ab und wollten Biber festnehmen. Als Biber sagte, er sein Anwalt und das Anlegen von Handschellen ablehnte, wurde er geschlagen. Biber wurde das Wangenbein und ein Finger gebrochen und erhielt ein ärztliches Attest für 7 Tage Arbeitsunfähigkeit.
Atilim.org, 04.02.2008
Polizeigewalt gegen Zeitungskorrespondenten
Der Korrespondent der Zeitung Atilim, Mustafa Kapar, berichtete, dass er am 4. Februar von Polizisten angegriffen wurde. Zwei Polizisten hätten ihn an einen einsamen Ort gebracht, ihn dort geschlagen und bedroht. Die Polizisten hätten seinen Journalistenausweis zerrissen und die Memory-Karte seiner Kamera beschlagnahmt.
Radikal, 11.02.2008
Misshandlung durch örtliche Polizei
Am 9. Februar kam es in Iskenderun (Provinz Hatya) zu einer Auseinandersetzung zwischen einem örtlichen Polizisten und zwei Straßenverkäufern religiöser Schriften. Der Polizist verletzte einen der Straßenhändler mit dem Knüppel am Kopf. Er kam zur Behandlung ins Krankenhaus.
Birgün, 12.03.2008
Misshandlung eines Iraners durch Polizisten in Istanbul
Der iranische Staatsbürger Muhammad Hüseyin berichtete, dass er am 11. März von Polizisten attackiert und geschlagen wurde, als er aus einem Juweliergeschäft herauskam. Die Polizisten zwangen ihn danach in ein Polizeifahrzeug einzusteigen. Bei der Station Zeytinburnu Tepe (Istanbul) wurde er aus dem Auto geworfen. Er reichte Klage gegen die Polizisten ein, die seinen Pass zerrissen und sein Geld genommen hatten. Der Vorfall wurde durch Kameras des Mobilen Elektronischen System Integration aufgezeichnet. Zwei Polizisten wurden im Sicherheitsdirektorat Zeytinburnu verhört.
Birgün, 12.03.2008
Misshandlung in Gaziantep
Güney Koc, Student der Universität Gaziantep und Mitglied der Initiative Jugend-Vereinigung Gaziantep, berichtete, dass er von Zivilpolizisten am 11. März auf dem Heimweg misshandelt worden sei. Er habe einen Arztbericht erhalten, der wegen Schlägen ins Gesicht erstellt wurde. Die Polizisten hatten ihn gezwungen in den Altincim-Park zu gehen und hatten die Leute aus dem Park weggeschickt, damit sie nicht sehen, was sie mit Güney Koc machen.
atilim.org, 21.03.2008
Anwalt in Istanbul von Zivilpolizisten geschlagen
Der Anwalt Veysi Babat beklagt von Zivilpolizisten geschlagen und schikaniert worden zu sein. Diese hätten ihn am 8. März aufgehalten, nachdem er gerade seine Wohnung im Viertel Fatih (Istanbul) verlassen hatte. Nachdem sein Ausweis kontrolliert wurde, soll er sich gegen eine Durchsuchung zur Wehr gesetzt haben und wurde schließlich zur Polizeistation von Sehit Tevfik Fikret Erciyes gebracht.
ANF, 27.03.2008
Folter durch Polizisten in Antalya
E.Y. (16), die Tochter von Ihsan Yildiz, einem Mitglied der Partei der Demokratischen Gesellschaft (DTP) in der Provinz Antalya, berichtete dass sie von zwei Personen, die sagten, sie seien Polizisten, entführt und gefoltert worden sei. E.Y. sagte: "Sie brachten mich in einen Wald. Sie zeigten mir einige Fotos, die bei den Newroz-Feiern aufgenommen worden waren, und fragten mich nach den Namen. Sie folterten mich, als ich sagte, dass ich sie nicht kenne. 1 ½ Stunden später ließen sie mich an dem Platz frei, von dem sie mich entführt hatten".
