Die letzten Griechen (Rum)
| Datum | 050203 |
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| Sprache | Deutsch |
Hürriyet vom 31.01.2005
Die letzten 1244 "Rum" (Griechen?)
Die im Türkischen als "Rum" bezeichneten Menschen sind Ostromanen und eigentlich keine Griechen. Sie gehören zu den ältesten Einwohner von Anatolien und Thrazien. Nach dem 6. Jahrhundert, als die Byzantiner die griechische Sprache als Amtssprache einführten, haben sie eine andere Art von Griechisch entwickelt. Es gibt auch welche, die kein Griechisch sprechen. Sie werden als "Karamanli" bezeichnet und sind im Wesen Türken, die zum Christentum konvertiert sind. Von ihnen wurden 200.000 als "Rum" beim Volkstausch nach Griechenland geschickt. Die "Rum" bezeichnen sich als Erben der Lydianer, Karianer und Trojaner. Die Geburtsorte sind denn auch in Istanbul, Kapadokien, Kayseri, Kastamonu, Konya, Nevsehir oder die Inseln der Ägäis wie Gökceada, Bozcaada oder Chios, d.h. sie sind nicht aus Griechenland hierher gekommen.
Im Jahre 1921 verließ Griechenland das osmanische Reich. Im Vertrag von Lausanne wurde 1923 der Austausch der Völker beschlossen. Nur die "Rum" von Istanbul und die Türken in Westthrazien wurden von diesem Austausch ausgeschlossen. Die "Rum" auf den Inseln Gökceada und Bozcaada, die wieder zur Türkei kamen, durften ebenfalls bleiben. Die Ereignisse vom 6. und 7. September 1955 war der große Bruch. Es kam zu Plünderungen, Vergewaltigungen und Morden. Es wurden 5.538 Geschäfte geplündert, von denen 3.584 den "Rum" gehörten. Viele "Rum" haben danach Istanbul verlassen. Im Jahre 1963 wurden Türken auf Zypern ermordet. Zu diesem Zeitpunkt lebten 110.000 Rum in Istanbul, von denen 12.704 auch einen griechischen Pass besaßen. 8.600 Geschäftsleute mussten Istanbul binnen 24 Stunden verlassen. Mit den bei ihnen beschäftigten Personen verließen damals 30.000 "Rum" die Stadt. Nach der Offensive auf Zypern im Jahre 1974 haben wiederum viele "Rum" die Türkei verlassen.
Anfang des 20. Jahrhunderts lebten in Anatolien und Thrazien an die 2 Millionen "Rum". Durch den Volkstausch verließen 1,2 Millionen "Rum" Anatolien und es kamen 500.000 Moslems aus Griechenland in die Türkei. In Istanbul und Gökceada und Bozcaada waren danach noch 180.000 "Rum".
Zusammen mit meinem Freund aus der Kindheit, Panayot, der nach Australien ausgewandet war, saßen wir in einer Kneipe in Kumkapi. Er fragte mich, wie viele wohl noch da seien und ich schätzte ca. 2.000. Ein anderer Freund am Tisch sagte: "Wir sind exakt 1.247. Offiziell sind wir 1.905, aber viele davon fahren zwischen Griechenland und der Türkei hin und her." Durch den Tod von 3 Personen verringerte sich dann die Zahl der in der Türkei verblieben "Rum" auf 1.244.
Eleni Drohoma (90) ist ins Altersheim gezogen, nachdem ihr Haus in Tarlabasi, wo es von Taschendieben wimmelt, überfallen wurde und sie lauthals aufgefordert wurde, das Haus zu verlassen. "Dabei ist die Polizeistation nicht einmal 100 Meter entfernt“, sagt sie. Zurzeit sind 120 Alte in dem Heim, das von der Stiftung des Balikli Rum Krankenhauses betrieben wird.
Auf Gökceada leben noch 167 "Rum", deren Durchschnittsalter über 70 sein soll. Auf Bozcaada bilden die "Rum" eine Gemeinde von 25 Personen.
Die Zahl der Schulen ist vom Jahre 1949/50, wo es 45 Grundschulen, 5 Realschulen und 6 Gymnasien der "Rum" in Istanbul mit 5.013 Schülern gab, auf 10 Grundschulen zurückgegangen, auf denen 221 SchülerInnen unterrichtet werden. Es gibt in der gesamten Türkei noch 68 Kirchen der griechisch-orthodoxen Glaubensrichtung (55 davon in Istanbul). Damit entfallen auf jede Kirche im Durchschnitt 18 Personen. Allerdings gibt es in Hatay und Mersin noch 9 Kirchen, die eigentlich von orthodoxen Arabern benutzt werden.