42 Gefangene mit weniger Glück als Erbakan
| Datum | 080821 |
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| Sprache | Deutsch |
Milliyet vom 21.08.2008
42 Gefangene haben weniger Glück als Erbakan
Die Begnadigung von Necmettin Erbakan durch den Staatspräsidenten Abdullah Gül, der seinen Hausarrest wegen dauerhafter Krankheit aufhob, hat zu Diskussionen um die Lage kranker Gefangener geführt. Die Menschenrechtsstiftung der Türkei (TIHV) gab an, dass es 42 Gefangenen genau so schlecht gehe wie Necmettin Erbakan. Der Menschenrechtsverein IHD bezifferte die Zahl der dauerhaft erkrankten Gefangenen auf 52. Yavuz Önen, der Vorsitzende der TIHV sagte, dass es um eine ordentliche Behandlung nicht um vorzeitige Entlassung gehen und forderte den Staatspräsidenten auf, die gleiche Sensibilität, die er Erbakan habe zukommen zu lassen, auch den anderen Gefangenen zu gewähren.
Zu den schwer erkrankten Gefangenen gehören:
- Erol Zavar hat Blasenkrebs. Er wurde an die 30 Mal operiert
- Fethullah Demirtas kann nur flüssige Nahrung zu sich nehmen, weil sein Unterkiefer Knochenschwund aufweist
- Mesut Deniz leider an fortgeschrittener Schizophrenie. Trotz entsprechendem Attest der Gerichtsmedizin wird er nicht entlassen.
- Naim Ekmekci fehlt der rechte Arm (von der Schulter an) und das rechte Bein (vom Knie an). Er braucht Prothesen.
- Cengiz Kahraman leidet am Wernicke-Korsakoff Syndrom und hat Probleme beim Essen
- Aynur Serpil hat Krebs. Sie ist seit 15 Jahren in Haft und war in Gefängnissen in Sivas, Siirt, Diyarbakir und jetzt wieder in Siirt.
- Bünyamin Bilge ist gelähmt und bettlägerig. Er hat ein Attest, dass er sich nicht allein versorgen kann
- Emrullah Aslan hat einen Arm in Gips. Da die Soldaten darauf bestehen, Handschellen anzulegen, wird die notwendige Operation nicht durchgeführt.
- Nesimi Kalkan kann sich wegen Zöliaki nicht selber versorgen
- Yasar Ince leidet an Hepatitis B, Leistenbruch, hat Nierensteine, ein Magengeschwür und ein schwaches Herz
- Cemal Yalcin hat ein Attest über Schuldunfähigkeit. Bei einer Krise im Jahre 2007 hat er Fensterscheiben eingeworfen.
Der 75-jährige Sadik Topal kommt nicht in den Genuss des für Erbakan erlassenen Gesetzes (alle Gefangenen über 75 Jahren können eine Strafe unter 3 Jahren als Hausarrest "absitzen"). Er war nach einem Streit über Landbesitz zu 10 Jahren und 10 Monaten Haft verurteilt worden. Seit mehr als zwei Jahren ist er im Gefängnis (seit dem 11. April in Nigde) und wartet nun darauf, dass der Staatspräsident ihn begnadigt, weil er ein chronisches Lungenleiden und Atembeschwerden hat.