Birgün, 21.05.2008
Örtliche Polizisten foltern Straßenhändler
Drei örtliche Polizisten von Pendik (Provinz Istanbul) entführten am 12. April den Ballonverkäufer Yusuf Sirin (53) und folterten ihn brutal in einem Lagerhaus, der zum Direktorat für Parks und Gärten der Verwaltung von Pendik gehört. Sirin verlor dadurch eine Niere und verbrachte die letzten 40 Tage in der urologischen Abteilung des Staatskrankenhauses von Kartal. Er erhielt eine ärztliche Bescheinigung über dauerhafte Arbeitsunfähigkeit.
Evrensel, 29.05.2008
Schläge durch Polizisten in Istanbul
Bayram Aydin wurde am 24. Mai auf der Polizeistation Pendik-Camcesme (Provinz Istanbul) von Polizisten geschlagen und bedroht. Ein Polizist beschuldigte Bayram Aydin, weil er beim Aussteigen aus dem Bus hingefallen war. Der Polizist griff Aydin auf der Strasse an und schlug ihn zusammen mit Kollegen bis zur Polizeistation.
Bianet.org, 28.05.2008
Transsexueller von Polizisten geschlagen und bedroht
Der transsexuelle Künstler Esmeray wurde am 25. Mai im Istanbuler Stadtteil Tarlabasi von Polizisten geschlagen und bedroht, weil er die Polizisten nicht seine Tasche durchsuchen ließ.
Evrensel, 27.06.2008
Verbrühung eines Jungen in Van
Polizisten gossen am 7. Juni bei der Versammlung "Marsch der Arbeiter für eine freie und demokratische Türkei nach Van" heißes Wasser über das Gesicht von C. Isik (12), der als Straßenhändler Tee verkauft. Er war an einem Kontrollpunkt im Versammlungsgebiet mit der Begründung festgenommen worden, in seiner Thermoskanne könne eine Bombe sein. Als ein Polizist versuchte, die Thermoskanne zu öffnen, verbrühte er sich seine Hand. Den Rest des heißen Wassers goss er auf das Gesicht von C. Isik (12). Dieser ging erst fünfzehn Tage nach dem Vorfall ins Krankenhaus, weil er Angst hatte aus dem Haus zu gehen. Vom staatlichen Krankenhaus Van erhielt er ein medizinisches Attest, das Verbrühungen zweiten Grades auf seinem Gesicht und seinen Schultern bestätigt. Sein Vater erstattete Anzeige gegen die Polizisten.
Gündem, 21.07.2008
Folter in Lice
Nedim Kirhan, Schafhirte in Lice (Provinz Diyarbakir), beschwerte sich über Folter am 10. und 17. Juli . Für juristische Unterstützung wandte er sich an den Menschenrechtsverein IHD in Diyarbakir. Ebenso reichte er eine Anzeige gegen die Sicherheitskräfte bei der Staatsanwaltschaft in Diyarbakir ein.
Gündem, 30.07.2008
Misshandlung in Polizeihaft in Mersin
A.S. (13), die in Mersin lebt, erstattete Anzeige gegen Zivilpolizisten des Sicherheits-Zentrums der Provinz, die sie entführt und geschlagen haben. Sie hatte Spuren von Schlägen vorn, hinten, links und rechts an ihrem Körper, an den Schultern und am rechten Fußgelenk. Sie berichtet, dass sie bis auf ihre Unterwäsche nackt ausgezogen wurde und ihr Kopf mit ihrer Jacke bedeckt wurde, während sie geschlagen wurde.
Brutalität bei Demonstrationen
Evrensel, 18.01.2008
Brutaler Einsatz von Pfeffergas in Istanbul
Nejat Degirmenci behauptet, er sein in der Nacht des 16. Januar auf dem Taksim-Platz in Istanbul von Polizisten angegriffen worden. Weil Degirmenci wegen des Einsatzes von Pfeffergas nicht atmen konnte und sein Gesicht zyanotisch wurde, wurde er in das Notfall-Krankenhaus Taksim gebracht.
Birgün, 01.03.2008
Polizei prügelt junge Gewerkschafter
Sechs Mitglieder der Jugendgewerkschaft in der Universität Kocaeli wurden festgenommen, weil sie Transparente mit der Aufschrift "Recht auf freie Ausbildung" trugen. Die Polizei schlug die Festgenommenen. Es wurde berichtet, dass der Student Ali Emre Deger schwer verletzt wurde.
