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030524
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Deutsch
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Cumhuriyet vom 24.05.2003
Kolumne von Oral Çalislar
Strafe für StudentInnen in Bolu
Das Urteil hatte ich gelesen, aber weil ich wissen wollte, warum die Jugendlichen zu Haftstrafen zwischen 1,5 und 3 Jahren verurteilt wurden, habe ich mir die Akte angeschaut.
Ich habe die Jugendlichen und unser Land bedauert. Die StudentInnen von der Abant Izzet Baysal Universität (AIBU) in Bolu wollten des Mordes an ihrem Kommilitonen Kenan Mak, der am 3. Mai 1998 von Rechtsradikalen ermordet wurde, gedenken. Das tun sie jedes Jahr.
Hätte die Gendarmerie sich nicht eingemischt, wäre vielleicht nichts geschehen. Aber unser Bildunsgwesen lebt seit Jahren in der Angst, dass die StudentInnen protestieren könnten. Deshalb versucht man, sie mit Drohungen und Angst zum Schweigen zu bringen.
Was unser Land dadurch gewinnt, verstehe ich nicht. Die StudentInnen zum Vorfall:
"Wegen der Ermordung des Studenten Kenan Mak am 3. Mai 1998 veranstalteten die StudentInnen der AIBU jedes Jahr eine Gedenkfeier. Bis letztes Jahr... Dieses Mal sollte die Gedenkfeier verhindert werden. Die Gedenkfeier wurde zwar durchgeführt, aber danach wurden von 9 StudentInnen 3 zu einer Haftstrafe von 3 Jahren und 6 zu einer Haftstrafe von 18 Monaten verurteilt. Zusätzlich wurden sie für 2 Semester vom Unterricht ausgeschlossen. Weitere Gedenkfeiern wurden untersagt. Die Lösung der Probleme wurde der Gendarmerie überlassen."
Der Rektor Yasar Akbiyik meinte, dass er nicht gegen Gedenkfeiern sei. Fehler wolle er korrigieren, aber er sei nicht Rektor geworden, um sich mit dem Menschen abzugeben. Er sagte ferner, dass die StudentInnen demokratische Proteste zeigen sollten, aber gleichzeitig verbot er weitere Gedenkfeiern und hat die Strafen gleich umgesetzt, obwohl sie zur Bewährung ausgesetzt wurden.
Seit wann hat der Rektor sich nicht mit Menschen abzugeben? Wird die Universität von der Gendarmerie geführt? Der Rektor hätte sogar die Gendarmerie zurückhalten können.
Diese Art von Strafe für Jugendliche, die gegen das Töten sind, hat nichts mit Verstand und Gewissen zu tun. Wir haben es hier mit einem Bildungs- und Gerichtswesen zu tun, dass behauptet, die Kriterien der EU zu erfüllen, in der Praxis aber wie gewohnt weitermacht. Eine Geisteshaltung, die sich gegen Links verschwört hat und die Linke als Schreckgespenst sieht...
Das führt dazu, dass Jugendliche, die sich gegen das Töten wenden, als Mitglieder bestimmter Organisationen, die unter dem Einfluss fremder Mächte stehen, angesehen werden, sie mit Knüppeln und Tritten auseinander getrieben und ihre Aussagen unter Misshandlungen aufgenommen werden. So als ob ein Mensch von sich aus nicht handeln kann, werden die Menschen nichts als Individuen gesehen werden und können daher auch keine demokratische Reaktion zeigen.