Gündem, 05.03.2008
Brutale Polizeigewalt
Am 5. März schritten Sicherheitskräfte gegen eine Versammlung für den "8. März Tag der arbeitenden Frauen der Welt" in Ercis (Provinz Van) ein. 18 Personen wurden verletzt, 7 davon Polizisten. Drei Verletzte, darunter zwei Polizisten, wurden in das Staatskrankenhaus von Van gebracht. Einer der Demonstranten musste operiert werden. Bei dem Vorfall wurden 107 Personen festgenommen.
Bei der Beerdigung von Hediye Kurhan (f), einer HPG-Militanten die am 24. November 2007 in der ländlichen Region des Kreises Güclükonak (Provinz Sirnak) getötet worden war, in Siirt wurden sechs Personen verletzt.
Gündem, 21.03.2008
Zwischenfälle bei den Newrozfeiern
Zwei befristet eingestellte Dorfschützer schossen in Cizre mit ihren Gewehren und verletzten fünf Personen -Nedim Ertan, Resit Kolanç, Nurettin Kolanç, Feyruz Kolanç und Serif Turan. Im Kreis Silopi wurde Recep Asan am Kopf durch die Kapsel einer Gasbombe verletzt.
Yeni Safak, 02.04.2008
Weiterer Toter nach den Newroz-Feiern
Am 1. April starb Ramazan Dal (30), der am 22. März bei der Newroz-Feier in der Provinz Van verletzt worden war, in einem Krankenhaus.
Straffreiheit (Prozesse gegen Folterer)
Milliyet, 17.01.2008
Folterer im Fall Birtan Altinbas in Haft
Vier Polizisten, die am 23. März 2007 zu 8 Jahren, 10 Monaten und 20 Tagen Haftstrafe wegen der Tötung des Studenten Birtan Altinbas durch Folter im Jahre 1991 verurteilt worden waren, haben am 11. Januar 2008 ihre Haftstrafe im Elmadag-Gefängnis in Ankara angetreten. Nach dem Amnestie-Gesetz von 1999 müssen sie 21 Monate Haftstrafe verbüßen. Nuh Mete Yüksel, einer der Staatsanwälte in dem Verfahren wegen der Ermordung von Birtan Altinbas und ehemaliger Chefankläger des Staatssicherheitsgerichtes, begleitete die Polizisten, als sie ins Gefängnis gingen.
Birgün, 14.3.2007
Straflosigkeit bei Todesfall im Gefängnis
Die erste Instanz des 7. Strafgerichts von Diyarbakir hat vier Polizisten freigesprochen. N.C., A.S.D., C.D. und S.U. waren im Zusammenhang mit dem Tod von Murat Yavuzer (28 J.) des „Fehlverhaltens im Dienst“ angeklagt worden. Der vermeintliche Taschendieb Yavuzer war nach seiner Festnahme in Diyarbakir am 1. Juni 2005 tot in seiner Zelle aufgefunden worden. Die Behörden behaupteten, dass Yavuz Selbstmord begangen hätte, indem er sich mit seinen Hosen an den Zellengittern erhängt habe. Hingegen ergab die Autopsie von Yavuz Hinweise auf Folterspuren und die Gitterstäbe der Zelle sollen ungeeignet für den Suizid gewesen sein. Die Überwachungskameras für den Bereich waren an diesem Tag nicht in Betrieb, es konnten keine Aufzeichnungen aufgefunden werden.
Gündem, 03.04.2008
Straffreiheit für Folterer
Die 2. Kammer des Amtsgerichtes Mardin sprach die fünf Polizisten - B.U., N.E., A.Ö., H.S. und L.B. am 3. April in einem Folter-Verfahren frei. Das Gericht begründete den Freispruch damit, dass die Aussagen des Folteropfers Hamdiye Aslan widersprüchlich und abstrakt gewesen seien. Hamdiye Aslan war nach ihrer Festnahme am 5. März im Distrikt Kiziltepe in der Provinz Mardin gefoltert worden.